Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Gymnasium: Abriss und Neubau wirtschaftlicher

Burgwedel Gymnasium: Abriss und Neubau wirtschaftlicher

Das müssen Burgwedels Politiker erst einmal sacken lassen: Laut Expertenuntersuchung sollen Abriss und Neubau des Gymnasiums Großburgwedel auf dem benachbarten Sportplatz wirtschaftlicher sein als eine Sanierung inklusive Erweiterung der Schule.

Voriger Artikel
Stadt versteigert wieder Fundsachen
Nächster Artikel
Fuhrberg: Schulerweiterung kostet 5 Millionen Euro

Die Wirtschaftlichkeitsprüfung hat ergeben, dass das Gymnasium Großburgwedel (links) abgerissen und auf dem angrenzenden Sportplatz neu gebaut werden sollte.

Quelle: Ralf zur Brügge

Großburgwedel. Das Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsstudie zur Erweiterung des Gymnasiums Großburgwedel war am Montagabend im Schulausschuss eindeutig – und überraschend: Die Experten plädieren dafür, den bisherigen Plan, das Gymnasium zu sanieren und für den zusätzlichen Raumbedarf einen Erweiterungsbau zu errichten, zu verwerfen. Stattdessen stehen jetzt der Abriss des kompletten Gymnasiums samt Aula und ein großer Neubau auf dem Sportplatz im Raum. Diese Variante würde die Stadt mit Blick auf die nächsten 30 Jahre rund 3,5 Millionen Euro weniger kosten. „Ein Neubau schafft mehr Vermögen mit dem gleichen Aufwand“, stellte Michael Schultze-Rhonhof von der DKC Kommunalberatung aus Düsseldorf fest. „Das ist der wirtschaftlichste Weg.“

Technik im Bestand abgängig

In 90 Minuten stellte Schultze-Rhonhof den Politikern vor, was in den vergangenen Monaten alles untersucht, kalkuliert und bilanziert wurde. Zwar sehe das Gymnasium auf den ersten Blick ganz gut aus – Fachingenieure, die die Schule zwei Tage lang unter die Lupe genommen hatten, seien aber zu einem anderen Ergebnis gekommen: „Die technische Ausrüstung ist komplett abgängig.“ Eine Sanierung würde daher bedeuten, dass alle Wände und Böden des Baus aus den Sechzigerjahren angefasst werden müssten. „Was wir noch im Boden finden, wissen wir nicht“, so Schultze-Rhonhoff. Das Risiko, bei der Sanierung weitere Baustellen zu entdecken, sei groß. „Und das pädagogische Konzept, das sich die Schule wünscht, ist im Bestand nicht umsetzbar.“ Dafür müssten Wände versetzt, Gebäudeteile neu strukturiert werden – bei den schmalen Trakten käme dies einem Abriss und Neubau gleich.

Schüler werden nicht gestört

Sollte der Rat der Empfehlung der Experten zustimmen und das Gymnasium auf dem Sportplatz neu bauen, gäbe es laut Prüfung mehrere Vorteile: Die Bauzeit würde sich von drei auf zwei Jahre reduzieren. Das pädagogische Konzept, wie es von Lehrern und Verwaltung erarbeitet und vom Rat beschlossen wurde, könnte in den neuen Räumen umgesetzt werden. Zudem würde der laufende Schulbetrieb während der Bauzeit nicht tangiert – da der Bestand erst abgerissen würde, wenn der Neubau fertig ist. „Wer glaubt, eine Sanierung könnte ohne Beeinträchtigung der Schüler ablaufen, hat das noch nicht erlebt“, sagte Schultze-Rhonhof. Ein Presslufthammer sei weit und breit zu hören. Zudem müsste die Stadt teure Übergangslösungen schaffen – vom Container bis hin zu technischen Lösungen.

