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Wer arbeitet künftig mit wem?

Burgwedel Wer arbeitet künftig mit wem?

Die Wahl des Rates der Stadt Burgwedel hat am Sonntagabend keine großen Überraschungen gebracht – und wird dennoch die Zusammenarbeit deutlich verändern. In den Ortsräten dominiert weiterhin die CDU und auch in der Region werden Burgwedeler künftig vertreten sein.

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64,1 Prozent aller wahlberechtigten Burgwedeler haben am Sonntag ihre Stimme abgegeben. Ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zur Kommunalwahl 2011.

Quelle: Carina Bahl

Burgwedel. Bei den Rahmenbedingungen auf Bundesebene ist das wirklich ein Topergebnis“, betont CDU-Chef Rainer Fredermann. Zwar habe seine Partei mit nur noch 16 Sitzen die absolute Mehrheit im Rat verloren, „aber als Verlierer fühlen wir uns nicht“. Immerhin hätten sich mit 48 Prozent fast doppelt so viele Wähler für die CDU entschieden wie für die SPD als zweitstärkste Partei.

Dennoch gilt es jetzt, Mehrheiten zu finden. „Wir haben die FDP bei ihrem großen Einbruch vor fünf Jahren aufgefangen“, setzt Fredermann auch jetzt auf Gespräche mit den Liberalen. „Ob wir diese Zusammenarbeit mit Vertrag fortführen oder ohne, müssen wir sehen.“ Auch mit den anderen Fraktionen wolle man sprechen – „nur mit der AfD schließen wir eine Zusammenarbeit aus“.

Die FDP wiederum konnte sich aus dem Grundmandat freikämpfen und hat ihren Sitz im Rat verdoppelt – das schafft neues Selbstbewusstsein. „Eine Gruppe mit der CDU wird es nicht mehr geben. Das haben wir unseren Wählern versprochen, und das halten wir ein“, macht FDP-Chefin und neue Rätin Isa Huelsz klar. In einer Gruppe könne man einfach zu wenig eigene Akzente setzen. „Wir genießen jetzt unsere neue Freiheit.“ Dennoch: „Die Zusammenarbeit mit der CDU war gut, wir werden bestimmt weiterhin oft ein gemeinsames Ziel verfolgen.“

Auch die Unabhängigen wissen ihren neuen Status mit zwei Mandaten zu schätzen. „Jetzt sitzen wir nicht mehr am Katzentisch“, freut sich Rudolf Gutte. Ein Stimmrecht im Ausschuss ermögliche endlich eine richtige Mitarbeit. Auch das zweite Wahlziel, eine absolute Mehrheit – „egal welcher Partei“ – im Rat zu verhindern, sei gelungen. Wenn sich eine Partei keine Mehrheiten suchen müsse, stünde das der Demokratie nur entgegen.

Die SPD zeigt sich nicht weniger zufrieden mit dem Ausgang: „Wo hat die SPD schon dazugewonnen in der Region?“, fragt SPD-Chef Joachim Rödiger. Zwar könne der schmale prozentuale Zuwachs keinen Sitz mehr im Rat generieren, „aber acht Mandate sind eine gute Ausgangsbasis“. Das positive Ergebnis sei nicht zuletzt auch Bürgermeister Axel Düker zuzurechnen. Dass FDP und CDU wohl keine feste Koalition eingehen werden, freut Rödiger umso mehr: „Dann wird es endlich wieder bewegliche Mehrheiten geben.“ Zuletzt habe der Beschluss ja meist schon nach der Fraktionssitzung der CDU festgestanden. „Jetzt müssen alle wieder mehr miteinander reden.“

Die Grünen wiederum können ihre Bilanz kurz fassen: „Wir haben unsere drei Mandate behalten, das ist toll“, bringt es Heinz Visel auf den Punkt. Ähnliches will wohl auch Adam Malik ausdrücken, der für Die Partei in den Rat einzieht: „Das ist das beste Wahlergebnis seit Kriegsende“, lautet seine satirische Antwort: „Und mein persönlicher 11. September.“

Das Wahlergebnis für die WEB hätte sich Friedhelm Stein, der künftig allein für die Wählergemeinschaft im Rat sitzt, wirklich anders gewünscht. „Den zweiten Sitz hätten wir schon gern behalten“, sagt er etwas enttäuscht. Eine Gruppe zu bilden sei aber jetzt nicht sein Ziel: „Es hat ja keinen Sinn, sich mit jemandem zusammenzutun, mit dem es eh nicht klappt.“ Ein grundsätzliches Problem mit der AfD im Rat sieht Stein im Gegensatz zur CDU nicht: „Wir dürfen die auch nicht immer wie Außerirdische behandeln. Der Bürger hat sie eben gewählt, und bei Sachthemen kann das schon klappen.“

