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Landers: Ich muss nicht ewig Kämmerer sein

Garbsen Landers: Ich muss nicht ewig Kämmerer sein

Am 10. April steht er 30 Jahre im Dienst der Stadt Garbsen: Stadtkämmerer Heinz Landers (65), wichtigster Mann hinter dem Bürgermeister. Kein anderer hat so lange das Geld zusammengehalten. Die prägende Ära endet am 30. Juni – Anlass für ein Gespräch vor dem Abschied.

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Wacher Geist, kompetenter Sachwalter und humorvoller Chef: Heinz Landers.

Quelle: Markus Holz

Garbsen. Herr Landers, Sie hätten verlängern können. Warum bleiben Sie nicht?

Ja, um elf Monate. Hab ich aber nicht gemacht. Ich wollte mit 65 Jahren und fünf Monaten gehen.

Warum?

Wollte ich immer. Das hat für mich nie in Frage gestanden. Ich muss nicht ewig Kämmerer sein. Und es tut einem Laden auch ganz gut, wenn jemand neues kommt, der die Dinge anders anfasst.

Haben Sie das Gefühl, in alten Rillen zu denken?
Kommt auf die Sicht meiner Mitarbeiter an (lacht). Jeder hat seine Marotten. Ich selber habe nicht den Eindruck. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Gefahr natürlich auch für mich besteht. Das bekommt einer Stadt nicht gut. Wenn Mitarbeiter mit einer Idee gar nicht erst zu mir kommen, weil sie wissen, darüber brauchen wir gar nicht erst mit ihm zu reden, dann ist es so weit. Außerdem wird im September ein neuer Rat gewählt. Das ist jetzt ein ganz guter Zeitpunkt zu gehen.

Haben Sie Ihren Nachfolger Walter Häfele mit ausgewählt?
Nur ganz am Rande. Man muss da vorsichtig sein. Ich werde mit ihm nicht zusammenarbeiten. Würde ich die Auswahl maßgeblich beeinflussen und der Nachfolger geht andere, neue Wege, wird es heißen: Was hat uns der Landers denn da eingebrockt. Ich habe nur einer Person einen Rat gegeben: Dem Bürgermeister. In den Fraktionen habe ich dazu nichts gesagt. Nur bei der CDU: „Ihr schafft das auch alleine, das ist Euch ja bei mir auch gelungen.“

Sagen Sie Herrn Häfele, wo hier in Garbsen die Fallstricke gespannt sind?
Nein. Er wird seine Mitarbeiter am 18. April kennenlernen. Jeder Fachbereichs- und Abteilungsleiter wird in Stichworten vortragen, was in den nächsten zwölf, 24 und 36 Monaten anliegt. Das nimmt er sich mit. Aber dass wir noch drei, vier Monate zusammenarbeiten, das gibt es in Kommunalverwaltungen nicht mehr.

Sie haben ja auch bei Null angefangen, als Sie von Prof. Bungenstab aus Hannover nach Garbsen gewechselt sind.
Ja. Und das geht auch. Ich hätte meinen Vorgänger nicht gefragt, wie ich hier irgend etwas zu machen habe. Das will ich doch selber auf die Reihe kriegen.

Sie haben unter Stadtdirektor Klaus Kurtze und den Bürgermeistern Wolfgang Galler, Alexander Heuer und Christian Grahl gearbeitet. Wer war der beste Chef?
Der beste? Jeder war ganz anders. Jeder hatte seine Eigenarten. Eines habe ich gelernt: Wenn man sich auf einen Chef nicht einstellt, geht’s daneben. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man die zweite Person ist. Ich habe hier auch Kollegen erlebt, die mit dem Kopf vor die Wand gedonnert sind.

30 Jahre zweite Reihe: Wollten Sie nie in die erste Reihe wechseln?
Doch, einmal. Als Wolfgang Galler (SPD) 1997/98 kandidiert hat. Ich musste damals um meinen Job bangen, weil die SPD meine Wiederwahl zurückstellen wollte. Das war ein Jahr vor der Bürgermeisterwahl. Damals gab es eine rot-grüne Mehrheit. Ich habe es nicht getan. Wenn ich damals Kandidat geworden wäre, hätte man mich als Kämmerer sicher nicht wiedergewählt, weil ich politischer Gegner der SPD und Gallers gewesen wäre und nicht neutraler Beamter. Da war mir der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach.

