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Aus Schreinerei wird Trattoria

Großburgwedel Aus Schreinerei wird Trattoria

Burgwedels alte Häuser können Geschichte(n) erzählen: In einer Serie stellen wir in loser Folge eine Auswahl der steinernen Zeitzeugen vor. Heute: die Trattoria Pasta è Vino.

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Das alte Fachwerkhaus ist heute eine Trattoria.

Quelle: Jürgen Zimmer

Burgwedel. Das kleine Fachwerkhaus an der Straße Im Mitteldorf, wo seit Jahren die Geschwister Emma und Tonino Algieri mit viel Erfolg ihre Trattoria betreiben, hat mehreren Generationen als Wohn- und Geschäftshaus gedient. 1909 wurde Toni Germs dort geboren. Ihr Vater Wilhelm betrieb eine Uhrmacherwerkstatt. Eine Generation zurück war es noch eine Schreinerei, die den Bewohnern den Lebensunterhalt im Mitteldorf sicherte.

Zu der Zeit war das einfache Fachwerkhaus im Kern bereits über 300 Jahre alt. Davon ist bis heute nur wenig übrig geblieben, da immer wieder um-, aus- und angebaut wurde, um den Erfordernissen der jeweiligen Besitzer und der gewünschten Nutzung gerecht zu werden. So auch, als die 20-jährige Toni Germs den Textilkaufmann Johann Kruse heiratete, der nun ein Bekleidungsgeschäft darin eröffnete, nachdem er zuvor als Verkäufer bei Gustav Fasche, Manufaktur und Modewaren, in der heutigen Von-Alten-Straße 4 sein Handwerk gelernt hatte.

1930 kam Tochter Margrit auf die Welt, die nach 26 Jahren und ihrer Hochzeit mit Hartmut Sylla ihr Geburtshaus verließ. Margrit Syllas Eltern lebten dort allerdings noch bis zu ihrem Tod.

1989 wurde das Haus schließlich an den heutigen Eigentümer Tonino Algieri verkauft. Dieser vermietete zunächst eine Hälfte des Gebäudes an einen Goldschmied und die andere an ein Damenmodengeschäft. Zudem baute er den Dachboden zu Wohnzwecken aus. 1997 wurde dann das Erdgeschoss komplett entkernt und modern aufgebaut. „Das war viel Arbeit. Ein Architekt berechnete die Statik neu, zusätzliche Träger wurden eingezogen“, erinnert sich Algieri. 1997 dann zog auf der rechten Seite seine Schwester Emma mit einer kleinen Trattoria ein, die andere Hälfte wurde erneut an ein Modegeschäft vermietet.

Die heutige Form und Ausdehnung erhielt das Restaurant 2009 - und das mit persönlichem Charme: Algieris Frau Angelika widmet sich der Mosaikkunst, holt regelmäßig namhafte Künstler zu Ausstellungen ins Restaurant und hat auch ihre eigene Kunst auf dem Boden, an den Wänden und Tischen verewigt. Einen Ort, an dem sich das Who is Who des hannoverschen Umlands trifft, hat Tonino Algieri quasi ganz nebenbei dort geschaffen.

Aus Liebe zu den Trakehnern

Am Rande der Häuser-Geschichte sollte noch etwas anderes bemerkt werden: Mit der Hochzeit von Margrit Kruse und Hartmut Sylla kamen einst auch die Trakehner nach Großburgwedel. Sylla war kurz nach dem Krieg aus Ostpreußen gekommen und nach mehreren Stationen als landwirtschaftlicher Lehrling bei Louis Fortmüller in Großburgwedel gelandet. Er brachte aus seiner Heimat die Liebe zu Pferden mit. Nicht zu irgendwelchen, sondern zu den nach 1945 vom Aussterben bedrohten, einst legendären Vielseitigkeitspferden seiner ostpreußischen Heimat, den Trakehnern – die älteste Reitpferderasse Deutschlands. An der Stettiner Straße baute sich das junge Paar alsbald ein Haus, und Sylla fing sogleich an, in einem kleinen Stall Ponys zu halten. Das weitete sich schnell aus, und es entstand ein kleiner „Feierabend-Reitstall“ für die Kinder der Umgebung. Das erste Großpferd war im Nu gekauft – natürlich eine Trakehner-Stute. Anfang der Achtzigerjahre ließ Sylla am Kraunskamp eine Reithalle und Stallungen für Pensionspferde errichten. Er sollte noch 30 Jahre daran Freude haben. Der Stall wird heute von Tochter Nora geführt, die die Liebe zu Pferden vom Vater geerbt hat.

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