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Bordell-Betreiber schreibt anonymen Brief

Garbsen Bordell-Betreiber schreibt anonymen Brief

Bei der Stadt Garbsen ist ein anonymes Schreiben der "Betreibergesellschaft" eingegangen, die im früheren Praktiker-Markt ein Bordell errichten will. Die Unbekannten verteidigen ihre Pläne und werfen der Stadt vor, falsche Informationen zu verbreiten. Die Verwaltung antwortet mit deutlichen Worten.

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"Schmuddelig ist die Liegenschaft jetzt": Bei der Stadt Garbsen ist ein anonymer Brief des mutmaßlichen Bordell-Betreibers eingegangen, der ein Auge auf den ehemaligen Praktiker-Markt in Altgarbsen geworfen hat.

Quelle: Gerko Naumann

Altgarbsen. "Sehr geehrter Herr Unerwünscht" - mit dieser nur auf den ersten Blick höflichen Formel beginnt das öffentliche Antwortschreiben des Garbsener Bürgermeisters Christian Grahl. Einen konkreten Namen kann er auch gar nicht schreiben, denn der angebliche Bordell-Betreiber hat sich lediglich anonym an die Verwaltung gewandt.

In seinem vierseitigen Brief will er nach eigenen Angaben vor allem mit dem "postfaktischen Verhalten zur Bauvoranfrage des Bordellbetriebes im ehemaligen Praktiker-Baumarkt" aufräumen. Die Gegner des Vorhabens werden gleich zu Beginn wenig schmeichelhaft als "Elefant im Porzellanladen" bezeichnet. Sie hätten, so der Vorwurf, mit Schlagwörtern wie "Flatrate-Bordell", "Dreischichtsystem" und "Menschenhandel" um sich geworfen, um die Öffentlichkeit zu verunsichern.

Absender: "Die Betreibergesellschft"

Dabei sei doch alles ganz anders, versichert "Die Betreibergesellschaft", denn so ist das Schreiben unterzeichnet. Der Absender spricht von einer Wellness-Oase mit Restaurant, "in dem weibliche Gäste gegen Entgelt der Prostitution nachgehen können". Die Frauen seien selbstständige Dienstleisterinnen, die ihre Arbeitszeit frei einteilen können. Der Betreiber selbst stelle lediglich die "ökonomische Plattform" zur Verfügung. Darüber hinaus entstünden 45 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze - etwa in den Bereichen Reinigung, Küche, Sicherheit und Buchhaltung.

Darüber hinaus werden sich die Betreiber an geltendes Recht wie das Prostitutionsgesetz halten und mit der örtlichen Polizei zusammenarbeiten, heißt es weiter. Prostituierten unter 21 Jahren werde kein Zutritt gewährt. Für vorbeilaufende Kinder sei der Betrieb - im Gegensatz zu den Befürchtungen der Kritiker - nicht sichtbar. "Alles findet im Gebäude statt", schreibt der Unbekannte.

Raus aus der Schmuddelecke?

Prostitution sei keine Erfindung der "Betreibergesellschaft", sie sei in Garbsen und Umland vorhanden. "Wir bündeln das lediglich und erleichtern so den Behörden ihre Arbeit", schreibt der anonyme Absender und stellt die Frage: "Wo sehen Sie hier die Schmuddelecke?". Im Gegenteil: Schmuddelig sei das Gelände jetzt, es werde deutlich aufgewertet. Eine "aufdringliche Beschilderung" sehe das Konzept ebenfalls nicht vor.

Nicht zuletzt verweist der Absender auf "enorme Steuereinnehmen", die die Stadt durch die Vergnügungssteuer einnehmen würde. Man wolle zur "wachsenden Stadt Garbsen beitragen" - und zwar ohne Kriminalität und Gewalt an Frauen. Fast schon drohend wendet sich der mögliche Betreiber direkt an Grahl und die Politik: "Ansonsten zwingen Sie Frauen, an Orte zu gehen, wo niemand Sie beschützt."

Anschließend wird der Ton etwas versöhnlicher: "Lassen Sie uns zusammenarbeiten." Man sei bereit die Meinungen und Ängste der Gegner miteinzubeziehen und an einem Info-Abend für Presse und Bürger teilzunehmen.

"Hände weg von unserer Stadt!"

Bei der Stadtverwaltung stoßen all die genannten Argumente offenbar auf taube Ohren. Bürgermeister Christian Grahl lässt in seinem Antwortschreiben keine Zweifel daran aufkommen, dass er kein Bordell will. "Die Stadt Garbsen setzt sich mit allen Mitteln zur Wehr. Hände weg von unserer Stadt!", richtet er "Herrn Unerwünscht" aus. Er verweist weiter auf die Protestaktionen und die rund 4000 gesammelten Unterschriften gegen das Vorhaben.

Ungehalten reagiert Grahl auf "unangemessene Anrufe", mit denen "Ratsmitglieder bedrängt" worden seien. "Sie machen nur deutlich, dass Sie bei uns Fehl am Platz sind", schreibt der Bürgermeister und betont, dass er die Polizei über die Anrufe informiert habe. Er dulde es außerdem nicht, dass jemand die Stadtverwaltung unter Druck setzt, lässt Grahl ausrichten, der früher selbst Präsident der Zentralen Polizeidirektion in Hannover war.

So wie der Stadtchef seinen Brief begonnen hat, mit etwas gequält wirkender Freundlichkeit, endet das Schreiben auch: "Unter Beachtung des Grußgebots, Dr. Christian Grahl".

Kommentar von Gerko Naumann

Nachvollziehbare Argumente, schlechter Stil

Jetzt wird es also konkret mit den Bordell-Plänen in Garbsen. Zumindest ein bisschen. Denn der mögliche Betreiber eines solchen Etablissements im früheren Praktiker-Markt an der Gutenbergstraße meldet sich nur anonym zu Wort. Mit einer solchen Verschleierungstaktik wird er die Garbsener sicher nicht von seinen Argumenten überzeugen. Dabei sind die teilweise nicht von der Hand zu weisen. Natürlich würde ein solcher Betrieb zusätzlich Steuereinnahmen bedeuten, die wohl jede Stadt gut gebrauchen könnte. Auf der anderen Seite wiegen diese Einnahmen sicher den Unfrieden nicht auf, den sich die Stadt einhandeln würde. Und wenn sich die Betreiber doch wie angekündigt an alle Gesetze halten wollen - warum zeigen sie dann nicht ihr Gesicht?

Auch die Anrufe bei Ratsmitgliedern sind schlicht schlechter Stil. Die Art und Weise der Kontaktaufnahme lässt für die Stadt nur einen Schluss zu: Mit diesen Leuten sollte man sich nicht einlassen.

Klar ist: Die Garbsener sind gegen das Großbordell, Steuereinnahmen hin oder her. Und auch Politik und Verwaltung haben sich früh festgelegt. Parteiübergreifend lehnen sie die Bordell-Pläne ab. Trotzdem wären offene Gespräche sinnvoller als gegenseitige Vorwürfe in offenen Briefen. Aber dafür müssten Verwaltung und Politiker endlich wissen, mit wem sie es zu tun haben.

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Bürger protestieren im Garbsener Rathaus mit selbst gemalten Plakaten gegen das geplante Großbordell im ehemaligen Praktiker-Markt.

Quelle: Gerko Naumann

Von Gerko Naumann

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