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Genetischer Zwilling gesucht, biete Hoffnung

Garbsen Genetischer Zwilling gesucht, biete Hoffnung

In unserer Reihe Ausprobiert hat Benjamin Behrens an der Typisierungsaktion des Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellenspender-Register (NKR) teilgenommen. Weltweit können jetzt Patientendaten mit meinem genetischen Fingerabdruck verglichen werden.

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Fertig - die Probe kann zum Trocknen in den Becher.

Quelle: Nicola Wehrbein

Havelse. Meinen Organspendeausweis verdanke ich einer Freundin aus dem Studium. Sie hat mich solange gedrängt, ihn auszufüllen, bis ich nachgab. Ich muss gestehen, so richtig überzeugt war ich nicht. Die Idee musste erst etwas sacken. Ich war inzwischen im Krankenhaus, wurde operiert und habe Schwerverletzten erste Hilfe geleistet. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Deshalb habe ich mittlerweile den Ausweis aus voller Überzeugung.

Am Sonntag hatten das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellenspender-Register (NKR) und der TSV Havelse Fans und Spieler zur Typisierungsaktion eingeladen. NKR-Mitarbeiter Inga Goor und Michael Roth werden an dem Tag 38 potenzielle Spender typisieren - auch mich. Jedes Jahr erkranken 12.000 Menschen an Leukämie - allein in Deutschland. Dabei und bei anderen Bluterkrankungen kann eine Stammzellenspende die Rettung sein.

Gesucht wird ein möglichst hoher Grad an Übereinstimmung in den Gewebemerkmalen zwischen Patient und Spender. Es gibt zehn. "Das sind die sogenannten HLA-Merkmale, es muss eine Übereinstimmung von 100 Prozent geben", sagt Goor. Müsste es nicht einfacher sein innerhalb der Familie einen geeigneten Spender zu finden?, frage ich mich. "Die Merkmale setzten sich zusammen aus den Eltern, deshalb ist die Wahrscheinlichkeit am höchstens, dass die Geschwister passen", sagt die ausgebildete Rettungssanitäterin. Trotzdem sind die Kombinationen so vielfältig, dass die Suche oft ausgeweitet werden muss.

So weit so gut. Das Problem mit dem Fragebogen ist schneller gelöst: Persönliche Daten, Kontaktmöglichkeiten, einige Fragen zu Vorerkrankungen, die mich als Spender ausschließen, wie Hepatitis oder HIV. Auf dem Tisch stehen schon viele Becher mit Wattestäbchen. Jetzt kommen meine dazu.

Ich nehme die sterilen Stäbchen in die Hand, 30 Sekunden lang muss ich damit an der Innenseite der Wange umher fahren. Unwillkürlich muss ich lächeln, weil ich mir vorstelle, wie seltsam ich dabei aussehe.

Das war es auch schon, mehr ist nicht mehr nötig. Die Stäbchen gehen ins Labor. Sollte es tatsächlich zur Spende kommen, wird mir Blut abgenommen. Zuvor muss ich ein Medikament nehmen, das die Stammzellenproduktion anregt. "Es erzeugt Symptome einer Grippe", sagt Goor. In seltenen Fällen ist die klassische Knochenmarkspende nötig. Dann kommen ein Krankenhausaufenthalt, Vollnarkose und ein Eingriff auf mich zu. Nach der Entnahme von rund einem Liter Knochenmark aus dem Beckenknochen, fühle man sich als hätten einen ein Pferd getreten, hat aber vielleicht ein Leben gerettet, hieß es. Klingt für mich fair.

Was passiert, wenn ein genetischer Zwilling gefunden wurde?

Passen die Daten im Zentralen Knochenmarkspende-Register Deutschland zueinander, ist der erste Schritt für das NKR, mich zu kontaktieren. In manchen Fällen vergehen Jahre, bis tatsächlich ein passender Patient gefunden wird. Ist die Bereitschaft zur Spende gegeben, erfolgt eine sogenannte Bestätigungstypisierung. Dafür reicht kein Abstrich in der Wange, sondern es muss Blut untersucht werden. Bei der Ersttypisierung wird nur ein Teil der Gewebemerkmale, die sogenannten HLA-Merkmale, bestimmt. Die gesamte Untersuchung wird erst kurz vor der Spende durchgeführt, so sind mögliche Erkrankungen des Spenders ausgeschlossen.

Bei der eigentlichen Spende gibt es zwei Methoden. Die gebräuchliche ist die sogenannte periphere Blutstammentnahme, ähnlich der Blutwäsche. Bei der klassischen Knochenmarkspende wird etwa ein Liter Knochenmark unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen entnommen. Das entnommene Knochenmark bildet sich in wenigen Wochen vollständig nach. 

Das ist das Knochenmarkspenderregister

Das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) ist ein überregional arbeitendes Stammzellspender-Register. "Zurzeit gibt es 27 Register in Deutschland", sagt Roth. Das NKR hat seinen Sitz in Hannover, Mellendorfer Straße 7-9. Die Daten der einzelnen Register werden alle mit dem ZKRD, dem Zentralen Knochenmarkspender Register Deutschland, abgeglichen. Das ZKRD kann auf Daten von fast 30 Millionen Spendern weltweit zugreifen. Sieben Millionen der potenziellen Spender stammen aus Deutschland. Damit ist das ZKRD eines der größten Register weltweit und das größte in Europa. 

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Von Benjamin Behrens

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