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Die Angst vor den Brandstiftern ist zurück

Garbsen Die Angst vor den Brandstiftern ist zurück

Eigentlich dachte man in Garbsen, die größten Probleme ausgestanden zu haben. Die Brandserie von 2011 bis 2013 mit der brennenden Willehadi-Kirche als traurigem Höhepunkt war vorbei. Doch jetzt häufen sich wieder die Containerbrände. Kommt jetzt alles wieder?

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Geht das wieder los? Spuren eines Brandes am Stadion des TSV Havelse.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Bei vielen Bewohnern des Garbsener Stadtteils Auf der Horst sind die schlimmen Bilder noch sehr präsent. In der Nacht zum 30. Juli 2013 brannte die Willehadi-Kirche aus. Übrig blieb damals nur eine Ruine. Es war der traurige Höhepunkt einer Serie von Brandstiftungen, die Polizei und Feuerwehr seit 2011 beschäftigt hatte.

Es brennt wieder in Garbsen Auf der Horst. Müllcontainer, Motorroller und andere Gegenstände werden abgefackelt - genau in dem Stadtteil, in dem vor vier Jahren eine Kirche in Brand gesteckt worden war.

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Die Kirche ist mittlerweile wieder aufgebaut, neulich erst wurde sie feierlich eingeweiht. Es schien ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein, auch wenn der oder die Täter nie gefasst worden sind. Aber plötzlich ist die Unsicherheit wieder spürbar.

Auslöser ist eine Serie von sieben zeitlich dicht aufeinanderfolgenden Brandstiftungen in den vergangenen Wochen - allein Auf der Horst. Im benachbarten Stadtteil Havelse brannte es in der vergangenen Woche ebenfalls. Dabei wurde unter anderem eine Bushaltestelle zerstört, der Schaden beträgt rund 20.000 Euro. Meist sind es Müllcontainer, die angezündet werden. Zuletzt war es auch mal ein Motorroller, einmal sogar „Toilettenpapier an einem Fahrzeug“, wie es später im Einsatzbericht heißt.

„Ich schrecke nachts auf“

Diese Häufung der Fälle beunruhigt die Anwohner. Eine junge Mutter, die nur wenige Hundert Meter von der Willehadi-Kirche entfernt lebt, spricht aus, was vermutlich viele fühlen: „Ich schrecke nachts bei jedem Geräusch auf und schaue aus dem Fenster, ob es irgendwo brennt.“ Ihren Kindern habe sie empfohlen, das gleiche zu tun und im Notfall sofort Feuerwehr und Polizei zu verständigen.

Auch bei zwei älteren Herren, die eine Runde mit ihren Hunden drehen, sind die jüngsten Brände Gesprächsthema. Angst haben sie nicht, betonen sie. „Das bringt nichts. Die Täter werden ja doch nicht gefasst“, sagt der eine - und der andere nickt zustimmend. Als Vorwurf an die Polizei wollen sie das nicht verstanden wissen. „Das geht alles unglaublich schnell, dann sind die Täter wieder weg.“ Was soll man schon machen?

Genau das ist „ärgerlich und frustrierend“, findet auch Garbsens Bürgermeister Christian Grahl. Er weist aber auch darauf hin, dass sich die Lage seit dem verheerenden Kirchenbrand verbessert hat. Das liege daran, dass Stadt, Polizei und Hausverwaltungen eng zusammenarbeiten, um es Tätern so schwierig wie möglich zu machen. So seien viele Müllcontainer nur noch mit Schlüsseln in Metallkäfigen zu erreichen.