Diese Ruhe erhofft sich jetzt auch Volker Körlin, der künftig für die AfD im Rat sitzt, nachdem er nicht einmal ein Lokal für eine Wahlparty gefunden hatte. „Wir wollen alle etwas für die Bürger tun. Da sollte Parteipolitik keine Rolle spielen.“ Er selbst würde sich auch keine Vorgaben von der Bundesebene machen lassen: „Wenn von links bei einem Thema ein vernünftiger Vorschlag kommt, werde ich natürlich zustimmen.“

Kommentar von Carina Bahl: Gute Zeugnisse

Die Burgwedeler haben mit ihrer Wahl am Sonntag gleich zwei gute Zeugnisse ausgestellt: eines dem amtierenden SPD-Bürgermeister Axel Düker, indem sie seine Partei entgegen aller Ergebnisse in der Nachbarschaft unterstützten. Das zweite gute Zeugnis gaben sich die Burgwedeler selbst: Sie blieben sich treu. Nur 3 Prozent für die AfD – das zeigt, dass Protestwählen nichts ist, was in der Stadt als Lösung gilt. Zwar bleibt abzuwarten, wie selbstbewusst die FDP ihr Comeback wirklich feiert. Fest steht aber: Eine bunte Mischung, die keiner Partei mit absoluter Mehrheit bei allen Themen von vornherein den Weg ebnet, kann nur gut für demokratische und inhaltlich fundierte Entscheidungen sein. Ach, und: Wie sich dabei eine Satire-Partei anstellt, die wortwörtlich „Irgendwas“ in ihrem Programm verspricht, kann und wird nur die Praxis zeigen.

Blick auf die Ortsräte: Die CDU-Mehrheiten bleiben

Die CDU-Ortsbürgermeister in Großburgwedel, Kleinburgwedel, Wettmar und Fuhrberg dürfen wohl mit einer Wiederwahl rechnen: Die Mehrheitsverhältnisse sind stabil geblieben. In Großburgwedel stand Rolf Fortmüller am Ende der Auszählung mit einem Traumergebnis von 2898 (mehr als 40 Prozent) persönlichen Stimmen da – auch Michael Kranz in Wettmar (620) und Jürgen Schodder in Kleinburgwedel (478) dürften in ihren Ämtern wohl unangefochten bleiben. In Fuhrberg erzielte Heinrich Neddermeyer 563 persönliche Stimmen – aber auch sein SPD-Konkurrent Torsten Allert überzeugte im Dorf mit 478 Stimmen.

Spannend dürfte die Ortsbürgermeisterwahl in Thönse werden: Die CDU stellt mit vier Mandaten zwar weiter die Mehrheit – ihr Spitzenkandidat und Amtsinhaber Heinz-Theo Rockahr unterlag jedoch mit 281 zu 297 persönlichen Stimmen seinem eigenen Parteikollegen Andreas Krüger.

Ein Novum zeichnet sich in Oldhorst ab: Der FDP stehen mit 40,2 Prozent zwei Mandate zu – mit Hendrik Grabowski, der mit 70 persönlichen Stimmen die meisten Oldhorster überzeugte, hatten die Liberalen aber nur einen Kandidaten aufgestellt. Daher wird der Ortsrat Oldhorst künftig nur mit vier statt fünf Mitgliedern ausgestattet sein – die drei CDU-Mandatsträger werden Thorsten Rieckenberg (45 persönliche Stimmen) wohl eine neue Amtszeit als Ortsbürgermeister verschaffen.

Die WEB hat in Engensen ihr Heimspiel verloren und einen Sitz sowie die Mehrheit eingebüßt. Neben zwei CDU-Mitgliedern und zwei WEBlern sitzt nun auch Joachim Lücke (SPD) im Gremium. WEB-Ortsbürgermeister Friedhelm Stein (388) verlor zwar knapp 150 Stimmen im Vergleich zu 2011, schaffte aber dennoch das mit Abstand beste persönliche Ergebnis in Engensen.

Zum ersten Mal standen auch Die Partei und die AfD für einzelne Ortsräte zur Wahl – für Letztere zog Volker Körlin in Großburgwedel in den Ortsrat ein. Die Satiriker von Die Partei konnten kein Mandat für sich verbuchen.

Burgwedel bleibt in der Region vertreten

Die Stadt Burgwedel bleibt auch in der neuen Legislaturperiode mit zwei Politikern in der Regionsversammlung vertreten. Mit 5545 Stimmen ist Burgwedels CDU-Chef Rainer Fredermann, der seit 2013 auch im Landtag ein Mandat hat, direkt in die Regionsversammlung eingezogen und konnte so seinen Sitz verteidigen. Über die SPD-Liste schaffte es auch Andreas Strauch (1795 Stimmen), zum dritten Mal in der Regionsversammlung vertreten zu sein. Seit 2006 hat er dort ein Mandat und das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Regionsfraktion inne.

Von Carina Bahl

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