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Auf Sacksuche zwischen Hecken

Garbsen Auf Sacksuche zwischen Hecken

Seit Anfang des Jahres bleiben die gelben Säcke liegen, die Vorwürfe prasseln auf die Remondis-Mitarbeiter ein. Doch wie sieht eigentlich so ein Arbeitstag bei ihnen aus? Linda Tonn hat sie begleitet.

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Die Lader Angelo und David sammeln die Säcke ein.

Quelle: Linda Tonn

Garbsen. Zum Glück hat Andrea Thielebeule sieben Rückspiegel. Suchend wandert ihr Blick von einem zum anderen, während die beiden Hände routiniert an dem wuchtigen Lenkrad kurbeln. „Ich muss aufpassen, dass ich keinen meiner Lader über den Haufen fahre“, sagt die 32-Jährige. Ihre Lader, das sind heute David und Angelo, die auf den Trittbrettern neben dem süßlich stinkenden Schlund des Fahrzeugs balancieren, in dem sie einen gelben Sack nach dem anderen verschwinden lassen.

Seit die Remondis-Mitarbeiter die gelben Säcke im Umland einsammeln, müssen sie sich Vorwürfe ihrer Kunden anhören. Die Säcke würden oftmals zu spät abgeholt - oder gar nicht. In vielen Kommunen rollen die leichten Tüten dann über die Straßen, in Gärten und auf Felder, und oft ergießt sich ihr Inhalt in die Landschaft.

Remondis hat in den vergangenen Wochen verschiedene Begründungen dafür geliefert. Erst war von Problemen mit dem schlechten Wetter die Rede, dann von einer „hohen Fluktuation“ der Mitarbeiter. Zudem sei es stets schwierig, wenn neue Mitarbeiter die Touren noch nicht kennten.

Jetzt also laden die beiden „Lader“ in leuchtend gelber und orangefarbener Arbeitskleidung am Straßenrand entlang und greifen nach den schneebedeckten Säcken. Andrea Thielebeule hält dabei nicht nur nach David und Angelo Ausschau - auch kein Sack soll ihr entgehen. Lugt eine gelbe Tütenspitze hinter einer Hecke hervor, hält sie an. Und als spielten sie ein gemeines Spiel, warten immer wieder Säcke auf den schon leer geräumten Bürgersteigen - platziert von verspäteten Anwohnern. „Es gibt noch zu viele, die ihren Müll nicht rechtzeitig um 7 Uhr rausstellen“, sagt Thielebeule. Doch nach dem Ärger in den vergangenen Wochen, in denen die Diskussion um liegen gebliebene Säcke nicht abzureißen schien, legt sie für die Nachzügler auch einen Zwischenstopp ein. Um auch den letzten Sack gepresst in der Abladestation am Nordhafen auszuschütten, saß Thielebeule in den vergangenen Wochen auch sonnabends auf ihrem Fahrersitz. Die Arbeitszeiten seien ein Grund für die „hohe Fluktuation“ der Mitarbeiter, sagen Kritiker.

Mittlerweile ist es 11 Uhr. Seit fünf Stunden manövriert die Frau mit der dunkelblauen Schirmmütze ihr Fahrzeug durch Garbsens Straßen. Wenn die Wohngebiete hier sackfrei sind, geht es weiter nach Neustadt. Das ist ihre wöchentliche Donnerstagsroute. Dienstags führt der Weg nach Wunstorf.

Mit den verschachtelten Einbahnstraßen und Sackgassen, durch die sich der Wagen millimetergenau schiebt, macht sich die Fahrerin schon seit Anfang Dezember vertraut. Damals kurvte Thielebeule, die elf Jahre als Fernfahrerin arbeitete, noch unsicher und mit leerer Müllpresse an den Wohnhäusern vorbei - zur Probe. Mittlerweile kennt die 32-Jährige schon viele der überstehenden Hecken, die an ihren Außenspiegeln entlangkratzen: „Wie schnell wir letztlich arbeiten, hängt aber auch immer damit zusammen, wie gut Fahrer und Lader eingespielt sind.“

Im Dornröschenweg fliegt der letzte gelbe Sack in die rotierende Müllpresse. „Wenn wir in diesem Tempo weiterarbeiten, können wir um 18 Uhr Feierabend machen.“

Es piept. Im Rückspiegel winkt Angelo aufgeregt mit beiden Armen. Er hat ein Müllversteck aufgetan: Aus einem grünen Container hinter einer Hecke quillt gelbes Plastik. Piepend kommt das Müllfahrzeug zum Stehen und rollt langsam rückwärts die Einfahrt hinein. Viele versteckte Orte, an denen die Anwohner ihre Müllsäcke abladen, sind Thielebeule und ihren Ladern noch nicht bekannt - eine von vielen Startschwierigkeiten, mit denen die Remondis-Mitarbeiter immer noch kämpfen. Nun markiert ein gelbes Kreuz die Stelle auf dem Straßenplan, denn in einigen Wochen soll der Tourenplan optimiert sein. „Nächsten Donnerstag werde ich hier genau hinschauen“, sagt Thielebeule.

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