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Standort unzulässig: Aus für florierenden Betrieb

Wettmar Standort unzulässig: Aus für florierenden Betrieb

Aus für einen Brennholz-Lieferanten mit Hunderten Kunden in der Kartei: Weil er seine Ware gegen Bestimmungen des Bau- und Naturschutzrechts verarbeitet hat, muss Marco Glaw sein Gelände nahe Wettmar räumen. Und einen neuen Standort hat er nicht gefunden.

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Marco Glaw an der eigens für ihn modifzierten Spaltsägemaschine.

Quelle: Martin Lauber

Wettmar.  Die Internetseite ist noch im Netz. Aber mehrere Hundert Kunden, die in den vergangenen 15 Jahren bei dieser Firma Birken- und Buchenscheite für ihren Kamin bestellt haben, werden sich eine neue Adresse suchen müssen. Ihr bisheriger Lieferant Marco Glaw ist dabei, seinen Lebenstraum von der Selbstständigkeit abzuwickeln. Weil er seine Ware im Forst Rundshorn nördlich von Wettmar gegen Bestimmungen des Bau- und Naturschutzrechts verarbeitet hat, muss der 41-Jährige das Gelände jetzt räumen. Einen anderen Standort hat er nicht finden können. 

„Das alles muss jetzt weg“

Auf dem Alten Damm vorbei an der Biogasanlage zweigt kurz hinter der Mini-Exklave Texas der Wirtschaftsweg ab, der zu Glaws Arbeitsplatz im Wettmarer Bruch führt. Ohne Gummistiefel geht dort im Augenblick gar nichts. Ein leerer Folientunnel, aufgestapelte Birkenstämme, weiße Bigbags prallvoll mit Sägemehl, ein alter Traktor samt Anhänger und ein stylischer Pickup mit der Aufschrift „Brennholz Burgwedel“ rahmen die grüne Maschine ein, auf der der 41-Jährige - überdacht sitzend auf einem gepolsterten Sessel - in einem Arbeitsgang Stammabschnitte sägt und spaltet: eine Spezialanfertigung aus Polen eigens für den Schwerbehinderten. „Das alles“, sagt Glaw bitter und schaut um sich, „das alles muss jetzt weg“. Auf der kaum 50 Meter entfernten Bahnlinie Hannover-Celle rauscht ein ICE vorbei. Lauter ist auch seine Sägespaltanlage nicht, die im Durchschnitt drei halbe Tage pro Woche in Betrieb ist. War.

Nicht in den Weiten Kanadas

Außendienstler der Region Hannover waren im vergangenen  Winter auf den Brennholz-Lagerplatz aufmerksam geworden, den Glaw vor vielen Jahren gepachtet hatte - nach eigener Aussage ohne jegliches Unrechtsbewusstsein. Er hatte das Gewerbe ja offiziell angemeldet. Sägemehl wurde abgesaugt, auf den Pfützen schimmerte keine Ölschliere. Wenn im fertig gespalteten Brennholz einmal wieder Vögel nisteten, hätten sie die Lieferung eben so lange liegen lassen, bis die Jungen flügge waren. Rehe und Füchse hätten regelmäßig zwischen den Bigbags gelagert - dieses idyllische Bild des Nebeneinanders von Holzbetrieb und Natur malt Glaws Lebensgefährtin Renate Ullrich, die in der Firma fürs Büro zuständig war, aber bei Bedarf auch draußen mit anpackte. 

Idylle hin oder her: Der Forst Rundshorn liegt nicht in den Weiten Kanadas. Und in Deutschland ist Glaws Gewerbe in einem Landschaftsschutzgebiet nun mal nach Bauplanungs- wie Naturschutzrecht grundsätzlich unzulässig. Bei einer Anhörung bei der Region Hannover erklärte der Wettmarer sich denn auch 2016 sofort bereit, den Standort aufzugeben. Die Frist, die ihm dafür eingeräumt wurde, war durchaus großzügig. 

Aber letztendlich reichte sie doch nicht aus, um Ersatz zu finden. Ins neue Kleinburgwedeler Gewerbegebiet durfte er mit seinem störenden Gewerbe nicht. Um eine Fläche auf dem ehemaligen Sägewerksgelände in Isernhagen H.B. bemühte Glaw sich vergebens. Seine letzte Hoffnung – ein Grundstück an der Eisenstraße im Gewerbegebiet von H.B. - habe sich erst vor wenigen Tagen zerschlagen: Grenzabstände mussten eingehalten werden, sodass zu wenig Fläche übrig blieb.

Das Geschäft florierte

Seine Baumstämme hat Glaw aus dem Harz, dem Weserbergland und der Lüneburger Heide bezogen. Getrocknet wurde das von ihm geschnittene und gespaltete Holz in der Wettmarer Biogasanlage. Das Geschäft florierte. „Ich könnte monatelang Bestellungen abarbeiten“, sagt der 41-Jährige. „Jetzt habe ich nichts mehr.“ 

Weil er in den vergangenen Jahren immer nur investiert und „Tag und Nacht darüber nachgedacht habe, wie die Qualität noch besser werden kann“, hat Glaw die Rentenzahlungen vernachlässigt. Wirtschaftlich rosig wird er dereinst im Ruhestand nicht dastehen. Aktuell hat der 41-Jährige einen Job mit schwankenden Arbeitszeiten als Kraftfahrer in Aussicht. Seinen erlernten Beruf als Kraftfahrzeug-Mechaniker kann er schon seit 18 Jahren nicht mehr ausüben, seit bei einem Motorradunfall seine Beine zertrümmert wurden. Immer wieder hätten sich Bekannte darüber gewundert, dass er sich trotz Schwerbehinderung als Selbstständiger abrackerte, statt sich um eine Invalidenrente zu bemühen. Vielleicht stünde er dann jetzt besser da, sinniert der Wettmarer. „Ich war eben jung und ganz schön bescheuert.“ 

Von Martin Lauber

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