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Tresor lockt gleich zweimal Diebe

Burgwedel Tresor lockt gleich zweimal Diebe

Weil sie einer Großburgwedelerin Luxusuhren und Schmuck im Wert von mindestens 50 000 Euro aus dem Tresor gestohlen haben, sind zwei junge Männer aus dem Raum Verden vor dem Schöffengericht Burgwedel jetzt zu Haftstrafen von drei beziehungsweise zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

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Das Schöffengericht Burgwedel hat zwei Männer aus dem Raum Verden jetzt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Quelle: Archiv

Burgwedel. Genau ließ sich der Wert der Beute im Nachhinein nicht beziffern – denn in der Nacht vor dem Einbruch hatten sich nach Überzeugung der Polizei auch schon zwei junge Burgdorfer am Inhalt des Tresors bedient. Die Großburgwedeler Unternehmerin war selbst zum Zeitpunkt der Tat nicht zu Hause gewesen, sie war im Urlaub. Der Einbruch hatte sich damals in der Nacht zu Sonnabend ereignet. Die heute 15-jährige Tochter setzte bei ihrer Aussage vor Gericht jedoch schon am Vatertag an – dem Donnerstag davor. Sie hatte sich Bekannte eingeladen, einer kam früher, zu zweit wollte man schon einmal einen Film aussuchen. Dabei habe sie ausgerechnet die DVD-Hülle geöffnet, in der die Mutter den Tresorschlüssel versteckt hatte. Ihr Kumpel habe das auch mitbekommen, sagte die Tochter aus. Niemand sonst kannte das Versteck des Schlüssels.

Diesen Bekannten, einen 16-jährigen Burgdorfer, hält die Polizei für dringend verdächtig, im Laufe der Partynacht mit einem weiteren 16-Jährigen zwei Uhren und eine Schreckschusspistole aus dem Tresor gestohlen zu haben. Eine der Uhren wurde nachweislich bei einem Juwelier versetzt. Gegen beide 16-Jährigen wird nach Jugendstrafrecht noch separat verhandelt werden. Als Zeuge im Prozess gegen die beiden Verdener schwieg der Burgdorfer jetzt.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte sich der Jugendliche am Tag nach dem Diebstahl nicht nur mit einem Foto in einem sozialen Netzwerk der Tat gebrüstet, sondern auch in einem Telefonat mit einem Freund. Dieser weilte gerade bei Verwandten in Verden, wo nach Überzeugung des Schöffengerichts dessen Cousin alles mithörte. Gemeinsam mit dem Mitangeklagten soll sich dieser dann am Freitagabend auf den Weg nach Großburgwedel gemacht haben und in die Wohnung der Frau eingebrochen sein – die Tochter war bei den Großeltern. Zur Beute zählten Uhren der Edelmarken Cartier, Rolex, Breitling und Tag Heuer. Unter anderem über die Kontaktlisten der Handys der 16-Jährigen und einem Abgleich mit den Einlogdaten der Handys am Tatort war die Polizei den beiden für den Einbruch angeklagten 22-Jährigen aus Verden auf die Spur gekommen. Im Prozess lagen die Vorstellungen nach insgesamt neun Zeugenaussagen weit auseinander: Während der Staatsanwalt drei Jahre Haft für den bereits einschlägig unter Bewährung stehenden Angeklagten und zweieinhalb Jahre für seinen Freund forderte, plädierten die Strafverteidiger auf Freisprüche. Sie kritisierten, dass die Polizei nur lückenhafte Arbeit geleistet habe – gut möglich, dass sich die nächsthöhere Instanz noch einmal mit dem Fall befassen muss.

Erschwert worden waren die Ermittlungen unter anderem durch unterschiedliche Schreibweisen eines kurdischen Vornamens in den Handy-Kontaktlisten und durch eine offenbar falsche Identität für einen der Handy-Verträge. Lange diskutiert wurde auch darüber, ob es sich bei der Luxusuhr, mit der sich einer der Angeklagten nur Tage nach der Tat fotografiert hatte, tatsächlich um eine der Uhren aus dem Safe gehandelt hatte. Die geschädigte Großburgwedelerin war sich jedoch sicher, eine markante Beschädigung wiedererkannt zu haben. Letztlich zeigte sich das Schöffengericht überzeugt von der Täterschaft der beiden Angeklagten. „Da kommen so viele Puzzleteile zusammen, dass wir keine Zweifel haben“, sagt der Vorsitzende Richter Michael Siebrecht. Die Schadenshöhe sei wegen des unklaren Werts der Uhren und des vorangegangenen Diebstahls zwar nicht zweifelsfrei zu ermitteln. Es dürfte sich aber um mindestens 50 000 Euro gehandelt haben.

Der materielle Schaden wiegt allerdings für die Einbruchsopfer weniger schwer: „Meine Tochter und ich sind seitdem völlig am Ende“, sagte die Mutter aus. Gelitten habe besonders die Tochter, die sich sogar in psychologische Behandlung begeben musste.

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