Rückschlag für Grahl

Nichtsdestotrotz sind die wiederkehrenden Brandstiftungen ein Rückschlag für Grahl. Der frühere Präsident der Zentralen Polizeidirektion hatte die Befriedung des Stadtteils Auf der Horst stets in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. „Mit zielgenauer Verdichtung aller möglichen Einzelmaßnahmen und mit Konsequenz“ habe man die Lage beruhigt, sagte er im Juni 2016 der HAZ. Welche Einzelmaßnahme für welchen Einzelerfolg verantwortlich sei, sei schwer zu sagen. „Klar ist nur: Garbsen ist sicherer geworden.“

Viele Garbsener können den Brand der Willehadi-Kirche im Stadtteil Auf der Horst immer noch nicht fassen. Brandstifter hatten das Gotteshaus in der Nacht zu Dienstag angezündet.

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Erreicht hatte die Stadt diesen Erfolg auch durch die Zusammenarbeit mit der Neustädter Gruppe Jugendhilfe und deren Projekt X. Die Sozialarbeiter kümmerten sich um Jugendliche im Stadtteil, brachten viele auch in Lohn und Brot. Ein Projekt, das regionsweit Vorbildcharakter hatte.

Jetzt muss Grahl fürchten, dass all diese Erfolge wieder verblassen könnten. Immerhin, sagt er heute, zündeten die Täter jetzt keine Gegenstände in Treppenhäusern mehr an - was weitaus gefährlicher ist als Containerbrände. „Das ist sehr wichtig, weil dabei Menschenleben konkret gefährdet waren.“ Dennoch: „Niemand kann hundertprozentig verhindern, dass Einzeltäter Müllcontainer anzünden“, sagt der Bürgermeister.

Belastung für die Feuerwehr

Ulrich Knappe, der Leiter der Polizeiinspektion Garbsen, nimmt die Vorfälle sehr ernst: „Wir ermitteln in der Sache, wir sind verstärkt mit Streifenwagen präsent, und wir sind auch nachts da, wenn alle Bürgersteige bereits hochgeklappt sind - nur, dass man uns dann naturgemäß nicht sieht.“ Man stehe zudem auch in engem Kontakt mit der Stadtverwaltung und der Feuerwehr. Die Behörde hat sich darüber hinaus entschlossen, jeden Vorfall in den betroffenen Stadtteilen zu melden. „Wir halten mit nichts hinter dem Berg, sondern handeln nach dem Motto: Wehret den Anfängen“, sagt Knappe.

Belastend ist die neue Brandserie auch für die Garbsener Feuerwehr. „Es nervt“, sagt Stadtbrandmeister Ulf Kreinacker. Die zahlreichen Einsätze zehrten an den Nerven der durchweg ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Vor allem für ältere Helfer sei das eine Belastung. „Das geht auf die Dauer an die Substanz.“

In der Nacht zum Donnerstag brennen drei Gartenlauben

In der Nacht zu Donnerstag sind am Jupiterhof im Stadtteil Auf der Horst zwei Gartenlauben abgebrannt. Eine weitere wurde durch das Feuer beschädigt. Den Feuerwehrleuten unter Atemschutz gelang es, eine weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Von Gerko Naumann 
und Tobias Morchner

Vor vier Jahren brannte die Willehadi-Kirche

 In der Nacht zum 30. Juli 2013 legten Unbekannte Feuer an der evangelischen Willehadi-Kirche im Garbsener Stadtteil Auf der Horst. Obwohl die Feuerwehr schnell zur Stelle war, konnten die Einsatzkräfte nichts mehr ausrichten. Die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Die Tat war der traurige Höhepunkt einer Serie von bis dahin 31 Brandstiftungen in dem betroffenen Stadtteil im Jahr 2013. Regelmäßig gingen damals Müllcontainer in Flammen auf. Es wurden aber auch Brände in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern gelegt. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden. Der oder die Täter nahmen aber in einigen Fällen in Kauf, dass Bewohner des Stadtteils hätten verletzt werden können. Nach dem Kirchenbrand setzte die Stadt eine fünfstellige Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Ende Februar 2017 wurde die wiederaufgebaute Willehadi-Kirche geweiht. 400 Menschen kamen zum ersten Gottesdienst.

tm

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