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Feuerwehrbedarfsplan: Lob und Einkaufsliste

Burgwedel Feuerwehrbedarfsplan: Lob und Einkaufsliste

Eineinhalb Jahre hat die Firma Forplan gebraucht, um den Feuerwehrbedarfsplan für Burgwedel zu erstellen. Am Montagabend wurde er im zuständigen Ausschuss öffentlich vorgestellt. Das Ergebnis: Viel Lob für die Feuerwehr – aber durchaus Handlungsbedarf für die Stadt.

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Für den Burgwedeler Fuhrpark stehen im Feuerwehrbedarfsplan gleich mehrere Ersatzbeschaffungen.

Quelle: Carina Bahl

Burgwedel. 319 Einsatzkräfte zählen die sieben Feuerwehren Burgwedels aktuell. Durchschnittlich müssen die Ehrenamtlichen 198 Einsätze im Jahr bewältigen – „das ist eine hohe Einsatzbelastung, die weit über dem Durchschnitt liegt“, betonte Projektleiter Stefan Mertens. 309 der Feuerwehrleute hatten einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt, der unter anderem die Verfügbarkeit und die Wege von daheim und dem Arbeitsplatz zur Feuerwehr aufzeigte. „Der Ausbildungsstand ist sehr gut“, bilanzierte Mertens. Hier und da könnten aber weitere Atemschutzgeräteträger von Vorteil sein. Auch mit Blick auf die Altersstruktur und die Mitgliederentwicklung war der Gutachter zufrieden. Allerdings fehle es tagsüber an Einsatzkräften.

Kritisch sieht der Projektleiter nach Prüfung auch die Gerätehäuser: In vielen fehlt es an Platz für Umkleiden, in den Fahrzeughallen besteht auf Grund der Enge Verletzungsgefahr. An allen Standorten fehlt es an Parkplätzen – „wenn die Feuerwehrleute erst einen Parkplatz suchen müssen, verzögert das die Ausrückzeit“, so Mertens. Denn genau in diesem Punkt stellte sich die größte Schwäche heraus: Im Durchschnitt braucht die Feuerwehr zu lange, bis sie ausrückt. Parkplätze sind das eine Problem – „die vielen Ampeln bis zum Gerätehaus gehören auch dazu“, betonte Großburgwedels Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger. Die Großburgwedeler weisen denn auch mit durchschnittlich sechs Minuten mit die längste Zeit auf, bis sie losfahren. „Wenn nur zwei Minuten für die Anfahrt bleiben, kann man die Frist nicht einhalten“, betonte Mertens (siehe unten). Vor allem das Großburgwedeler Gewerbegebiet werde nicht in dieser Zeit erreicht.

Fehlende Rettungswege und Sicherheitsmarkierungen an Stolperfallen, eine fehlende Notstromversorgung sowie keine Trennung von Einsatz- und Privatkleidung stehen obendrein auf der Mängelliste für die Gerätehäuser. Beim Fuhrpark spricht der Projektleiter von einer modernen Ausstattung – aber auch dort ist die Einkaufsliste für die Stadt lang: Vier Löschfahrzeuge und vier Mannschaftstransportwagen sollte Burgwedel in den nächsten Jahren anschaffen. Auch Oldhorst brauche ein Fahrzeug mit Wassertank.

Ein wunder Punkt bleibt derweil die Drehleiter: Rechtlich, so Mertens, sei die Stadt zur Anschaffung nicht verpflichtet – auch wenn es viele hohe Gebäude in Großburgwedel gebe und keine Drehleiter aus den Nachbarkommunen diese Einsatzorte in der vorgegebenen Zeit erreichen könne. Als diese Gebäude entstanden sind, reichte aber für die Sicherung baurechtlich noch eine Schiebleiter bei der Feuerwehr aus. Diese halten die Großburgwedeler vor – und die alten Gebäude genießen Bestandsschutz. „Müssen“ tut die Stadt daher nichts, ob sie „sollte“, ist eine andere Frage. Das Gefährdungspotenzial bestätigt der Bedarfsplan, und „eine Drehleiter kann die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr Burgwedel grundsätzlich verbessern.“

Das 140 Seiten starke Gutachten findet sich für Interessierte im Internet auf www.burgwedel.de zum Nachlesen. Die Politik diskutiert darüber im August.

Das Ziel: In 80 Prozent der Fälle in 8 Minuten da sein

Laut Brandschutzgesetz ist die Kommune verpflichtet, eine leistungsfähige Feuerwehr vorzuhalten. Doch was heißt leistungsfähig? Die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland (AGBF) hat dazu eine Empfehlung abgegeben, die auch als Grundlage des jetzt vorgestellten Bedarfsplans genutzt wurde. Leistungsfähig ist eine freiwillige Feuerwehr demnach, wenn sie in 80 Prozent aller Fälle innerhalb von acht Minuten am Einsatzort eintrifft – mit neun Leuten, einer Löschgruppe. Diese braucht es für das Standard-Szenario eines „kritischen Wohnungsbrandes“. Das heißt: ein Zimmerbrand im zweiten Obergeschoss, der droht, sich auszubreiten. Der Zugang über die Treppe ist verraucht, und es gilt, Menschen über eine Leiter zu retten. Für Berufsfeuerwehren ist die Definition enger gefasst: Sie müssen dies in 90 Prozent der Fälle erreichen. Aktuell erreicht die Feuerwehr Burgwedel das Ziel nur in nur 41 Prozent der Fälle.

Von Carina Bahl

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