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VHS zeigt Film über einheimischen Landwirt

Burgwedel VHS zeigt Film über einheimischen Landwirt

Heinrich "Heiner Gremmel" hat Großburgwedel als Heimat quasi in die DNA geschrieben bekommen. Der bald 80-jährige Landwirt ist aus der Stadt nicht einmal "urlaubshalber" wegzudenken, engagierte sich Jahrzehnte in Politik und Vereinen. Jetzt zeigt die VHS einen Dokumentarfilm über das Burgwedeler Urgestein.

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Heinrich "Heiner Gremmel" ist Landwirt und Großburgwedeler durch und durch. Am Sonntag ist ein Dokumentarfilm über ihn im Amtshof zu sehen.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Eingehüllt in eine blaue Plastikplane hält mitten in Großburgwedel ein Ungetüm Winterschlaf. „Ist ein Cabrio, läuft wie ‘ne Biene“, zollt Heinrich Gremmel seinem fast hausgroßen „New Holland“, den er unter der Schauer seines Hofs eingemottet hat, die gebührende Anerkennung. Wer übersieht, dass der Mann sich schon jetzt auf die nächste Getreideernte freut, müsste blind sein. Für ihn wird es die 54. auf dem Bock eines Mähdreschers – 80 wird er dann sein.

Einmal Landwirt, immer Landwirt? Als Heinrich konfirmiert wurde und Arbeit im Dorf nicht zu finden war, gab es zum Glück den Hof, den sein Vater 1935 auf dem Großburgwedeler Amtshof gekauft hatte. Schon 13-jährig war er mit Ochse und Pferd auf dem Feld gewesen. Und nun lernte er von der Pike auf an der Berufs- und Landwirtschaftsschule. 1962 saß er das erste Mal – in Lohnarbeit - auf einem Mähdrescher.

Anfang der 70-iger Jahre übernahmen Heinrich und Elisabeth Gremmel den Betrieb. Für Landwirte seien das arbeitsame, aber auch goldene Zeiten gewesen, erinnert er sich: „Milch, Fleisch, Kartoffeln, alles war teuer.“ Zwei Traktoren kaufte er damals in einem Jahr, fuhr einen 300-er Mercedes Diesel. Mit 60 Hektar und 40 Stück Vieh im Stall sei sein Hof in den 90-iger Jahren wohl der größte in Großburgwedel gewesen.

1999 trabte sein Milchvieh zum letzten Mal durchs Dorf – wie in all den Jahren zuvor klang auch dieser letzte Almabtrieb mit einem lustigen Abend bei hausgemachter Hochzeitssuppe aus. „Heiner“ Gremmel ging 2000 in Rente.
Mit Hühnern, Gemüsegarten und Kartoffeln für den Eigenverbrauch sind die Gremmels auch 16 Jahre später noch Selbstversorger. Auch von den Jahrzehnte alten Traktoren – 40, 73 und 100 PS stark – hat Heinrich Gremmel sich ebenso wenig getrennt wie von seinem New-Holland-Mähdrescher, an dem er fast alles selbst reparieren kann.

Und: Auch als Rentner hat er seinen Geburtsort urlaubshalber nie länger als einen Tag verlassen. Nicht sein Mercedes ist ihm das wichtigste Verkehrsmittel, sondern das NSU-Fahrrad, mit dem er außer den verabredeten manche spontane Runde durch die Innenstadtcafés dreht. Sei die Dorfgemeinschaft auch „nicht mehr so“ wie früher – dem gut vernetzten und bescheidenen Herrn Gremmel mangelt es an Gesprächspartnern wahrlich nicht.

Wie viele, die ihm einst beim Melken auf den Pöttcherteich-Weiden zugeschaut hatten, sprechen ihn heute noch an? Und Eier frisch vom Amtshof, die gab es bei Gremmels über Jahrzehnte sieben Tage die Woche. Beim Landvolk, beim Realverband und der Jagdgenossenschaft war er Vorsitzender, 20 Jahre für die FDP im Orts- und Gemeinderat und Kreisausbilder bei der Feuerwehr.

Klar wird man so in acht Jahrzehnten zum wandelnden Anekdotenschatz, zur personifizierten Ortschronik. Und was er im Schatten des St.-Petri-Kirchturms nicht mehr selbst erlebt hat, hatte ihm dereinst sein Vater erzählt – in ungezählten gemeinsamen Stunden beim Melken. Bei Heinrich Gremmel kommt aber noch etwas hinzu – schon der Ururgroßvater war Hofmeister auf der zum Amtshof gehörenden Domäne. Aus einer solch ortsfesten Familie resultiert zwangsläufig eine weitverzweigte Verwandtschaft. So ist den Gremmels Großburgwedel gewissermaßen in die DNA eingeschrieben – und umgekehrt.

Dokumentarfilm über Gremmel ist am Sonntag zu sehen

Es sind Heimatfilme im allerbesten Sinne, die die Volkshochschule Hannover-Land am Sonntag, 28. Februar, im Amtshof in Großburgwedel zeigt. Sowohl Großburgwedels letzten Milchbauern Heinrich Gremmel wie auch die Ortsfeuerwehr hatte Diplom-Designer Rainer Sülflow ein Jahr lang mit der Kamera begleitet und so echte Dokumente der Zeitgeschichte geschaffen. Trotz mehrerer Aufführungen anno 2002 und 2003 hatten die Stühle im alten Sitzungssaal des Rathauses nicht ausgereicht.
Gremmel hatte dem Marketingmann Sülflow schon zuvor für Werbeaufnahmen für landwirtschaftliche Güter Modell gestanden. „Warum machen Sie nicht einen Film?“, fragte er – und Sülflow wusste nicht, worauf er sich einließ. Zwischen Juli 1999 und Juli 2000 gab es ungezählte Drehtermine zwischen Stall, Acker und Weide. Verantwortlich für weit mehr als 500 Arbeitsstunden war aber die Postproduktion im nicht wirklich ausgereiften Mini-TV-Format. „Dichter kann man an einen Menschen nicht herankommen“, lobt Sülflow den Helden seines Films denn: „Der hat mich total ignoriert.“
Großburgwedels Ortsfeuerwehr nahm Sülflow ab August 2002 ins Visier – total spontan: Die Wehr war schon fertig für einen Hochwassereinsatz, als Thomas Krauthoff den Filmemacher ansprach: „Sie wollten doch mal einen Film über uns drehen.“ Ehepaar Sülflow zögerte nicht – und war einen halben Tag später ebenfalls an der Elbe. Auf die ersten Flammen sollte der Filmer jedoch ein geschlagenes Jahr warten müssen. Erst am letzten Drehtag ging die Sirene – Großbrand eines Bauernhofs in Fuhrberg.
Der Gremmel-Film „Man muss da Spaß dran haben“ beginnt um 16 Uhr, der Feuerwehr-Film „Eigentlich weiß jeder, was auf ihn zukommt!“ um 18 Uhr. Der Eintritt kostet jeweils 5 Euro. Wer auf Nummer sicher gehen will, meldet sich unter Telefon (05139) 97 03-90 oder -91 bei der VHS an.

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Rainer Sülflow hat Heiner Gremmel und die Ortsfeuerwehr je ein Jahr begleitet. Seine Dokumentarfilme zeigt die VHS am Sonntag im Amtshof.

Quelle: Martin Lauber
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