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Das ganz normale Leben der Muslime

Garbsen Das ganz normale Leben der Muslime

Die erste Schautafel zeigt es in großen Lettern: Es geht um Menschen, die auch ohne ihre Attribute Religion, Herkommen, Alter oder Geschlecht etwas gelten wollen. Oder wie es Caroline Hornstein-Tomic von der Bundeszentrale für politische Bildung ausdrückte: Es gehe in der Ausstellung Was glaubst du denn? um "das ganz normale Leben der Muslime in Deutschland".

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Zehra Acar ist halb Polin und halb Türkin und eine der Initiatorinnen der AG am Johannes-Kepler-Gymnasium, in der die Wanderausstellung "Was glaubst du denn?" vorbereitet wurde.

Quelle: Bernd Riedel

Auf der Horst. Die Ausstellung ist von Schülern des Johannes-Kepler-Gymnasiums (JKG) als Thema einer Arbeitsgemeinschaft (AG) nach Garbsen geholt worden und wurde am Donnerstag im Obergeschoss der Mensa am Planetenring eröffnet. Die von der Bundeszentrale für politische Bildung konzipierte Wanderausstellung - Garbsen ist 37. Station und erste in der Region Hannover - zeigt die vielen Facetten des Alltags von Muslimen in Deutschland - und Religiosität ist dabei nur einer von vielen Aspekten.

Muslimische Jugendliche geben in Videos, Texten, Comics und Fotografien Auskunft darüber, was sie bewegt, wie sie ihre Zukunft und wie sie Deutschland sehen. An interaktiven Stationen können die Besucher selbst kleine Filme produzieren, Fragen stellen und Kommentare hinterlassen. "Auf Augenhöhe ins Gespräch kommen" ist eines der Hauptanliegen der Schau. Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai in Garbsen.

Zehra Acar ist eine der Initiatorinnen der Ausstellung. Sie ist auch eine der 15 sogenannten Peer Guides, die Gruppen von Besuchern durch die Ausstellung führen werden. Was hat sie veranlasst, sich für diese Ausstellung zu engagieren? "Ich bin halbe Polin und halbe Türkin und weiß was es bedeutet, mit einer Menge von Vorurteilen konfrontiert zu werden", sagt Zehra Acar, so werde immer wieder behauptet, Polen seien Diebe. Sie nimmt die Sache einerseits sehr ernst, hat auf der anderen Seite ihren Humor nicht verloren. Die 16-Jährige möchte mit ihrem Engagement aktiv Vorurteile ausräumen helfen - und so etwas geht nur über Kommunikation.

Darauf setzt die Wanderausstellung: Der Besuch ist nur über Anmeldung auf der Homepage wasglaubstdudenn.de möglich. "Dort können sich Klassen, Gruppen oder Vereine anmelden", sagt Acar. Die Besucher werden von einem der Peer Guides, die alle eigens dafür geschult wurden, zum vereinbarten Termin durch die Ausstellung geführt - und erfahren zusätzlich zu dem, was ihnen die Ausstellung bietet, auch etwas über ihre Peer Guides und diese erfahren etwas über die Besucher.

Von den 15 Peer Guides sind die Mehrheit Mädchen, und ebenfalls die Mehrheit haben einen Migrationshintergrund, sagt Lehrer Ben Bögershausen: "Es ist ihnen offenbar ganz wichtig, sich als Migranten aus der ihnen zugeschriebenen Rolle zu befreien." Die Ausstellung gehöre jetzt ganz den Schülern: "Sie haben alles in die Hand genommen." Für Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin und SPD-Bundestagsabgeordnete, war das der entscheidende Aspekt in der Eröffnungsfeier: "Mich hat das am meisten beeindruckt, als die Jugendlichen aufgestanden sind und in kurzen Statements ihre Meinung gesagt haben."

Die Ausstellung versuche zu vermitteln, dass Muslime selbstverständlich keine homogene Gruppe seien, sagte Doris Schröder-Köpf, die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, sie zeige die Vielfalt an Lebensweisen und Wertvorstellungen. Das Ziel sei "eine Versachlichung der Debatte".

"Warum müssen wir dieses Thema überhaupt diskutieren?", fragte Bürgermeister Christian Grahl in seinem Grußwort, eigentlich müsse das Anderssein jedes Menschen doch eine selbstverständliche und akzeptierte Grundannahme sein - müsste, ist es aber nicht. Wie viele Muslime in Garbsen leben, das sei nicht erfasst, sagte Grahl. Schätzungen zufolge seien es circa 7000. Die beiden Garbsener Moscheevereine hätten rund 500 Mitglieder. "Das grundsätzliche Einvernehmen" zwischen den Bevölkerungsgruppen in Garbsen sei da, wie etwa das jährliche gemeinsame Fastenbrechen zeige.

Denn letztlich komme es darauf an, wie das Miteinander gestaltet werde, und das sei am JKG von Toleranz, Offenheit und Respekt geprägt, sagte Schulleiter Dieter Schwandt. Von den 770 Schülern des JKG sind rund 18 Prozent Muslime, schätzt Schwandt. Dazu kämen weitere Schüler mit Migrationshintergrund, sagte Schwandt: In den Konflikten, die es nun einmal gebe, seien ethnische oder religiöse Gründe nicht erkennbar. "Das ist eine Integrationsleistung, die wir uns zuschreiben dürfen, wir sehen uns auf einem guten Weg."

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Über der ersten Tafel in großen Buchstaben das eigentliche Thema: Menschen, darunter 30 Porträts: Wer ist Muslim, wer nicht?

Quelle: Bernd Riedel
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