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Wunstorf

Experte warnt vor Asbesttransport

Von Mathias Klein

Wohin mit dem Asbestmüll? Ein Toxiloge warnt im Streit um die Deponie in Luthe davor, die Gefahren durch Asbest zu unterschätzen. Er forderte Luftuntersuchungen in Wunstorf.
Foto: Ein Kieler Toxikologe mahnt zur Vorsicht im Umgang mit dem Asbestmüll aus Wunstorf.

Ein Kieler Toxikologe mahnt zur Vorsicht im Umgang mit dem Asbestmüll aus Wunstorf.

© dpa

Wunstorf. Der Toxikologe Hermann Kruse hat die Region Hannover aufgefordert, die Luftreinheit rund um die Asbestmüllhalde in Wunstorf-Luthe zu überwachen. „Das sollte schleunigst geschehen“, sagte der Kieler Wissenschaftler am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung zur Asbesthalde. Kruse, der bundesweit Umweltverträglichkeitsprüfungen macht, hat die Bürger in Wunstorf und Luthe davor gewarnt, die Gefahren durch Asbest zu unterschätzen. „Das ist ein wirklich übles Zeug“, sagte er. Asbest kann Krebserkrankungen auslösen, die oft innerhalb von zwölf Monaten zum Tod führen.

Kruse empfahl der Regionsverwaltung, zur Zukunft des Asbestschlamms ein Wissenschaftssymposium zu organisieren, um die sicherste Lösung für den Sondermüll zu finden. „Unabdingbar“ sei außerdem eine Umweltverträglichkeitsprüfung, ergänzte der Toxikologe. „Das sollte unter Beteiligung der Bevölkerung durchgeführt werden“, sagte er und erhielt dafür den Applaus der mehr als hundert Bürger, die zu dem Informationsabend gekommen waren.

Der Transport von Asbest sei „das gefährlichste, was man machen kann“. In diesem Zusammenhang übte er heftige Kritik an den drei Messfahrten im vergangenen Herbst von Luthe zur Deponie Ihlenberg in Mecklenburg-Vorpommern. „Da ist keine wissenschaftliche Aussage möglich“, sagte er. Es könne nicht sein, dass man eine Messsonde an die Plane halte „und mehr nicht“. Sollte der Asbestmüll von seinem bisherigen Standort abtransportiert werden, müsste dieser zuvor in spezielle Säcke verpackt und auch so abgelagert werden.

Im Januar hatten die Landesregierungen von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein den Transport von rund 170.000 Tonnen Abfällen aus der Asbestmüllproduktion gestoppt. Vorausgegangen waren Proteste von Bürgern, die in der Nähe der beiden landeseigenen Deponien wohnen. Wie es mit dem Abfallberg weitergeht, ist derzeit unklar. Das Land könne nichts unternehmen, heißt es aus dem niedersächsischen Sozialministerium. Die Region dagegen meint, das Land sei durchaus gefordert und müsse bei den Landesregierung in Schwerin und Kiel auf Annahme des größten Giftmülltransports in der Geschichte Deutschlands dringen.

Bei der Informationsveranstaltung machte sich Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg für eine dauerhafte Ablagerung der Abfälle am bisherigen Standort stark. Der geplante Abtransport mit rund 8000 Lastwagenladungen und die Ablagerung im hohen Norden koste mehr als neun Millionen Euro, eine dauerhafte Lagerung in Luthe jedoch lediglich 2,8 Millionen Euro, sagte Koch. Mit einer solchen Lagerung werde die Bevölkerung in der Region, an der Fahrtroute und an den Deponien in den Nordländern am besten vor möglichen Gesundheitsschäden geschützt.

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