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Trinkgelage endet fast tödlich

Burgwedel/Wedemark Trinkgelage endet fast tödlich

„Einen Millimeter näher an der Halsschlagader, und der Patient wäre tot gewesen“: Die gefährliche Körperverletzung, die der Notarzt im Zeugenstand so drastisch beschrieb, ahndete das Schöffengericht Burgwedel mit vier Jahren Freiheitsstrafe - mehr kann ein Amtsgericht nicht verhängen.

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Das Amtsgericht hat den Angeklagten zu vier Jahren Haft verurteilt.

Quelle: Martin Lauber (Archiv)

Burgwedel. Warum das nächtliche Zechgelage in Bissendorf für einen 47-Jährigen beinahe tödlich endete, blieb bei der zweistündigen Verhandlung ungeklärt. Das Opfer kann sich den Angriff bis heute nicht erklären. Der 35 Jahre alte Angeklagte hatte eigenen Angaben nach zu viel Wodka getrunken und könne sich nicht erinnern.

An der Schilderung des Opfers zur Tatnacht hatten weder Gericht noch Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Zweifel. Der Angeklagte hatte samt Freundin am Tatabend Ende Mai dieses Jahres gegen 23 Uhr vor dem Haus des 47-Jährigen gestanden, man kannte sich beiläufig. Zusammen leerten sie zwei kleinere Flaschen Wodka, holten dann per Taxi von einer Tankstelle in Mellendorf Nachschub und begaben sich zu dritt in die Wohnung der Freundin in Bissendorf. Dort ging das Trinkgelage mit zwei 0,7-Liter-Flaschen Schnaps weiter. „Sie haben gesoffen wie die Wilden“, fasste es die Strafverteidigerin in ihrem Plädoyer zusammen.

Als das spätere Opfer nach Stunden gehen wollte, verschloss der 35-Jährige nach Überzeugung des Gerichts die Wohnungstür, die Freundin schickte er schlafen. „Ich weiß nicht, warum er mich plötzlich schlagen wollte“, sagte der Mann im Zeugenstand aus. Erst habe er einen Faustschlag ins Gesicht erhalten, dann habe ihm der 35-Jährige mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen. Dabei sei diese zu Bruch gegangen - und dann habe der Zechkumpan zweimal mit dem Rest der Flasche zugestochen, ehe ihn die zwischenzeitlich aufgewachte Freundin aus der Wohnung ließ. Die Medizinische Hochschule, in der der 47-Jährige auf der Intensivstation behandelt wurde, bescheinigte ihm mehrere tiefe und lange Schnitte an Hals und Wange mit „spritzender Blutung“.

Dass der Mann die Attacke überlebte, ist mehreren Männern zu verdanken, denen der Schwerverletzte gegen 7 Uhr auf der Straße auffiel. Er müsse schnell nach Hause, sei leider nicht krankenversichert, habe er gesagt, so einer der Zeugen. Diese riefen letztlich die Rettungskräfte. „Ohne die Zeugen wäre er verblutet“, zeigte sich die Staatsanwältin im Plädoyer überzeugt.

„Viel gefährlicher als Sie kann man sich nicht verhalten“, begründete Richter Michael Siebrecht das Urteil, das auch die Freiheitsberaubung berücksichtigte. Mit Blick auf dessen erhebliche Vorbelastungen sprach er den Angeklagten mit „Schwerverbrecher“ an: Der 35-Jährige ist bereits etliche Male verurteilt worden, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Entführung, Erpressung und Drogenschmuggels. Aktuell ermittelt die Polizei im Fall eines versuchten Totschlags Ende August gegen ihn.

Bei seiner aktuellen Tätigkeit dürfte der nun frisch Verurteilte wohl kaum die Probezeit überstehen: Der gelernte Bäcker arbeitet in einer großen Flüchtlingsunterkunft in der Heide - ausgerechnet als Sicherheitsmann.

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