Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Auf einmal ist dann mittags Schluss

Burgwedel Auf einmal ist dann mittags Schluss

Ist es in Ordnung, dass Eltern ihre Kinder unbedingt um 13 Uhr aus dem Kindergarten abholen müssen, wenn einer von ihnen den Job verliert oder für ein kleines Geschwisterchen in Elternzeit geht? Die Stadt Burgwedel verteidigt das mit Verweis auf den Rechtsanspruch – einige Eltern hingegen kritisieren das Vorgehen deutlich.

Voriger Artikel
Bei Kandidatenkür hält CDU die Pole-Position
Nächster Artikel
Im Zickzack für stärkeres Stromnetz

Wer in Elternzeit oder arbeitslos ist, muss sein Kind in Burgwedel um 13 Uhr aus dem Kindergarten abholen.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. „Mein Kind weint und diskutiert, wenn ich es um 
13 Uhr abhole, weil es doch viel lieber wie gewohnt weiter mit den anderen spielen möchte“, schilderte ein Vater am Dienstagabend im Jugendausschuss seine Erfahrungen. Bis November durfte sein Sohn bis 15 Uhr in den Kindergarten gehen. Weil der Vater sich aber für das kleine Geschwisterchen in Elternzeit begab, kündigte die Stadt ihm den 15-Uhr-Platz für seinen Großen auf – dieser muss nun täglich zwei Stunden früher abgeholt werden.

„Das passiert mit Blick auf das 
Kita-Gesetz“, bestätigt Burgwedels Erste Stadträtin Christiane Concilio dieses Vorgehen der Stadt. Der Rechtsanspruch sehe eine Betreuungszeit von fünf Stunden am Vormittag vor – je nach Bedarf auf Grund von Berufstätigkeit der Eltern oder sozialen Kriterien bietet die Stadt eine Betreuungszeit darüber hinaus an. Wenn jedoch ein Elternteil arbeitslos wird oder aus anderen Gründen zu Hause bleibt, erlösche der Bedarf. Dann gelte nur noch der Rechtsanspruch bis 13 Uhr, und Eltern müssten ihre Kinder fortan entsprechend abholen – ohne Ausnahme. „Die Kinder müssen aber nicht die Kindergartenruppe wechseln“, betont Concilio. Sie würden nur früher abgeholt als die anderen.

Der Grund: Die Stadt möchte die Plätze mit Betreuungszeiten über 13 Uhr hinaus für die Familien freihalten, die sie tatsächlich benötigen. „Wir haben im Laufe des Jahres viel Bewegung in den Gruppen“, erklärt Concilio. Auf Grund von Zuzügen oder Veränderungen in der Arbeitssituation der Eltern müssten auch im Laufe des Betreuungsjahres kurzfristig Plätze neu vergeben, verlängert oder verkürzt werden. Etwa 30 Kinder sind aktuell davon betroffen, dass sie während der Elternzeit oder Arbeitslosigkeit ihrer Erziehungsberechtigten früher abgeholt werden müssen. „Ändert sich die Lebenslage, bekommen sie auch wieder einen längeren Platz“, versichert Concilio. Viele Eltern würden die Geburt eines weiteres Kindes gern dazu nutzen, das ältere Geschwisterkind ab Mittag wieder ins Familienleben einzubinden.

Einige betroffene Eltern hingegen sehen das ganz anders: „Erst wird man durch das Geschwisterchen entthront und dann darf man deswegen auch nicht mehr bis nachmittags in die Kita“, betonte eine Mutter. Das soll ein Kind verstehen. Zumal das Hin und Her bei den Betreuungszeiten im Kindergarten für die Kleinen nur Stress bedeute. „Wir würden auch weiter die komplette Gebühr bezahlen.“ Aus Sicht der Stadtverwaltung gibt es keinen Grund, an der Praxis zur rütteln. Für die Kita-Leiterinnen ist derweil vor allem eine einheitliche Regelung auf Dauer wichtig – „sonst bekommen sich die Eltern in die Haare“, hieß es im Jugendausschuss. Generell müsse man schon jetzt viel diskutieren.

Der Rat könnte das Prozedere ändern – der Jugendausschuss hat sich vorerst aber erst mal mehr Details erbeten. Im Krippenbereich handhabt die Stadt die Sache anders: Um die Kinder nicht beim Mittagsschlaf zu stören, müssen die Eltern bei veränderten persönlichen Verhältnissen ihr Kind nicht um 13 Uhr abholen. Ganz anders macht es Isernhagen: Dort ist eine Zurückstufung auf eine kürzere Betreuungszeit gar kein Thema – es sei denn, die Eltern wünschen und beantragen es.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten