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Versuchte Brandstiftung bei Rossmann: Freispruch

Großburgwedel Versuchte Brandstiftung bei Rossmann: Freispruch

Das Schöffengericht Burgwedel hat einen ehemaligen Rossmann-Mitarbeiter vom Vorwurf der versuchten Brandstiftung freigesprochen - obwohl vieles dafür sprach, dass es doch jener heute 25-Jährige war, der Anfang 2014 im Hochregal-Lager der Zentrale gezündelt hatte.

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Freispruch im Rossmann-Fall in Burgwedel.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Burgwedel. „Glücklicherweise wurden die Kerzen entdeckt. Sonst wäre die Halle vielleicht abgebrannt.“ Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft stand in ihrem Plädoyer fest, wie gefährlich die Straftat war und wie weitreichend die Folgen auch für die 60 Mitarbeiter der Spätschicht im Rossmann-Hochregallager hätten ausfallen können.

Am 24. Januar 2014 hatten Beschäftigte dort an zwei Stellen den Feuerschein brennender Kerzen gesehen: Ganz hinten im Versandbereich hatte der Täter eine rosafarbene „Glade“-Duftkerze unter einen mit Ware gefüllten Rollcontainer geschoben. Eine weitere Kerze vom Typ „Dufti Vanille“ fand sich unter einer Holzpalette direkt im riesigen Hochregallager.

Versuchsreihen eines Diplom-Chemikers mit Kerzen, Holzpaletten und Rollwagen ergaben minutengenau, wann der Täter die Kerzen angezündet hatte. Um die Palette in Brand zu setzen, hätte die Flamme nicht ausgereicht. Die andere Kerze unter dem teils aus Kunststoff gefertigten Rollwagen hätte jedoch durchaus weitreichende Folgen haben können, fasste der Sachverständige seine Ergebnisse zusammen.

Angesichts der Schwere der Tat und der möglichen Folgen hatte die Polizei einen enormen Ermittlungsaufwand betrieben. Rund zwei Wochen dauerten allein die Vernehmungen der 60 Mitarbeiter, die sich zur Tatzeit im Lagerbereich der Rossmann-Zentrale aufgehalten hatten. Doch niemand hatte den Täter dabei beobachtet, wie er die brennenden Kerzen platzierte.

So setzte die Polizei voll auf die Auswertung der im Lager verbauten Technik. Die Kommissionierer, die im Großlager mit Hubwagen umherfahren und mit Griffen in die Warenregale die Lieferungen für die Filialen zusammenzustellen, erhalten ihre Anweisungen vom Computer über ein Kopfhörersystem. Der Datentransfer erfolgt per WLAN über etliche Zugangspunkte, der Wechsel zwischen diesen erfolgt automatisch und wird protokolliert. Bei der Durchsicht der riesigen Datensätze war der Polizei der nun Angeklagte aufgefallen - er war als einziger Kommissionierer zur Tatzeit im hinteren Teil des Versandbereichs gewesen. Auf die fortwährenden Arbeitsaufträge des Computers hatte er mit Falscheingaben reagiert. Zudem hatte er als einziger mitbekommen, dass einem Kollegen zuvor ein Karton mit „Dufti Vanille“ heruntergefallen war - es war offenbar eine der heil gebliebenen Kerzen, die später brennend aufgefunden wurde.

Bei einer polizeilichen Befragung war der Mann in Erklärungsnöte gekommen, hatte gar versucht, den Verdacht auf einen Kollegen zu lenken. Auch vor Gericht stritt er alles ab: Er habe sich nur im Versandlager aufgehalten, weil er dort jemanden gesucht habe. Sein Rechtsanwalt plädierte auf Freispruch. Die Staatsanwältin sah angesichts der vielen Indizien „einfach zu viele Zufälle“ und forderte sechs Monate auf Bewährung. „Vieles spricht gegen den Angeklagten, doch es bleiben Zweifel“, begründete Amtsrichter Michael Siebrecht den Freispruch. Theoretisch hätte auch ein anderer Mitarbeiter der Täter sein können.

von Frank Walter

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Von Redakteur Frank Winternheimer

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