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Stadt steht im „Shitstorm“

Engensen Stadt steht im „Shitstorm“

Bundesweiten, teils ausländerfeindlichen Zuspruchs erfreut sich die Online-Petition „Keine Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Kita-Gelände in Engensen“. Die Stadt, deren Notfallplanung zu Fall gebracht werden soll, spricht von Shitstorm.

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Hier würden sich
die Wege der Kita-Kinder und der Flüchtlinge kreuzen, die
zur - abgezäunten - Mehrzweckhalle wollen.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Ihre Unterbringungsquote für Flüchtlinge hat die Stadt Burgwedel derzeit übererfüllt. „Weit weg“, so Ordnungsamtsleiterin Andrea Stroker, sei eine Belegung der Engenser Mehrzweckhalle. Die Halle ist Teil eines frühzeitig bekannt gemachten Plans B – die heftig umstrittene Option auf eine Notreserve für 40 Flüchtlinge. Im Augenblick gebe es ausreichend andere Ressourcen, unter anderem die 32 Plätze der Sammelunterkunft am Engenser Kiebitzweg.

Trotzdem nimmt seit der Veröffentlichung eines Artikels unter der Überschrift „Diskussion in Burgwedel: Flüchtlinge auf Kita-Gelände?“ auf Focus online am Mittwoch der Druck auf die Verwaltung massiv zu. Sie habe mit der Standortwahl eine „nicht zu verantwortende Entscheidung“ getroffen, heißt es in der Schlagzeile, die damit die Mutter eines dreijährigen Mädchens zitiert, das die Kita Engensen besucht: Freya Kalmbach und andere Eltern wollen mit der Online-Petition die Notlösung unbedingt kippen.

Der Online-Artikel befeuert ihre Petition. Bis Freitag um 15 Uhr wurde sie 915-mal unterzeichnet. Nur 277 Unterstützer davon kommen aus Burgwedel, die meisten bleiben anonym. „Fegt diese alternativlosen Gutmenschen aus ihren politischen Ämtern“, hat einer via Focus-Kommentarspalte an Bürgermeister Düker adressiert. Der hat eine Handakte voll mit E-Mail-Ausdrucken, ein kleiner Shitstorm. „Invasoren“ und „dreckiges Pack“ werden die Flüchtlinge darin genannt, vor denen deutsche Kinder geschützt werden müssten. „Es geht nicht gegen Flüchtlinge, sondern um das Wohl unserer Kinder“, stellt indes Freya Kalmbach immer wieder klar. Im Mittelpunkt der Kritik der Petenten steht die mutmaßliche Infektionsgefahr für die Kindergartenkinder, sollten Flüchtlinge in die Mehrzweckhalle auf der Rückseite des selben Gebäudes einziehen. Dann würden sich die Wege der Kinder zu deren Teil des Freigeländes kreuzen mit dem Zugang zur Notunterkunft der Flüchtlinge, denen die Stadt ein Teil des Freigeländes abzäunen will. Aus Sicht der Stadt wäre das Infektionsrisiko vergleichbar (gering) mit der Situation im Bus oder im Bürgerbüro. Das DRK, das die Betreuung übernehmen würde, habe die Situation als sehr gut bezeichnet, sagt Düker.

Aber die Petenten sehen das anders. Sie berufen sich auf eine Stellungnahme des Gesundheitsamtes. „Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion (Übertragung durch Husten, Niesen oder Sprechen). Da in Ihrer Einrichtung Kinder unter fünf Jahren betreut werden, die nach einer Tuberkuloseinfektion besonders empfindlich reagieren, ist es sicherheitshalber sicherlich empfehlenswert, die Kontaktmöglichkeiten soweit möglich zu minimieren. Um im Falle des Auftretens von Infektionserkrankungen den Kreis der Kontaktpersonen zu begrenzen, sollte die geplante Notunterkunft einen getrennten Zugang und eine klare räumliche Abgrenzung haben.“ Das Robert-Koch-Institut sieht derzeit keine erhöhte Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende, vor allem wenn die Bevölkerung den grundsätzlich geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission nachkommt. Das ist an die Eltern adressiert. Stadt und Region haben mehr Informationen angekündigt. Stadträtin Christiane Concilio ist überzeugt davon, dass „vieles durch Unwissenheit“ entstanden ist. „Wir werden, wenn es soweit ist, die Situation vor Ort klären und gemeinsam versuchen, den Menschen ihre Sorgen zu nehmen“, sagte Regionssprecherin Christina Kreutz.

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