Sie hatten nie Lust, den Job zu wechseln? Ihre Kontakte sind doch hervorragend. Da wäre doch etwas gegangen.
Ich wusste immer, ich kann auch etwas anderes machen. Es gab auch Anfragen. Aber ich wollte immer das werden, was ich heute bin. Natürlich habe ich mich ab und an gefragt: Ist das noch das Richtige? Ich bin immer wieder zum gleichen Ergebnis gekommen. Es gibt eine Sache, die das ins Wanken gebracht hätte: Wenn ich zur richtigen Zeit, als meine beiden Kinder noch in der Grundschule waren, die Chance gehabt hätte, in meiner Heimatstadt Emmerich Bürgermeister zu werden. Aber das hat sich nie ergeben.

Liegt hier Hierbleiben vielleicht auch daran, dass Garbsen eine Anziehungskraft hat, die Sie nicht gehen ließ?
Ja. Garbsen hat bis heute etwas Unfertiges. Hier kann man viel gestalten, hier ist noch nicht alles geregelt und festgefügt. Und wir haben einen guten Rat.

Was heißt „guter Rat“?
Für meine Position heißt das: Ich bin mit allen Fraktionen immer gut zurechtgekommen. Ich habe meine Überzeugungen vertreten. Nicht provokativ, nicht um jemandem zu sagen, wie dumm er ist. Sondern um zu sagen: So sehe ich die Dinge. Wenn ihr das anders seht, müsst ihr anders entscheiden. Mehr habe ich nicht gemacht. Und das hat mit jedem Rat gut funktioniert.

Fahren wir virtuell durch Garbsen: Stadtbibliothek, Stadtarchiv, Feuerwehrwachen, Sportanlagen, Stadtwerke, Rathaus – Sie haben all das und viel mehr mitgestaltet. Was ist das für ein Gefühl?
Ein tolles Gefühl. Das hat mir immer Spaß gemacht. Ich habe manches Mal mit meiner Familie auf einem Rückweg nach Hause einen Haken geschlagen, weil irgendwo ein Baukran stand. Meine Arbeit hier im Rathaus ist abstrakt. Auf einer Baustelle wird sie konkret – ein tolles Gefühl, das brauchte ich.

Gründung der Stadtwerke, der Servicebetriebe und der Stadtentwässerung, die Rathausfinanzierung über Bausparverträge: Sie haben immer sehr vorausschauend gedacht. Aber 2004 wagten Sie einen Aufstand, der scheitern musste: Sie wollten, dass Garbsen aus dem Wasserverband austritt und die Wasserversorgung den Stadtwerken überträgt. Was steckte wirklich dahinter?
Wir haben darüber zwei Jahre lang sehr konstuktiv mit Neustadt verhandelt. Neustadts Stadtwerke und die Verwaltung sahen das ähnlich. Politisch ist es dann im letzten Moment gescheitert. Darum wollten wir die Klärung vor dem Verwaltungsgericht. Das ist Geschichte. Aber wir sollten auch heute noch darüber nachdenken, ob es nicht im Interesse unserer Garbsener Kunden ist, die Unterhaltung von Leitungsnetzen für Strom, Gas, Wasser und vielleicht sogar Abwasser wie auch die Buchführung und Abrechnung aus einer Hand erledigen zu lassen und damit Verwaltungs- und Technikaufwand zu verringern. Dieses Ziel wollten wir mit unseren Neustädter Freunden erreichen. Als dies so nicht mehr erreichbar war, sahen wir für Garbsen nur einen Lösungsweg: Austritt aus dem Wasserverband. Die Wasserversorgung sollte durch einen Eigenbetrieb der Stadt Garbsen geführt werden und betrieblich von den Stadtwerken gemanagt werden.

Garbsen diskutiert seit mehr als 15 Jahren über seine Bäder. Warum ist die Stadtgesellschaft bis heute zu keiner vernünftigen Lösung gekommen?

