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Hohe Geldstrafe für Schläge und Tritte

Burgwedel Hohe Geldstrafe für Schläge und Tritte

Zu hohen Geldstrafen hat das Amtsgericht Burgwedel zwei Männer verurteilt, die im Dezember 2015 in der Wedemark einen Zechkumpanen übel zugerichtet hatten – ein Urteil mit Hindernissen.

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Die brutale Misshandlung eines Taubstummen ahndet das Amtsgericht Burgwedel mit hohen Geldstrafen.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel/Wedemark. Es war eine nicht alltägliche Verhandlung, die vier Stunden beanspruchte. An die Zeugenaussage des aus Rumänien stammenden, taubstummen Empfängers der zur Rede stehenden Schlägen und Tritten heranzukommen, war diffizil. Die gehörlose Ehefrau trug vor, was sie ihrem Mann von den Lippen abgelesen hatte, ein vereidigter Dolmetscher übersetzte ins Deutsche. Dann waltete die aus Hamburg angereiste Gebärdendolmetscherin ihres Amtes, damit am Ende wieder das Opfer abnicken konnte, dass seine Aussage richtig verstanden worden war. Selbst dieser letzte Schritt war kompliziert, denn als wirklich kompatibel mit der internationalen Gebärdensprache erwies sich die in Rumänien gepflegte russische Variante nicht.

Aber die Tatnacht ließ sich aus den Akten und – widersprüchlichen – Aussagen doch rekonstruieren. Vier Tage vor Heiligabend hatten sich vier hart arbeitende EU-Bürger aus Rumänien zum Kartenspielen in der Wedemärker Wohnung von B. getroffen. Nachts um 2 Uhr soll der Hausherr seinen Mitspielern dann ohne Vorwarnung die Spielkarten ins Gesicht geworfen und Schimpfwörter artikuliert haben, die der Dolmetscher nur auf Drängen von Amtsgerichtsdirektor Michael Siebrecht zu übersetzen bereit war.

Dass die Mitspieler, zumal in Überzahl, unangemessen reagierten, belegen Fotos und Röntgenaufnahmen: Hämatome im Gesicht von B., geschwollene Lippen, gebrochene Rippen – denn auch noch am Boden liegend musste er Tritte einstecken. Und das Ganze wiederholte sich sogar noch einmal.

Der Mann, der nach übereinstimmenden Aussagen am brutalsten zuschlug, hat sich nach der polizeilichen Vernehmung abgesetzt. Vor Gericht mussten sich ein 23- und ein 39-Jähriger für die laut Anklage „das Leben gefährdende körperliche Misshandlung“ ihres Landsmanns verantworten. Nach eigener Aussage wollte der eine nur moderat geschlagen, der andere nur als Streitschlichter fungiert haben. Doch schenkte das Gericht den detaillierten Schilderungen der Ehefrau des Opfers mehr Glauben, die beide Männer belastete. Jeweils 120 Tagessätze – einkommensabhängig zu 50 und 30 Euro – verhängte das Gericht. Siebrecht beantragte zudem einen Haftbefehl gegen den flüchtigen Dritten. Im Falle seiner Festnahme würde eine neue Beweisaufnahme fällig.

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