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Räuber erinnert sich nicht an Details

Garbsen-Mitte/Hannover Räuber erinnert sich nicht an Details

Ein Wiederholungstäter steht seit Montag vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover. Er ist angeklagt, Ende August 2015 mit gezogener Pistole die Tankstelle in Garbsen-Mitte überfallen zu haben. Der Versuch misslang. Er erbeutete kein Geld. Dem 31-Jährigen droht Sicherungsverwahrung.

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Vor dem Landgericht in Hannover muss sich seit Montag ein Wiederholungstäter wegen versuchten bewaffneten Raubüberfalls auf eine Garbsener Tankstelle verantworten.

Quelle: Symbolbild

Garbsen-Mitte/Hannover. Der Mann hat die Tat grundsätzlich gestanden. Er behauptet allerdings, die Waffe sei eine Schreckschusspistole und das Magazin sei leer gewesen. Er habe das selbst überprüft. Das lässt sich derzeit nicht prüfen: Die Waffe ist verschwunden. Der 31-jährige Badenstedter streitet ab, die Idee zu dem Überfall selbst gehabt zu haben. Ein Drogendealer, dem er 15.000 Euro schuldete, habe ihn dazu gezwungen, damit er die Schulden bezahlen könne.

An Details der Tat erinnere er sich nicht, da er den ganzen Tattag über Kokain konsumiert habe. Nach dem Namen des Dealers gefragt, antwortete er, den könne er nicht nennen, weil er sonst seine Familie in Gefahr bringen würde. Er habe auch den Überfall nur aus Angst vor dem Dealer begangen. Die Vorsitzende Richterin Renata Bürgel verlangte immer wieder Details von dem Angeklagten, die dieser schuldig bleibt. Er beruft sich auf Erinnerungslücken. Er habe "einen Filmriss" gehabt. Das Gericht scheint an der Existenz des Dunkelmanns zu zweifeln.

Nach Aussage der Kassiererin war der Angeklagte kurz vor Feierabend gegen 20.30 Uhr an das Kassiererhäuschen getreten und habe freundlich eine Schachtel Zigaretten verlangt. Sie habe sich mit dem Drehstuhl umgedreht, um nach den Zigaretten zu greifen, da habe sie gesehen, wie der Mann eine Waffe aus dem Hosenbund zog. Er habe mit der Pistole gedroht und Geld gefordert, sonst werde er ihr "den Kopf wegschießen". Die 48-jährige Hannoveranerin schloss reflexartig das Fenster und verschanzte sich in einer Ecke des Raums. Sie versuchte, per Telefon die Polizei zu alarmieren, vertippte sich aber immer wieder, sagte sie vor Gericht. Der Täter sei um das Häuschen herumgelaufen und habe laut brüllend mit der Waffe gegen die Hintertür geschlagen, um sie zu bewegen, Geld herauszugeben.

In diesem Moment waren Nachbarn beim Grillen aufmerksam geworden. Eine 29-jährige Garbsenerin schilderte, wie sie beim Umwenden des Fleisches auf dem Grill den Angeklagten an der Tankstelle mit gezogener Waffe gesehen hatte. Eine Freundin rief die Polizei, sie selbst rannte durchs Haus Richtung Tankstelle. Der Täter flüchtete ohne Beute. Er will auf dem Seitenstreifen der Autobahn bei seinem angeblichen Auftraggeber wieder ins Auto gestiegen sein. Das Ganze hatte nur wenige Minuten gedauert.

Die Kassiererin, so schilderte es die 29-jährige Nachbarin, habe weinend in ihrem Häuschen gesessen. Sie habe in der folgenden Nacht kein Auge  zugetan, sagte die Kassiererin. Mindestens noch vier Wochen lang  habe sie plötzliche Zitter- und Weinattacken erlitten. Noch heute weise sie Menschen, die an das Verkaufsfenster der Tankstelle treten, um Zigaretten zu kaufen, ab, wenn sie ihr verdächtig erschienen.

Es sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Außer der Polizei sowie weiteren Zeugen soll ein psychiatrischer Sachverständiger gehört werden. Da der Angeklagte mehrere Male wegen ähnlicher Delikte im Gefängnis gesessen hat - zuletzt war er 2013 zur Bewährung aus der Haft entlassen worden - wird das Gericht überprüfen, ob eine Sicherungsverwahrung infrage kommt.

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