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Kosmische Ereignisse im Ratssaal

Garbsen Kosmische Ereignisse im Ratssaal

"Einfach nur begeistert" sei er, sagte Bürgermeister Christian Grahl am Donnerstagabend nach dem Vortrag von Prof. Karsten Danzmann über die Entdeckung der Gravitationswellen, und die rund 250 Zuhörer, die im Ratssaal auch die Stehplätze besetzt hatten, applaudierten zustimmend.

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Prof. Karsten Danzmann spricht vor 250 Zuhörern im Ratssaal anschaulich und witzig über die Entdeckung der Gravitationswellen.

Quelle: Bernd Riedel

Garbsen-Mitte. Man kann es auch mit einigen Zahlen auszudrücken versuchen: Danzmann, der bei einem Stadtgespräch Extra des Freundeskreises sprach, wohnt seit 25 Jahren in Garbsen. Mit 25 Jahren erhielt er seinen Doktortitel - was in der experimentellen Physik extrem jung ist. Bei einer "kleinen Supernova" liege die angenommene Abweichung der Raumzeit bei 10 hoch minus 21, und sie dauere nur einige Millisekunden lang, sagte Danzmann. Das Geo600-Laser-Interferometer, das in Hannover entwickelt wurde und zur Entdeckung der Gravitationswellen führte, misst Abweichungen der Raumzeit auf ein Zehntausendstel eines Protons genau. 1004 Autoren hatte die wissenschaftliche Veröffentlichung, mehr als 200 davon aus Hannover, und mindestens einen aus Garbsen.

Leicht verständlich, witzig und anschaulich trug Danzmann vor. Gerade dadurch wurde den rund 250 Zuhörern auf Sitz -und Stehplätzen die Bedeutsamkeit des Momentes vielleicht klar: Ein Garbsener hat Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Er selbst hört es nicht gern, aber seine hannoverschen Berufskollegen sind sich darin einig, dass er den Nobelpreis verdient habe.

Der Moment, als Danzmann das aufgefangene Signal abspielte, wurde ein kurioser: Es klang wie ein kurzes Rauschen oder Donnern, das anstieg und verlöschte. "Ein herrliches Geräusch", sagte Danzmann, und die Zuhörer sahen etwas verwirrt drein. Nicht, weil sie die Begeisterung Danzmanns nicht hätten verstehen können, sondern weil es keinen adäquaten Ausdruck gab für die plötzliche  Nähe eines 1,3 Milliarden Jahre zurückliegenden kosmischen Ereignisses, bei dem 29 und 36 Sonnenmassen miteinander zu einem großen Schwarzen Loch verschmolzen und dabei drei Sonnenmassen als Gravitationswellen abgestrahlt wurden. Wie soll man da reagieren, ohne sich extrem winzig vorzukommen? Der lang anhaltende Applaus nach dem Vortrag verriet jedoch, dass das Publikum ebenso ergriffen war.

Danzmann lobte und verteidigte Grundlagenforschung, Forschung, die zunächst keinen unmittelbaren Nutzen zu haben scheint. Sie brauche eine stabile und verlässliche Finanzierung über Jahrzehnte. Gäbe es sie nicht, sagte Danzmann, hätten wir heute die besten Öllampen, die man sich vorstellen könne – aber es wären eben nur Öllampen und keine LED-Leuchten.

Einige der Professoren, die auf dem Podium saßen, sind ebenfalls Garbsener. Und im Publikum saßen eine Reihe von Maschinenbauern, die demnächst, wenn der Campus betriebsbereit ist, ihren Arbeitsplatz in Garbsen haben werden. Garbsen sei integraler Bestandteil des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Hannover, sagte Grahl, niemand könne daran mehr zweifeln. Falls das Dax-Unternehmen Continental sich entscheide, die Hauptverwaltung in Garbsen-Mitte zu bauen, dann votiere es nicht gegen eine andere Stadt, sondern für den Standort Hannover.

Danzmann trug sich anschließend ins goldene Buch der Stadt ein.

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Eine Grafik, die auf den exakt gemessenen Daten basiert: Zwei riesige Schwarze Köcher umkreisen einander, verschmelzen miteinander und erzeugen dabei Gravitationswellen.

Quelle: Archiv (Michael Hanschke)
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