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Unfall in Laternenumzug: Polizei ermittelt Fahrer

Burgwedel Unfall in Laternenumzug: Polizei ermittelt Fahrer

Die Polizei hat den mutmaßlichen Unfallverursacher ermittelt, der am Freitag in einem Laternenumzug einen Fußgänger angefahren und dann geflüchtet war. Dem 78-Jährigen wurde der Führerschein entzogen.

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Der Heilige Martin präsentiert sich beim Platzkonzert auf dem Domfrontplatz. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Nachricht vom Unfall wenige Minuten zuvor noch gar nicht verbreitet.

Quelle: privat

Großburgwedel.  Ein Mercedes-Fahrer hat am späten Freitagnachmittag in einem Laternenumzug einen 46-jährigen Fußgänger angefahren, für einige Meter auf seine Motorhaube aufgeladen und ist anschließend geflüchtet. Der Fußgänger und dessen Ehefrau (36) wurden verletzt. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Unfallverursacher inzwischen ermitteln – es handelt sich um einen 78 Jahre alten Mann. Die Beamten haben seinen Führerschein sichergestellt.

Wie in jedem Jahr hatten die katholische St.-Paulus-Gemeinde und die evangelische St.-Petri-Gemeinde für Freitagnachmittag zu ihrem gemeinsamen Laternenumzug eingeladen. Mit einem Martinsspiel und einem kurzen Gottesdienst startete die Veranstaltung in der katholischen Kirche am Mennegarten. Dann setzte sich der Umzug aus Kindern, Eltern und Großeltern in Bewegung – insgesamt rund 300 Personen, offenbar hatte der Regen kurz zuvor weitere von der Teilnahme abgehalten. An der Spitze ritt der Heilige Martin, gefolgt vom Musikzug der Feuerwehr Großburgwedel und den Laternengängern. 

Sie waren gegen 17.30 Uhr erst wenige Meter weit gekommen, als sich laut Polizei der Mercedes-Fahrer, ein dunkel gekleideter älterer Mann, auf der Straße Mennegarten mit seinem silberfarbenen Fahrzeug von hinten durch den Umzug drängelte.

Als der 46 Jahre alte Fußgänger, unterwegs etwa in der Mitte des Umzugs, den Autofahrer nicht passieren ließ, touchierte dieser den Fußgänger mit der Stoßstange an den Beinen. Der Fußgänger wollte den Fahrer daraufhin zur Rede stellen, jedoch fuhr der Ältere weiter auf ihn zu, lud ihn auf die Motorhaube seines Fahrzeugs auf und beschleunigte. Nach einigen Metern bog der Fahrer mit dem Mercedes nach rechts in die Osterwiesen ab, woraufhin der Angefahrene von der Motorhaube rutschte und - nachdem er sich zunächst noch am Außenspiegel festgehalten hatte - auf die Fahrbahn fiel. Durch das Manöver des Verkehrsrowdys zog sich der 46-Jährige leichte Verletzungen zu.

Seine 36-jährige Frau, die anfangs noch versucht hatte, die Fahrertür zu öffnen, und sich daran festhielt, stürzte ebenfalls und verletzte sich dabei leicht. Ein Rettungswagen brachte beide in ein Krankenhaus. Der Mercedes-Fahrer fuhr über die Straße Osterwiesen in unbekannte Richtung davon. Die Fahndung nach ihm blieb zunächst ohne Erfolg.

Viele Teilnehmer des zu diesem Zeitpunkt noch langgezogenen Umzugs hatten vom Unfall nichts mitbekommen. Der Laternengang wurde auch wie geplant fortgesetzt und endete – nach einem zwischenzeitlichen Platzkonzert auf dem Domfrontplatz – an der St.-Petri-Kirche. Erst dort verbreitete sich die Nachricht von dem Unfall.

Anhand des Fahrzeugs kam die Polizei dem mutmaßlichen Unfallverursacher am Sonnabendvormittag auf die Spur und suchte ihn auf. Laut Polizei handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 78 Jahre alten Burgwedeler. Ob und wie er sich zum Tatvorwurf geäußert hat, war am Sonnabend nicht zu erfahren. Allerdings, so die Polizei, habe sich der Tatverdacht gegen den Autofahrer erhärtet. Sein Führerschein wurde eingezogen. Überdies konnte die Polizei Spuren auf der Motorhaube des Wagens sicherstellen. Die Ermittlungen dauerten jedoch an. 

Abgesichert war der Umzug laut des St.-Paulus-Gemeindereferenten Thomas Schenk von Freiwilligen in Warnwesten und mit Fackeln. Die Polizei sei zwar angefragt worden, ob sie den Umzug begleiten könne, habe aber wie schon in den Vorjahren aus personellen Gründen abgesagt. Nach Meinung des vom Unfall schockierten Großburgwedeler Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller möglicherweise eine fatale Entscheidung: „Meines Erachtens nach hätte kein Autofahrer es gewagt, sich dem Zug zu nähern, wenn die Polizei dabei präsent gewesen wäre.“

Auch St.-Petri-Pastorin Bodil Reller bedauert, dass die Polizei zuletzt vor drei Jahren den traditionsreichen Laternenumzug der Kirchengemeinden begleitet hatte. Zuvor habe stets ein Streifenwagen Einmündungen und auch die Überquerung der Fuhrberger Straße abgesichert –“mit Blaulicht, das sieht man wirklich weit“. Der Unfall lasse nun bei den Organisatoren die Alarmglocken schrillen: Die Absicherung des Umzugs nur mit Ehrenamtlichen „das geht eigentlich so nicht“.

Auch Burgwedels Bürgermeister Axel Düker geht davon aus, dass die Begleitung durch mehrere Polizisten den Unfall möglicherweise hätte verhindern können. Er hofft nun vor allem, dass es den beiden Verletzten schnell wieder gut geht. 

Von Frank Walter

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