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In der Küche geht's zur Sache

Garbsen/Berenbostel In der Küche geht's zur Sache

In der Jugendwerkstatt sind zurzeit 28 Jugendliche auf der Suche nach einer Existenz und einer beruflichen Zukunft. Für sie gilt das böse Wort von den multiplen Vermittlungshemmnissen. Heißt: Sie sind auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar, aus vielerlei Gründen.

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Tatyana Doroshenko schneidet in der Küche der Jugendwerkstatt geduldig Kartoffeln.

Quelle: Bernd Riedel

Berenbostel. Das heißt nicht, dass sie dumm wären oder unwillig. Sie sind nur in ihrem bisherigen Lebensweg systematisch demotiviert worden. Was die Gesellschaft als Ganzes nicht vermitteln konnte, das vermitteln die Mitarbeiter der Jugendwerkstatt. Manche haben Drogenprobleme hinter sich, vielen fehlt das Verständnis für einen geregelten Tagesablauf, Gewalterfahrungen in der Familie sind oft Thema, Frustrationen in der Schule, am Ende steht oft die Wohnungslosigkeit. Schulpflichterfüller sind es zurzeit nur zwei: „Das Problem scheint derzeit nicht so groß zu sein“, sagt Geschäftsführerin Ute Schneedhorst.

Haupthemmnis aber bleibt das Fehlen eines Schulabschlusses. „Das ist bei Bewerbungen das K.-o.-Kriterium und bedeutet: keine Chance“, sagt Schneedhorst. Wenn die Jugendlichen so weit sind, gehen sie in Praktika. Hilfreiche Nachbarn sind nicht weit weg im Gewerbegebiet an der Carl-Zeiss-Straße. Es lohnt sich, ab und zu anzuklopfen und nach Praktikumsplätze zu fragen. „Das funktioniert auch“, sagt Schneedhorst, „wir haben mit den Betrieben schon oft zusammengearbeitet.“

In der Küche arbeitet mehr als die Hälfte der Gruppe der 17- bis 27-Jährigen: 15. Manche von ihnen absolvieren parallel ein Praktikum in einem anderen Betrieb. Die Jugendlichen lernen in der Küche nicht nur die Zubereitung von Speisen aller Art: Sie müssen das gesamte Catering organisieren, die Essenspläne erstellen, Kosten kalkulieren, Kundengespräche führen, Rechnungen aufsetzen und Abrechnungen erstellen. Die anderen Jugendlichen verteilen sich auf die Werkstatt, die Garten- und Landschaftsgestaltung und andere berufliche Bereiche.

„Manchmal ist es schwierig, sie alle herzubekommen“, sagt Küchenchef Rüdiger Linde, „aber wenn sie da sind, arbeiten sie hart.“ Die Aufträge für die Küche sind breit gefächert: Catering für alle Kirchengemeinden, die Stadt und weitere Auftraggeber, Mittagstische zu je rund 50 Portionen täglich für die Kirchengemeinden Willehadi und Maria Regina. Mittwochs gibt es im Sozialen Kaufhaus Kaffee und Kuchen, freitags ab 10 Uhr im Bürgerpark Berenbostel Frühstück, dienstags und donnerstags betreiben sie im Auftrag der Stadt seit vergangenem August ein Café in der Begegnungsstätte am Hérouville-St.-Clair-Platz.

Frühere Betriebe hatten dort keine Wirtschaftlichkeit erlangen können. Da die Finanzierung der Jugendwerkstatt aus anderen Quellen zumindest bis zum 31. März 2018 gesichert ist, müssen solche Wirtschaftlichkeitsrechnungen nicht gemacht werden: „Der Erfolg misst sich daran, dass wir unsere Jugendlichen in einen Beruf oder eine Ausbildung oder auch in die Schule vermitteln können“, sagt Schneedhorst. „Hundertprozentige Fluktuation, das ist unser erklärtes Ziel.“

Die evangelische Jugendwerkstatt wird von den evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde in Garbsen sowie dem Stadtkirchenverband Hannover getragen. Die Jugendlichen werden vom Jobcenter vermittelt, das auch den Löwenanteil der Kosten trägt. Weitere Geldgeber sind die Europäische Union, das Land, das Landeskirchenamt und die Stadt Garbsen, hinzu kommen Stiftungen und Spenden sowie die Einnahmen aus dem Catering. Seit mittlerweile 30 Jahren hangelt sich die Jugendwerkstatt von einer befristeten Finanzierung zur nächsten. Nächster Stichtag ist der 31. März 2018.

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Geschäftsführerin Ute Schneedhorst zeigt die Werkstatt.

Quelle: Bernd Riedel
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