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Vertiefung ist machbar

Kleinburgwedel Vertiefung ist machbar

Eine stellenweise Vertiefung des Würmsees - wider dessen Verlandung - ist machbar und wohl auch bezahlbar. Das ist die Quintessenz einer Studie des auf Gewässer spezialisierten Fachbüros KLS aus Hamburg. Im kaum belasteten Schlamm am Seegrund haben die Wissenschaftler auch eine lebende Große Teichmuschel gefunden.

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Zwischen Sand- und Schlammbänken schwinden die offenen Wasserflächen.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Im Augenblick bietet der ursprünglich aus Torfstichen entstandene und durch Sandabbau vertiefte Würmsee das in niederschlagsarmen Jahren übliche Bild: Sandbänke und ein bereits trockengefallener Seerosenbestand schnüren die offene Wasserfläche ein, Röhricht und Schlammflächen dehnen sich Richtung Seemitte aus. Fast nirgends beträgt die Wassertiefe noch mehr als 20 Zentimeter - statt zu schwimmen watscheln die Enten voran.

Im September 2014 hatten Tierschützer letzte nach Luft schnappende Fische retten müssen. Deshalb lässt der Realverband Kleinburgwedel, dem das Gewässer gehört, jetzt lieber die Pumpe durchlaufen. 30 Kubikmeter Wasser pro Stunde werden in den See eingespeist, ohne die Verlandung damit stoppen zu können. Denn für diese sei, so die KLS-Fachleute, außer dem fehlenden Regen vor allem die langfristige Absenkung des Grundwassers durch landwirtschaftliche Entwässerung und Beregnung verantwortlich.

Trotzdem wollen Burgwedels Kommunalpolitiker eine offene Seefläche unbedingt erhalten sehen. Ihre Hoffnungen ruhen dabei auf einer Teilentschlammung. Die KLS-Machbarkeitsstudie dazu liegt seit vergangenem September im Rathaus. Aber erst in den vergangenen Wochen haben sich die politischen Gremien mit ihr in vertraulicher Runde beschäftigt. Offenbar bestätigt das Gutachten die Hoffnungen. „Wir sind auf einem guten Weg“, erklärt Bürgermeister Axel Düker auf Anfrage und meint damit die Verhandlungen mit dem Realverband. Dessen Vorsitzender Friedhelm Leisenberg rechnet innerhalb von zwei Monaten mit einer „Entscheidung, die ermöglicht, dass die Raupen da reinfahren“.

Was steht drin in der Studie? Im Südwesten umschließt ein Röhrichtgürtel den See. Die Gutachter haben sich also die Qualität und Quantität der Sedimentschicht in der Nordosthälfte angesehen. Sorgen, dass es sich um gefährlichen Abfall handelt, können nach den Analysen der KLS getrost ad acta gelegt werden. Von der nach Bodenschutzverordnung relevanten Schadstoffbelastung her könne das Sediment aus der Seemitte als kaum, das von den Uferzonen sogar als unbelastet gelten.

Würde der See in der Nordosthälfte auf 7000 Quadratmetern bis auf seine sandig-torfige Sohle entschlammt, so rechnet KLS vor, wären 1400 Kubikmeter Sediment anderweitig unterzubringen. In Gesprächen mit Wasser- und Naturschutzbehörden gehe es zurzeit um die Frage, ob der sehr nährstoffhaltige Schlamm für die landwirtschaftliche Verwertung geeignet ist, erklärt Burgwedels Umweltkoordinator Malte Schubert. Bezogen auf Schwermetalle sei das nicht ausgeschlossen.

Eine abschließende Aussage sei aber erst möglich, wenn die Nährstoffe im Schlamm und auf den konkreten landwirtschaftlichen Flächen untersucht sind. „Die Äcker haben wir“, meint Leisenberg. Sollte sich seine Zuversicht bestätigen, wäre bei Kosten von circa 40 Euro je Kubikmeter die Entschlammung der Nordosthälfte des Würmsees für circa 60.000 Euro zu haben.

Alle anderen Lösungen würden deutlich teurer. Für den Straßenbau etwa ist das Sediment ungeeignet. Wegen des hohen Gehalts an organischer Substanz wären Ausgasungen und Sackungen zu befürchten. Ohne grünes Licht für eine Verwendung des Schlamms auf Äckern oder im Gartenbau bliebe nur die Entsorgung.

Die KLS-Fachleute haben das analysierte Sediment denn auch sogenannten Deponieklassen zugeordnet. Die Kosten für Entnahme, Transport und Entsorgung würden sich bei einer Deponierung auf etwa 80 Euro je Kubikmeter - unter dem Strich 120.000 Euro - verdoppeln, rechnen die Wissenschaftler vor. Egal, wo der Schlamm bliebe: Nach dem Fund einer Großen Teichmuschel bei der Untersuchung im Juli 2014 vermuten die KLS-Leute einen ganzen Muschelbestand im Würmsee. Der solle „geborgen, zwischengehältert und nach der Vertiefung wieder in den See gesetzt werden“, empfehlen sie.

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