Investition am Anfang höher

Die Investitionssumme für die Variante „Neubau“ wäre mit rund 33 Millionen Euro zwar höher als die für die Variante „Sanierung“ mit rund 29 Millionen Euro. Allerdings hat die Wirtschaftlichkeitsprüfung auch die nächsten 30 Jahre in den Blick genommen: Das alte Gymnasium würde viel mehr Betriebskosten verursachen – zumal keine energetische Sanierung der Fassade vorgesehen ist. Am Ende der Laufzeit würde der Neubau rund 3 Millionen Euro mehr Vermögen für die Stadt bedeuten als ein sanierter Altbau zu diesem Zeitpunkt.

„Der Sportplatz wird schon jetzt eigentlich nicht gebraucht“, erklärte Kämmerer Christian Möhring. Nach Vorgesprächen mit dem Planungsamt und der Bauaufsicht wäre ein großer Neubau dort möglich. Die Frage bleibe, was aus der großen Fläche wird, die nach dem Abriss des „alten“ Gymnasiums frei würde. „Diese könnte man vermarkten“, erklärte Möhring.

Politiker brauchen Bedenkzeit

„Wir müssen jetzt alle erst einmal durchatmen“, so reagierte Hans-Joachim Rödiger (SPD) auf den umfangreichen Vortrag. „Wir können diskutieren, was wir wollen, aber eigentlich kann es jetzt nur diesen Weg geben“, betonte Björn Weimann vom Stadtelternrat. Grundsätzlich, so schien es, teilen die Politiker seine Meinung. „Wir müssen diese neuen Informationen und Zahlen aber noch einmal in Ruhe mit der Fraktion nachvollziehen“, beantragte Thorsten Rieckenberg (CDU) erfolgreich eine Vertagung der Abstimmung. Um keine Zeit zu verlieren, soll kurzfristig eine weitere Schulausschuss-Sitzung einberufen werden. Ein Ratsbeschluss wäre im Juni denkbar – ein Baubeginn im Sommer 2019. Ob die Gewerke einzeln vergeben oder europaweit ein Generalunternehmen gesucht wird, das soll der Rat im Juni ebenfalls entscheiden.

Erste Fragen, wie belastbar die Kalkulation für den Neubau sei, konnten schon geklärt werden: „Ist das nur der Neubau oder ist da die Ausstattung mit drin?“, fragte Olaf Slaghekke (Grüne). Die Ausstattung sei inklusive – „nur Hilfsmittel nicht“, erklärte Schultze-Rhonhof. „Kreide müssen Sie selbst mitbringen.“ Auch die Inklusion werde mit Barrierefreiheit bedacht. Ob es aber tatsächlich bei den kalkulierten Kosten bleibt, hänge von den Burgwedeler Wünschen ab. „Wir haben einen mittleren Standard kalkuliert“, erklärten die Fachleute. „Ob Ihnen das reicht, müssen Sie entscheiden.“

Variante 1 in Zahlen:

Vorhaben: Sanierung Gymnasium, Aula, Sporthallen plus Erweiterungsbau (5225 Quadratmetern).

Bauzeit: 36 Monate.

Baukosten: 24,32 Millionen Euro.

Kosten für Übergangslösungen: rund 1,3 Millionen Euro.

Risiko: rund 3,84 Millionen Euro.

Unterhaltungskosten für 30 Jahre: rund 8, 52 Millionen Euro.

Buchwert nach 30 Jahren: rund 15, 51 Millionen Euro.

Variante 2 in Zahlen:

Vorhaben: Abriss Gymnasium/Aula, Sanierung Sporthallen, Neubau mit 17 572 Quadratmetern.

Bauzeit: 24 Monate.

Baukosten: 29,94 Millionen Euro

Kosten für Übergangslösungen: 136 330 Euro.

Risiko: rund 3 Millionen Euro.

Unterhaltungskosten für 30 Jahre: rund 7,6 Millionen Euro

Buchwert nach 30 Jahren: rund 18,37 Millionen Euro.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten