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Wenn Kunst Funken sprüht

Garbsen / Leer Wenn Kunst Funken sprüht

Die Funken sprühen. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Diese Kunst ist nichts für zarte Gemüter: Bildhauer Peter Kärst erschafft Skulpturen aus Stahl und Aluminium. Im Moment vollendet er die Kreiselkunst für den Planetenring. Petra Herterich von der Ostfriesen Zeitung hat ihn besucht.

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Die Mitarbeiter von Peter Kärst schweißen zurzeit die Einzelteile aus Stahl zu Figuren zusammen. Insgesamt sechs werden für das Modell „Planetenring“ gebraucht – vier tragen die Scheibe, zwei die Kugel (siehe Modell).

Quelle: Ortgies / Ostfriesen Zeitung

Leer / Auf der Horst. Sechs rund zwei Meter große Figuren sind fast fertig. Stehen sollen sie am Planetenring – und einen Planeten sollen sie auch tragen. „Dreh- und Angelpunkt in einem Wohngebiet sind die Menschen, die dort leben. Insofern war es mir sehr wichtig, dass der Mensch auch bei dem Kunstwerk eine tragende Rolle spielt“, erklärt Kärst seinen Entwurf, der aus insgesamt 18 Vorschlägen von einer Jury in Garbsen ausgewählt worden war. 40 000 Euro zahlt die Stadt für die Kunst auf dem Kreisel.

Entstanden ist auch diese große Stahlskulptur zunächst ganz klein auf einem Blatt Papier. „Ich zeichne erstmal eine Skizze – bis zu 100 Entwürfe können es schon werden“, sagt Kärst. Ein erstes Modell baut er im Maßstab 1:20 aus Pappe. Ist er mit der Vorlage zufrieden, wird der Entwurf mit einem speziellen Computerprogramm gezeichnet. „Die Bleche für die Figuren werden mit Lasertechnik ausgeschnitten“, erklärt er. Das macht immer eine Spezialfirma. Jeweils zwei Bleche werden durch zusätzliche Seitenteile miteinander verschweißt – so entsteht ein fertiges Männchen.

„Für diese Figuren mussten die Bleche vorher gebogen werden“, sagt Kärst. Ein Ingenieur hat für das gesamte Objekt die Statik berechnet. Die Berechnungen füllen rund 160 Seiten.  „Der gibt auch vor, wie dick die Schweißnähte sein müssen und wie viele Schrauben man verwenden darf“, erklärt der Bildhauer. Am Ende werden vier Figuren die rund vier Tonnen schwere Scheibe tragen und zwei Figuren die Kugel.

„Jede Figur kann gut eine Tonne Gewicht halten“, sagt Kärst. Der große Ring wird in drei Segmenten gefertigt und soll dann mit Schwerlasttransportern nach Garbsen gebracht werden. Vor Ort bekommt die gesamte Skulptur ihre Lackierung. Das Kunstwerk sollte ursprünglich Ende 2015 aufgestellt werden, doch die umfangreichen statischen Berechnungen haben das Projekt verzögert.

Seit 30 Jahren arbeitet Peter Kärst schon als Stahlbildhauer. Geboren in Hannover, lebt er seit 1986 in Ostfriesland. „Ich hab’ die Ruhe gesucht“, sagt er. Dass er Bildhauer werden wollte, habe er schon als Kind gewusst. Nach der Schule, die er in Garbsen besuchte, sei er schon immer zu einem Steinmetz gegangen – „manchmal auch einfach während der Schule, ich habe geschwänzt“, gibt Kärst zu.

Er machte schließlich eine Lehre bei einem Steinmetz. „Da musste ich eineinhalb Jahre lang nur Grabsteine bearbeiten“, erinnert er sich. Kärst kündigte und suchte sich neue Lehrmeister. Er lernte nicht nur Bildhauerei, sondern restaurierte auch, arbeitete in einer Bronzegießerei und lernte auch Metallguss. Er studierte an der Fachhochschule in Hannover und der Universität Oldenburg. „Ein Künstler muss was können“, sagt Kärst.

Die Brunnenskulptur auf dem Rathausplatz in Garbsen war Kärsts erstes Werk für die Stadt seiner Kindheit. Auch quer durch Ostfriesland finden sich seine Objekte. In Aurich, Norden, Weener oder auch in Leer stehen Skulpturen von Peter Kärst. Das große Metallsegel auf einem Leeraner Kreisel wurde sogar überregional bekannt – in der Sendung „Mario Barth deckt auf“ diente es als Beispiel für Steuerverschwendung. Peter Kärst hatte das Segel gemeinsam mit Jugendlichen gebaut.

760.000 Euro waren – zum Teil von der EU, zum Teil von der Stadt – in das Kunst-Sozialprojekt gesteckt worden. „Diese Steuermittel wurden schon beinahe wieder komplett erwirtschaftet – fast alle Jugendlichen, die an dem Projekt teilgenommen hatten, haben nämlich eine Arbeit gefunden“, sagt Peter Kärst nicht ohne Stolz. Ärgerlich sei allerdings, dass das Stahlsegel von Unbekannten beschmiert wurde. „Leider war die graffitiabweisende Lackierung noch nicht drauf“, sagt der Künstler. Das soll jetzt nachgeholt werden.

Projekte mit Jugendlichen setzt Kärst gerne um. Zuletzt hat er in Garbsen mit Flüchtlingen Bänke aus Stahl gebaut. Kreativwirtschaft und Bildungsprojekte zu verbinden, ist ihm wichtig. „Engagement ist mein Verständnis von Gesellschaft. Man nimmt die Gesellschaft täglich in Anspruch, da sehe ich für mich auch die Pflicht, etwas zurückzugeben“, ist sein Credo. Ihm sind Menschen wichtig – das zeigt sich auch in seinen Skulpturen.

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Von Markus Holz und Petra Herterich

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