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Wenn Werber nerven, sind Unternehmer im Nachteil

Großburgwedel Wenn Werber nerven, sind Unternehmer im Nachteil

Vergeblich hat ein Großburgwedeler versucht, sich lästiger Werbeanrufe zu erwehren. Sein Pech: Als Gewerbetreibender muss er sich das gefallen lassen.

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Die betreffende Beraterfirma aus dem südlichen Niedersachsen ist auf Mittelständler spezialisiert.

Quelle: dpa

Burgwedel. „Als Unternehmer erreichen mich täglich viele Werbeanrufe anderer Firmen“, berichtet Marcus Fortmüller - zwischen drei bis sechs, manchmal auch mehr, taxiert der Inhaber einer Firma für Gartenbau und Baumpflege. Nachdem ihn eine Firma „regelrecht terrorisiert“ habe, wollte er ihr die rote Karte zeigen.

Die betreffende Beraterfirma aus dem südlichen Niedersachsen ist auf Mittelständler spezialisiert, veröffentlicht auf ihrer Homepage einen Ehrenkodex, wirbt mit Seriosität und Verschwiegenheit. Just hat sie aus der Hand von Ex-Bundespräsident Christian Wulff eine Auszeichnung als eine der besten ihrer Zunft entgegengenommen.

Trotzdem war ihr ungebeten wiederholt telefonisch vorgetragenes Beratungsangebot beim Mittelständler aus Wulffs früherem Wohnort Großburgwedel nicht gefragt. Im Gegenteil: Der zunehmend genervte Fortmüller wandte sich mit einer Beschwerde an die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen. Denn diese Behörde ist auch für Verstöße gegen das Verbot der unerlaubten Telefonwerbung zuständig.

So akribisch wie erwartungsvoll füllte er seinen Beschwerdebogen aus - Rufnummer des Anrufers, Datum, Uhrzeit und Zweck der Anrufe, beworbene Dienstleistung, finanzieller Schaden („Arbeitszeitverlust“), und so weiter.

Nur zwei Tage nach seiner Eingabe hatte der Großburgwedeler schon die Antwort von der im sauerländischen Meschede ansässigen Behörde - doch fiel diese für ihn überraschend aus: Werbeanrufe gegenüber Gewerbetreibenden und Freiberuflern könnten nach den Maßgaben des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb nicht mit einem Bußgeld belegt werden. Da er nicht als Verbraucher, sondern als Unternehmer, sprich in der Funktion als „sonstiger Marktteilnehmer“ angerufen worden sei, stelle dies mangels gesetzlicher Grundlage keine Ordnungswidrigkeit dar. Für ein weiteres Tätigwerden der Netzagentur seien derzeit keine gesetzlichen Möglichkeiten gegeben.

Der Beschwerdeführer ist einigermaßen ernüchtert: „Als Gewerbetreibender muss man sich das wohl gefallen lassen, aber ich finde das unmöglich.“ Ein Verbraucher genießt hingegen Schutz: Erhält dieser einen Werbeanruf, in den er nicht ausdrücklich eingewilligt hat, liegt ein Gesetzesverstoß vor. Ein solcher „Cold Call“ kann mit einem Bußgeld von bis zu 300.000 Euro geahndet werden.

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