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Er liebt sein Klärchen wie am ersten Tag

Wettmar/Großburgwedel Er liebt sein Klärchen wie am ersten Tag

Als er seine Klara das erste Mal sah, trug Günther Männicke keinen Blumenstrauß in der Hand, sondern 350 Brötchen in einer Kiepe auf dem Rücken. Jetzt feiern die beiden Wettmarer ihre eiserne Hochzeit.

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Klara und Günther Männicke aus Wettmar feiern am 6. Oktober 2016 ihre eiserne Hochzeit.

Quelle: Frank Walter

Wettmar/Großburgwedel. Ein größeres Kompliment kann ein Mann seiner Frau nach 65 gemeinsamen Ehejahren wohl nicht machen: "Ich liebe sie genauso wie am ersten Tag", sagt der 84-jährige Günther Männicke und wirft seinem "Klärchen", wie jeder sie nennt, einen verschmitzten Blick zu. "Es ist schön, gemeinsam alt zu werden", entgegnet sie. Einen kleinen Spruch am Rande kann er sich dann aber nicht verkneifen: So warmherzig seine Frau sei, so stur könne sie auch sein. "Wenn sie mal Recht hat, dann bleibt sie auch dabei. Das kommt aber nicht so oft vor", löst Günther Männicke auf und zeigt ein breites Grinsen.

In der Nachkriegszeit, als Günther seine Klara kennenlernte, gab es hingegen wenig zu lachen. Der gebürtige Rügener arbeitet damals als Geselle in der Bäckerei Wessarges in Großburgwedel. Er lieferte morgens 350 Brötchen per Fahrrad ins Krankenhaus, sie arbeitete in der Klinikküche. "Als ich sie gesehen habe, wusste ich: Sie ist es", erinnert sich Günther Männicke.

Für Klara, die erst im letzten Kriegsjahr in Burgwedel gelandet war, war es hingegen keine Liebe auf den ersten Blick gewesen: "Es hat gedauert, aber er war ziemlich hartnäckig", erinnert sich die heute 85-Jährige mit einem Lächeln. Ihre Familie hatte bei Kriegsbeginn in Bessarabien (heutiges Moldawien) gelebt, war 1942 dann nach Westpreußen umgesiedelt worden, von wo sie 1945 vor der nahenden Roten Armee fliehen musste. In Kleinburgwedel angekommen, "musste ich dann sofort arbeiten gehen". Da blieb wenig Zeit für Privates, aber zwei Monate nach dem Kennenlernen folgte im Mai 1949 dann doch die erste Verabredung zum Tanz – und später der tägliche Badespaß im damals noch randvollen Würmsee.

Am 6. Oktober 1951 gab sich das junge Paar das Jawort, Klaras Hochzeitskleid hatte die künftige Schwiegermutter genäht – nur einen Apparat für das Hochzeitsfoto, den hatte niemand. Der erste von zwei Söhnen wurde kurz darauf geboren, heute zählen noch zwei Enkeltöchter und eine Urenkelin zur Familie.

Nach Wettmar zog das junge Ehepaar 1954, zunächst zur Miete. Das eigene Haus, 1970 gebaut, konnten die Männickes allerdings nur acht Wochen lang genießen, dann zog es sie der besseren Verdienstmöglichkeiten wegen in die Ferne: In St. Andreasberg leiteten sie 20 Jahre lang das Schullandheim des Altkreises Burgdorf, das der Landkreis Hannover wenig später übernahm.

Zurück in Wettmar, verlegte sich der ehemals begeisterte Fußballspieler und -Schiedsrichter Günther, der zudem seit mehr als 45 Jahren der Feuerwehr die Treue hält, aufs Singen, schloss sich als zweiter Tenor dem Gesangverein Germania und dem Kirchenchor an. "Und ich genieße es, für die Kinder dazu sein, mich um den Garten zu kümmern und den Haushalt zu machen", sagt Klara Männicke – wovon im besonderen Maße ihr Günther profitiert: "Sie ist eine exzellente Köchin, und ich darf mir immer was wünschen", schwärmt er über sein "Klärchen", die genau 26 Tage früher Geburtstag hat als er. "In diesen 26 Tagen habe ich mal  was zu sagen, da bin ich ja dann die Ältere", sagt sie und lacht ihren Günther an. Scherz beiseite: "Wir genießen jeden Tag zusammen", sagen beide wortgleich und halten sich dabei verliebt an den Händen.

Von Frank Walter

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