Wolfgang Galler war schon Befürworter eines Zentralbades. Wir haben damals überlegt, das Bad an der Autobahnabfahrt Gutenbergstraße zu platzieren. Das war nicht finanzierbar. Bürgermeister Heuer hat einen zweiten Vorstoß gewagt und die Firma Kristall-Bäder eingeladen. Das ist auch gescheitert. Danach haben wir uns der Modernisierung des Badeparks zugewandt, bis das Desaster am Hallenbad Planetenring offenbar wurde. Das Zinkdach war vom Chlordampf zerfressen. In der Konstruktion fehlten Stahlträger. Im Orkan Kyrill mussten wir die Hülle gegen den Winddruck abstützen, sonst wäre alles zusammengekracht. Da mussten wir dringend handeln und Millionen aufwenden. Wie marode der Badepark ist, haben wir erst in den Jahren danach erfahren, als wir umbauen wollten: Die Betonsäulen sind im Inneren zerfallen, da ist nur noch Pulver. Wir mussten also viel grundsätzlicher und größer denken. Bürgermeister Heuer hat damals eine Arbeitsgruppe eingesetzt mit allen Betroffenen. Und wenn ich das mache, weiß ich, was dabei herauskommt: Das Maximum, weil eine solche Kommission natürlich niemandem weh tun muss und alles unter einen Hut bringen will. Das wird teuer. Zusätzlich mussten wir plötzlich Abschreibungen erwirtschaften (rund 800.000 Euro), weil der Gesetzgeber das Finanzsystem umstellte. Viele ungünstige Entwicklungen. Wir laufen in Garbsen über ganz dünnes Eis und müssen aufpassen, dass wir das nicht zertreten und ertrinken. Ich sage das immer wieder. Und trotzdem laufen manche über das dünne Eis. All das zusammen zwingt uns, grundsätzlicher nachzudenken. Der Standort Europaallee ist finanzierbar und er stärkt die Stadtmitte.

Sie haben gerade den Vorsitz übernommen im StadtArchivVerein. Ist das das Signal, dass Sie ihren Ruhestand auch hier verbringen werden?
Ja. Ich werde öfter mal unterwegs sein, auch längere Zeit. Aber Garbsen ist schon meine Heimat.

Sie sind Kulturdezernent und haben alle Kulturtage miterlebt. Was ist Ihnen von diesen Festivals als Highlight in Erinnerung?
Ganz besonders die Premiere 1989: 20.000 Konzertbesucher im IGS-Sportpark bei Herbert Grönemeyer am 14. Juni. Die Kulturtage waren gestartet als Kinder- und Jugendkulturtage. Sie wurden dann immer anspruchsvoller. Ich habe mir immer gewünscht, dass wir wieder an den Anfangspunkt zurückkehren.

Unter allen Ihren Aufgaben scheinen die Feuerwehren eine besondere Rolle zu spielen...
...das sieht von außen nur so aus.

...Sie scheinen sich unter den Kameraden aber besonders wohl zu fühlen, sind bei Einsätzen, bei denen Sie gar nicht sein müssten, haben immer ein offenes Ohr...
...und hatte trotzdem nie den Wunsch, Feuerwehrmann zu werden. Als Kind bin ich aber sofort aufs Fahrrad gesprungen, wenn die Feuewehr ausgerückt ist. Ich war nicht so schnell, aber ich konnte die Spur gut verfolgen. Die Fahrzeuge haben immer Wasser aus den Tanks verloren. Ich bin als Dezernent hier zu der Aufgabe gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Ich hatte keine Ahnung. Aber ich habe die Feuerwehrleute als sehr zuverlässig schätzen gelernt.

Haben Sie in Garbsen einen Lieblingsplatz?
(überlegt lange). Da fallen mir drei, vier ein.

Welcher zuerst?
Mittellandkanal. Da tuckern Schiffe. Das höre ich gerne, wenn ich auf der Terrasse sitze. Das ist genau wie in meiner Heimat am Rhein.

Sagt Ihnen die Summe 702,91 Euro noch etwas?
Nicht wirklich.

Das war die Summe, die Barbara Holtzmeyer und ihr Sohn 2002 an die Stadt gezahlt haben, als sie aus Garbsen weggezogen sind.
Stimmt, das war originell. Das war die damalige Verschuldung der Stadt pro Kopf. Holtzmeyers haben „ihre Schulden“ bezahlt. Sie waren hinterher nur sehr traurig, dass das keine Nachahmer gefunden hat.

Sie haben lange vorher für sich entschieden, mit 65 in den Ruhestand zu gehen. Sie wirken im Gespräch aber nicht so, als ob Ihnen der Abschied leicht fallen wird. Täuscht der Eindruck?
Ich habe meine Arbeit immer gerne erledigt. Dass ich jetzt aufhöre und in einen neuen Lebensabschnitt eintrete, ist in der Tat gewöhnungsbedürftig. Aber ich bin dabei, mir neue, schöne Betätigungsfelder zu erschließen.

Herr Landers, vielen Dank für dieses Gespräch.

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Das Aufräumen beginnt: Heinz Landers macht bis zum 30. Juni Platz für Nachfolger Walter Häfele.

Quelle: Markus Holz
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