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Aus dem Ruhestand in die Sprachlernklasse

Pensionierte Lehrer unterrichten Flüchtlingskinder Aus dem Ruhestand in die Sprachlernklasse

Es herrscht "Wir-schaffen-das!"-Stimmung: Drei eigentlich pensionierte Lehrer komplettieren an der Oberschule Burgwedel seit Mitte Februar höchst motiviert das Team der neu eingerichteten Sprachlernklasse für Flüchtlingskinder.

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Schülerin Okufran Hussein schlüpft so oft wie möglich in die Rolle der Sprachlehrerin.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Mehr als ein halbes Jahr hatte die Schule auf der Ramhorst auf grünes Licht der Landesschulbehörde für die Sprachlernklasse warten müssen. In der Zwischenzeit machte das Kollegium mit seinen hausgemachten Sprachförderangeboten die Erfahrung, dass man als Lehrer "allein auf einsamem Posten" schlicht überfordert wäre. Zu unterschiedlich seien die persönlichen Schicksale und Traumata der geflüchteten Kinder, zu groß die Spanne zwischen unalphabetisiert und fließend Englisch, schildert Lehrerin Silke Melzer. "Uns war schnell klar: Man muss da mindestens zu zweit rein, um den Kindern gerecht zu werden."

16 Jungen und Mädchen überwiegend aus Syrien, Afghanistan und Montenegro – das ist die nunmehr reguläre Sprachlernklasse, für die das Land der Oberschule 30 Lehrerstunden pro Woche bewilligt hat. Rektorin Renate Koch setzt auf Team-Teaching: Den insgesamt drei Lehrkräften aus ihrem Stammkollegium, die in der Klasse unterrichten, stehen seit dem 15. Februar drei Berufsrückkehrer zur Seite, die der Hilferuf des Kultusministeriums nicht kalt gelassen hatte.

Hildegard Hehl, Claus Wagner und Regina Runge-Beneke aus Sehnde und Laatzen, die die Doppelbesetzung in der Sprachlernklasse sicherstellen, bringen aus ihren Gymnasial- und Gesamtschulkarrieren Erfahrungen mit Migranten und Geflüchteten mit. "Der Zugang zu diesen Kindern muss ein ganz anderer sein", erklärt Hehl, die auch privat eine Flüchtlingsfamilie betreut. „Das geht über Herz und Emotionen, der sachliche Eintrag ist sekundär“, pflichtet ihr Wagner bei. "Man muss sich jedes einzelnen Kindes annehmen", weiß Melzer. Die drei Neuen sind nicht nur über die enge Zusammenarbeit im Team begeistert. Er habe in der Arbeit mit den Flüchtlingskindern, die alles Neue aufsögen, "eine neue Sinnhaftigkeit im Lehrerdasein" gefunden, schwärmt Wagner nach nur drei Wochen.

Wie seine Pensionärskolleginnen möchte er gern über die Sommerferien hinaus weitermachen. Aber dafür müsse er sich erneut einem komplizierten Bewerbungsverfahren unterziehen – und auch für die Oberschule ist das mit vielen Formalitäten verbunden. Rektorin Koch hat zudem bereits eine zweite Sprachlernklasse beantragt. Denn bei einer Obergrenze von 16 Schülern ist die bestehende mit mehreren unalphabetisierten Kindern – diese werden doppelt gezählt – schon jetzt jenseits des Limits.

13-jährige Okufran aus Palästina hilft mit

Ihre Dolmetscher-Qualitäten sind höchst willkommen: In jeder Freistunde kommt Okufran Hussein aus dem Gymnasium rüber in die Oberschule, um in der Sprachlernklasse mitzuhelfen – ganz einfach, "weil es mir Spaß macht, wenn ich hier bin". Die 13-jährige Palästinenserin lebt in Thönse. Vor drei Jahren war ihre Familie aus der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Deutschland geflohen. "Wir sind sofort weg, als der Krieg ausbrach", erinnert sie sich in fast akzentfreiem Deutsch, das sie dem Besuch der Sprachlernklasse des Gymnasiums verdankt. Mittlerweile besucht Okufran dort eine Regelklasse und ist damit für die Flüchtlingskinder in der Oberschule ein großes Vorbild.

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Rektorin Renate Koch (links) setzt auf Teamwork: Claus Wagner und Hildegard Hehl (rechts) unterstützen Silke Melzer aus dem Stamm
kollegium bei der Betreuung der Flüchtlingskinder.

Quelle: Martin Lauber
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