Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Weniger Kunden nach Rossmann-Schließung

Burgwedel Weniger Kunden nach Rossmann-Schließung

Mit Rossmann fehlt der Von-Alten-Straße seit zwei Wochen der wichtigste Frequenzbringer, hinzu kommen wegen Umbau geschlossene Geschäfte. Bei einer Umfrage in der Fußgängerzone äußern Händler und Kunden Sorgen.

Voriger Artikel
Diers: Alternative wäre Zelt-Unterkunft
Nächster Artikel
VHS zeigt Film über einheimischen Landwirt

Rossmann war neben dem NKD-Textildiscounter der Frequenzbringer.

Quelle: Niggemeyer

Burgwedel. Ein nasskalter Sonnabend mit Nieselregen: Gegen 11 Uhr sind es zehn bis 15 Bummler, die an den Schaufenstern entlangschlendern. „Es ist hier im Allgemeinen nicht so belebt“, sagt Goldschmiedin Sarah Vollgold. „Die Mischung ist nicht mehr so attraktiv wie früher: Anwaltskanzleien, Immobilienmakler, eine Sicherheitsfirma, drei Handyläden, die Schließung von Rossmann - das macht sich bemerkbar.“

Ihre Kollegin Petra Borchert erinnert sich: „Früher gab es hier viele kleine spezielle Geschäfte, da kamen die Leute teilweise von weit her.“ Das sei weniger geworden. Die Leerstände täten ein Übriges.

Nun ist Rossmann dicht, das Accessoire-Geschäft Artlantique wegen Umbau geschlossen - „ohne diese Anziehungspunkte ist der Durchlauf schon spürbar geringer“. Beim Juwelier Vollgold „geht viel über das Schaufenster, Spontankäufe gibt es jetzt weniger“.

Im Fotogeschäft vis-à-vis bewertet Silke van Briel die Entwicklung skeptisch: „Auch vor der Rossmann-Schließung sah es schon nicht so rosig aus: Der Trend der letzten Jahre ist negativ.“ Der Geschäfte-Mix sei nicht mehr abwechslungsreich genug. Kundin Ingrid Tschacher pflichtet bei: „Ich komme jeden Tag mit dem Fahrrad aus Thönse, aber es sind nicht mehr viele Läden, die ich besuche.“ Besonders vermisst sie nach der Schließung des Sporthauses Sportartikel.

Eva Seitz von Dessous-&-Wäsche-Moden Werner zeigt sich noch gelassen: „Wir können uns nicht beklagen, wir haben unsere Stammkunden.“ Der Wegfall eines Ladens wie Rossmann habe gleichwohl Folgen: „Es sind weniger Leute auf der Straße, also gibt es weniger Laufkundschaft.“ Ulrike Schlichting, die gerade aus dem Blumen-Atelier kommt, bringt es auf diesen Nenner: „Früher hat man alles bekommen, was man brauchte. Und es war auch viel interessanter.“ Immerhin: „Der Wochenmarkt hier ist echt ganz schön.“

Brunhilde Preuß vom Gardinenhaus Preuß kennt einen Hauptverantwortlichen für den Trend: das Internet. „Wenn mich einer fragt: ,Was ist denn mit Ihrer Straße los?‘, frage ich zurück: ,Was ist denn mit euch Kunden los?‘“ Man könne die Käufer ja nicht an den Haaren in den Laden ziehen. „Wir leben hauptsächlich von unseren Stammkunden und den Handwerkerleistungen als Raumausstatter“, sagt Preuß. „Wir haben alle Angst, dass es noch leerer wird. Das muss verhindert werden. Wir kämpfen dafür, dass die Kunden weiter mit ihren Autos vor dem Geschäft vorfahren dürfen.“

Heidrun Pollmann wirkt dagegen weniger kämpferisch. „Schon das letzte Jahr war schwierig“, bilanziert die Inhaberin von Schreib-Chic und nennt Onlinehandel wie Leerstände als Gründe. Die Schließung von Rossmann direkt gegenüber habe die Situation verschärft. „Diese Kunden fehlen uns natürlich.“ Kurzum: „Unsere Existenz ist bedroht.“ Eine Patentlösung hat sie nicht. „Das einzige, was in meinen Augen zieht, ist Gastronomie“, sagt sie. Vielleicht könnte man aus dem aufgegebenen Rossmann-Markt ja vier kleine Geschäfte machen, „eine Art Mini-Passage“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten