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Brandserie wird zur Belastung für Feuerwehr

Garbsen Brandserie wird zur Belastung für Feuerwehr

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Brandstiftungen im Stadtteil Auf der Horst wieder gestiegen. Viele Bürger fühlen sich an die Serie im Jahr 2013 erinnert, die darin gipfelte, dass die Willehadi-Kirche abbrannte. Besonders ärgerlich sind die nächtlichen Taten für die Helfer der Feuerwehr.

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Ortsbrandmeister Thomas Cremer (links) führt Garbsens Bürgermeister Christian Grahl einen Funkmeldeempfänger vor, mit dem die Helfer im Brandfall nachts geweckt werden.

Quelle: Gerko Naumann

Auf der Horst. "Es nervt." Garbsens Stadtbrandmeister Ulf Kreinacker versucht erst gar nicht, den Frust der Feuerwehrleute herunterzuspielen. In den vergangenen Wochen ähnelten sich die Einsätze im Stadtteil Auf der Horst wieder verdächtig. Meist brannten Container, einmal eine Sitzbank, jüngst ein Motorroller, einmal hatten Unbekannte "Toilettenpapier an einem Fahrzeug" angezündet, wie es im Einsatzbericht heißt. Für die ehrenamtlichen Helfer ist die Tatsache besonders ärgerlich, dass sie fast immer aus dem Schlaf gerissen werden, weil der oder die Täter nachts unterwegs sind.

Mit dem Alarm ist die Nacht zu Ende

Für die Helfer bedeutet das: Wenn um 3 Uhr in der Früh der Pieper Alarm schlägt, ist die Nachtruhe vorbei. Auch bei relativ kleinen Bränden muss das Einsatzfahrzeug voll besetzt sein. "Wir machen uns mit sieben bis acht Leuten auf den Weg, dazu fahren weitere Kräfte in die Wache und halten sich auf Abruf bereit", erklärt Kreinacker. Diese Einsätze zehren an den Nerven der Feuerwehrleute, die alle ehrenamtlich tätig sind. Um für sich und ihre Familien zu sorgen, müssen sie ganz normal morgens aufstehen, um zur Arbeit zu gehen.

Es brennt wieder in Garbsen Auf der Horst. Müllcontainer, Motorroller und andere Gegenstände werden abgefackelt - genau in dem Stadtteil, in dem vor vier Jahren eine Kirche in Brand gesteckt worden war.

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Beruf und Familie leiden

Das fällt entsprechend schwer, wenn die Nacht dreimal pro Woche abrupt endet. Vor allem für ältere Helfer sei das eine Belastung. "Das geht auf Dauer an die Substanz", sagt Kreinacker. Aber nicht nur das Berufsleben, auch das Private leide auf Dauer. "Wenn Papa sich nach der Arbeit hinlegen muss, weil er die ganze Nacht wach war, können die Kinder schon mal enttäuscht sein", berichtet Kreinacker aus Erfahrung. Um ein wenig Entlastung zu schaffen, wechseln zumindest die "Nachtschichten" regelmäßig.

Löschen ist reine Routine

Das Löschen selbst der "Kleinstbrände" - so heißen die Einsätze in der Sprache der Feuerwehr - ist für die Ehrenamtlichen reine Routine. "Viel Adrenalin ist da nicht im Spiel", sagt Kreinacker. Meist sind die Flammen nach wenigen Minuten gelöscht. Trotzdem rät der Stadtbrandmeister Anwohnern dringend davon ab, selbst tätig zu werden. Gefährlich seien vor allem giftige Gase, die durch das brennende Plastik entstehen. "Wer sich nähert, riskiert eine Rauchgasvergiftung", warnt Kreinacker. Die Feuerwehrleute seien mit entsprechender Atemschutzkleidung ausgestattet.

Dass sich die Zahl der Einsätze in den vergangenen hochgeschnellt ist, bestätigt auch Ortsbrandmeister Thomas Cremer. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt der Stadtteil Auf der Horst. Cremer war zuletzt selbst nachts dort vor Ort. Aber er sagt auch: "In den ersten Monaten dieses Jahres mussten wir so selten ausrücken wie in den vergangenen Jahren nicht." Das sei unter anderem den vorbeugenden Maßnahmen der Polizei, der Stadt und der Wohnungsbaugesellschaften zu verdanken. "Es kommt viel seltener vor, dass Menschenleben gefährdet sind, weil die meisten Container mittlerweile auf einer freien Fläche und nicht mehr an Häuserwänden stehen", sagt Cremer. Wenn er einen Wunsch für seine Kameraden frei hätte, würde er denoch lauten: Viele ungestörte Nächte in Folge.

Nachgefragt bei: Garbsens Bürgermeister Christian Grahl

Die Menschen im Stadtteil Auf der Horst fühlen sich durch die jüngsten Brände verunsichert. Können Sie das verstehen?Ja, natürlich. Jeder Brand ist einer zu viel. Wir müssen die Wahrnehmung der Menschen ernst nehmen. Und wir müssen uns die Fakten ansehen. Was sagen die aus?Dass es auf der Horst in diesem Jahr bislang sieben Fälle von Sachbeschädigung durch Feuer oder durch Brandstiftung gegeben hat. Diese Taten haben sich in den vergangenen Wochen gehäuft. Das ist ärgerlich und frustrierend. Aber grundsätzlich ist die Zahl der Brandstiftungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Wir arbeiten jeden Tag daran, dass dieser Trend so weitergeht. Wie wollen Sie das erreichen?Vor allem dadurch, dass wir sogenannte Brandlasten in öffentlichen Räumen entfernen. Das heißt zum Beispiel, dass herumliegendes Gerümpel von Mitarbeitern des Betriebshofes oder Aha so schnell wie möglich entfernt wird. Außerdem haben wir bereits viele Müllcontainer einzäunen lassen. Das erschwert den Brandstiftern ihre Tat. Und wir haben in Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften Türen installiert, die sich nur von innen öffnen lassen. Die Zahl der Flurbrände ist dadurch praktisch auf Null gesunken. Das ist sehr wichtig, weil dabei Menschenleben konkret gefährdet waren. Zusammengefasst bedeutet das: Wir arbeiten intensiv an der Reduzierung der Tatgelegenheiten. Und trotzdem muss die Feuerwehr immer wieder nachts zu Bränden raus.Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber niemand kann hundertprozentig verhindern, dass Einzeltäter Müllcontainer anzünden. Natürlich ist das für die Kameraden von der Feuerwehr belastend. Ich möchte mich für die Arbeit der Ehrenamtlichen ausdrücklich bedanken.

Interview: Gerko Naumann

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Zum Schutz vor Brandstiftern sind viele Müllcontainer mit Zäunen geschützt.

Quelle: Gerko Naumann

Von Gerko Naumann

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