Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Jüdische Autorin Ruth Weiss zu Besuch am GSG

Berenbostel Jüdische Autorin Ruth Weiss zu Besuch am GSG

Jüdin, Flüchtling, Journalistin, Zeitzeugin: Die Autorin Ruth Weiss hat am Montag Zehntklässler am Geschwister-Scholl-Gymnasium besucht; morgen ist sie an der IGS zu Gast, um aus ihrer Biografie "Wege im harten Gras", über ihr Leben nach Hitlers Machtübernahme und über Zivilcourage zu erzählen.

Voriger Artikel
Ratsherr Orhan Akdag wechselt zur BIG Partei
Nächster Artikel
Reifen an vier Autos in Garbsen-Mitte zerstochen

Die Autorin Ruth Weiss und ihr Lektor Lutz Kliche am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Nach der Lesung stellt sich Weiss dem Schollz-Interview und signiert Bücher.

Quelle: Markus Holz

Berenbostel. "Ich bin sehr froh, in einer Schule mit diesem Namen lesen zu können", sagt Ruth Weiss am GSG. Die Geschichtslehrer Dennis Meier, Hinnerk Heimann und Cynthia Kölling hatten das Besuchsangebot der 93-Jährigen im Rahmen einer Lesereise angenommen. Sie ist Zeitzeugin der Judenverfolgung im Nazi-Deutschland, hat Synagogen und Bücher brennen sehen. Sie wuchs als Jüdin in Fürth auf, floh 1936 mit ihrer Familie nach Südafrika und erlebte dort erneut Rassentrennung, Gewalt und Verfolgung. Heute lebt sie in Dänemark, "dem einzigen Staat in Europa, der damals die Flucht von mehr als 7000 Juden nach Schweden organisierte", sagt sie. "Wege im harten Gras" heißt ihre Biografie. Lektor Lutz Kliche begleitet Weiss auf ihrer Lesereise, liest Passagen vor, die der Autorin für das junge Publikum wichtig sind.

Ob sie denn Deutschland noch als ihre Heimat ansieht, will ein Schüler wissen? "Nein", antwortet sie, "ich hatte weder beim ersten Besuch 1950 noch nach 2003 das Gefühl, dass Deutschland meine Heimat ist." Anders als andere emigrierte Autoren spricht sie noch Deutsch und schreibt auf Deutsch. "Aber die Kindheitserlebnisse wird man sein Leben lang nicht los", sagt sie. Sie habe als jüdisches Kind erlebt, was es bedeutet, nicht mehr willkommen zu sein. "Das Gefühl bleibt bei mir."  

Die Doppelstunde ist anstrengend für die betagte Autorin. Dennoch stellt sie sich nach der Lesung dem Interview mit Sophie Koldehoff und Alina Seidel von der Schülerzeitung Schollz. "Was können wir als Jugendliche gegen AfD, Rassismus und Hass tun, der sich zurzeit in Deutschland ausbreitet?", fragt Koldehoff. Weiss' Antwort ist klar und einfach: "Zivilcourage zeigen und sich offen gegen Rassismus bekennen. Auf andere zuzugehen, ist der wichtigste Schritt. Fragt die Flüchtlinge unter Euch, woher sie kommen. Interessiert euch für sie. Das öffnet den anderen und schafft das Gefühl von Willkommensein", sagt Weiss. Die Haltung "Das sind die anderen, und dies sind wir" sei der falsche Weg. Über Flüchtlingspolitik sagt sie: "Jeder Verfolgte muss das Recht auf Asyl haben, ansonsten spricht man das Todesurteil aus."

Weiss spricht langsam. Manchmal wirken ihre Berichte ausholend, so als würde ihre Zeit nicht mehr reichen, alles zu erzählen. Die Geschichten über die Isolation der Familie in Fürth, das Abwenden der Freundinnen, die Anfeindungen, die plötzliche Stille zwischen sich und den Nachbarn. Macht sie diesen Nachbarn von 1934 heute einen Vorwurf? "Nein, das kann ich nicht. Wie hätte ich mich denn verhalten, wenn ich nicht als Jüdin geboren wäre? Anders? Das weiß ich nicht." 

Am Dienstag, 17. Oktober, liest Ruth Weiss um 8.30 Uhr und 11.30 Uhr im Forum der IGS Garbsen.

doc6x54h3csidzoghbodha

Fotostrecke Garbsen: Jüdische Autorin Ruth Weiss zu Besuch am GSG

Zur Bildergalerie

Von Katharina Hemmer und Markus Holz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xgcte8m57t1jrkfw6y2
Schüler diskutieren über Zukunft der Ozeane

Fotostrecke Garbsen: Schüler diskutieren über Zukunft der Ozeane

Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr