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„Beim Zweitbad hätten wir draufgezahlt“

Garbsen „Beim Zweitbad hätten wir draufgezahlt“

Der Hildesheimer Dr. Christian Grahl war 2014 als Externer angetreten, um Bürgermeister zu werden in einer Stadt, die er nicht kennt. Jetzt liegen 14 Amtsmonate hinter ihm. Was hat ihn bewegt? Ein Interview.

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"Ich bin in Garbsen angekommen": Christian Grahl im Gespräch mit Markus Holz.

Quelle: Bernd Riedel

Garbsen. Haben Sie sich Ihr erstes Jahr in Garbsen so vorgestellt?

Die Arbeit habe ich mir genau so vorgestellt. Es macht richtig Spaß und Freude. Über Themen für 2015 habe ich anders gedacht.

Wie denn?

Ich hatte nicht so deutlich auf meiner Agenda, was dann tatsächlich im Mittelpunkt stand: Flüchtlingsunterbringung, Bäder, Garbsen-Mitte (Sonae). Das alles sind Fragen, die vordringlich geworden sind und die auch mich selbst sehr in Anspruch genommen haben. Dafür ist anderes vielleicht liegen geblieben. Ich kann den Mitarbeitern ja nicht sagen: Jetzt macht ihr das noch on top. Es kam 2015 darauf an, die Topthemen sauber abzuarbeiten und die anderen nicht aus dem Auge zu verlieren.

Was zum Beispiel?

Personal- und Organisationsentwicklung der Verwaltung zum Beispiel. Das gehen wir aber an. Was übrigens nicht liegen geblieben ist, ist das Thema Sicherheit, auch wenn viele kleine Schritte nicht so öffentlich geworden sind.

Welche kleinen Schritte?

Nach den Bränden in Hausfluren im Stadtteil Auf der Horst vor einem Jahr haben wir den Vermietergesellschaften gesagt: Ihr kümmert Euch um Rauchmelder in den Treppenhäusern, Eingangstüren, Schlösser und Müllbeseitigung. Und wir als Stadt kontrollieren die Hauseingänge - jede Nacht. Mit Erfolg. Bei den Müllcontainern müssen die Vermieter verstärkt dafür sorgen, dass die Stellplätze von den Hauswänden abgerückt und feuerfest gemacht werden. Wir als Stadt nehmen uns nach und nach die dunklen Ecken in Wohngebieten vor und machen sie heller.

Was ist Ihnen nach Ihrer Einschätzung gut gelungen?

Die Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge - so etwas muss ein Team erst einmal bewältigen. Zweitens klappt das Zusammenspiel von Verwaltung und Politik sehr gut, ausdrücklich alle Fraktionen einbezogen. Zum Beispiel Thema Stadtbahn: Das war über Jahre in der Diskussion, weil es um beide Zweige ging - zur Stadtmitte und zum Campus. Der Rat hat auf das eindeutige Signal der Region geantwortet: Stadtmitte. Aber den Campus behalten wir auf der Agenda.

Eine Endhaltestelle mit Hochbahnsteig zwischen Plaza und Rathaus - halten Sie das städtebaulich wirklich für vertretbar?

Die Haltestelle dort ist vertretbar, aber einen Hochbahnsteig wie am Planetencenter wird es nicht geben. Die Haltestelle wird auf gleichem Niveau in den Platz integriert, die Gleise werden abgesenkt. Wir hatten andere Varianten angeregt. Nach Berechnung der Region ist aber nur der direkte Weg bis zum Plaza wirtschaftlich.

Haben Sie im ersten Amtsjahr Fehler gemacht?

Das müssen Sie mir sagen. Ich habe eine Phase der inneren Unruhe erlebt bei der Bäderfrage. Ich weiß, dass die Entscheidung in Berenbostel als schwerer Verlust empfunden wird. Sie ist mir persönlich sehr schwer gefallen. Die Entscheidung für ein Zentralbad halte ich dennoch für richtig, weil wir uns nur so rund eine Million Euro pro Jahr für andere Zwecke freihalten. Bereits 2016 haben wir 800 000 Euro zur Verfügung für viele verschiedene Projekte - in ganz Garbsen. Fehlentscheidungen? Nein.

Die Entscheidung Zentralbad ist ganz klar unter Sparaspekten entschieden worden. Sehen Sie zu solcher Sparpolitik keine Alternative?

Das ist ja keine Sparpolitik. Wir geben nur das Geld aus, was wir haben. Das sind Steuern der Bürger. Ein zentrales Bad reicht aus. Wenn ein Bad ausreicht, kostet ein zweites Bad nur Geld. Gegenbeispiel: Wenn wir Geld ausgeben, um Grundstücke im Umfeld des Campus zu entwickeln, kommt später wieder Geld rein. Wir haben mit vielen Entwicklern gesprochen, die sich das gut vorstellen können und investieren würden. Da gibts einen „return of invest“. Aber bei einem zweiten Bad würden wir nur Jahr für Jahr draufzahlen.

Sind Sie in Garbsen angekommen oder haben Sie noch einen Koffer in Hildesheim?

Meine Frau ist beruflich an Hildesheim gebunden. Aber ich bin zu 100 Prozent hier. Ich denke und handele nur für Garbsen.

Das Interview führten Bernd Riedel und Markus Holz.

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