Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Unfallflüchtiger verurteilt

Burgwedel Unfallflüchtiger verurteilt

Jedes Jahr ergreifen Hunderte Unfallfahrer in Burgwedel und Isernhagen einfach die Flucht - einer von ihnen ist jetzt vom Amtsgericht Burgwedel verurteilt worden.

Voriger Artikel
Hüpfklaustümpel sind Superchampions
Nächster Artikel
Reitstall kämpft gegen Pferdeseuche Druse

Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte einen 76-Jährigen.

Quelle: Martin Lauber (Archiv)

Burgwedel. Um Ausreden war der 76-Jährige nicht verlegen, als er vor Gericht erklären sollte, warum er im November vergangenen Jahres die Flucht ergriffen hatte, nachdem er mit seinem Auto rückwärts gegen einen Golf gefahren war. „Ich stand unter Zeitdruck, weil ich einen Arzttermin hatte“, erklärte der Rentner. „Der Mann hatte mich auch bewusst zugeparkt, ich habe noch gehupt und geblinkt.“ Und überhaupt: „Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich das Auto so erwischt habe.“

Dennoch: An dem Golf, den der Rentner seitlich gerammt hatte, entstand ein stattlicher Schaden in Höhe von 1800 Euro. Den Strafbefehl, den Amtsrichter Michael Siebrecht erlassen und der dem Mann ein dreimonatiges Fahrverbot beschert hatte, empfand der Burgwedeler dennoch als ungerecht - und legte Einspruch dagegen ein.

Siebrecht fand klare Worte: „Der Zeuge hat gesehen, dass Sie sogar noch rangiert haben. Rangieren tut man nur, wenn man merkt, dass etwas nicht passt.“ Den Zeugen selbst hatte das Gericht nicht zur Befragung vorgeladen. Der Mann wohnt inzwischen in der Schweiz. „Aber wenn Sie das wollen, dann laden wir ihn noch vor“, betonte Siebrecht in Richtung Anklagebank. „Sie sollten nur wissen: Bei einer Verurteilung tragen Sie die Gerichtskosten - also auch die Anreise und den Arbeitsausfall des Zeugen.“ Falls der Angeklagte weiterhin daran festhalte, dass er von dem Unfall nichts mitbekommen habe, würde das Gericht auch in diesem Punkt recherchieren: „Dann geben wir einfach ein Gutachten in Auftrag. Ein Sachverständiger kann den Schaden bewerten und einschätzen, ob Sie etwas davon mitbekommen haben müssen oder nicht. So ein Gutachten würde dann noch einmal um die 2000 Euro kosten.“

Dass mit Blick auf einen Schaden, der höher als 1300 Euro liegt, eigentlich der Entzug der Fahrerlaubnis angebracht gewesen wäre und nicht nur ein Fahrverbot, ergänzte Siebrecht nur zu gern. „Sie sind da gut bei weggekommen.“

Die Beratung mit seinem Anwalt, die der Amtsrichter dem Angeklagten noch einmal ans Herz gelegt hatte, dauerte dann auch nur zwei Minuten: „In Ordnung, wir nehmen den Einspruch zurück“, sagte der Unfallfahrer kleinlaut zum Abschied - es sei ja auch wirklich nicht richtig gewesen, einfach abzuhauen.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers