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Der Mars-Point ist unentbehrlich

Garbsen/Auf der Horst Der Mars-Point ist unentbehrlich

Es gibt auch ruhige Zeiten im Mars-Point, Tage an denen kein Kind erscheint. Das sind die Urlaubs-, Krankheits- und Fortbildungszeiten von Sozialpädagogin Antje Stiller, die den Kinder- und Jugendtreff von St. Raphael seit Oktober 2000 fast allein am Laufen hält.

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Sozialpädagogin Antje Stiller leitet den Mars-Point seit der Gründung 2003.

Quelle: Bernd Riedel

Auf der Horst. Im Mars-Point geht es nicht nur ums Spielen und um Gemeinschaft. Die Klientel ist ein Abbild der Gesellschaft - der gesamten deutschen und der besonderen im Stadtteil Auf der Horst. Sie kommen aus der Türkei, dem Irak, Kasachstan, Polen, Rumänien, Russland, Afghanistan, Albanien und nun auch aus Syrien. Deutschstämmige Einheimische "gehören vornehmlich zu den sozial schwächeren Schichten der Gesellschaft und Einkommensgruppen", heißt es im Jahresbericht 2014/15. Es kommen auch viele ehemalige "Sperberhorst"-Jugendliche  in den Treff - und haben sich eingefügt.

Konflikte sind bei einem solchen Gemisch zu erwarten, und sie sind händelbar, sagt Stiller. "Man muss ihnen Möglichkeiten geben, sich aus dem Weg zu gehen." Die Gruppen, die miteinander keinen Raum teilen wollen, gehen nach der Devise vor: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das funktioniert. Integration habe ihre Grenzen: Russische Jugendliche besuchen keinesfalls gleichzeitig Einrichtungen, in denen türkische Jugendliche Gäste sind und umgekehrt. 

Jugendliche, das ist Stillers Erfahrung, wenden sich, auf der Suche nach Identität, den Sitten und Gebräuchen ihrer Herkunftsländer stärker zu - das muss man ernst nehmen. Man darf nicht versuchen, es ihnen auszureden, im Gegenteil: "Es ist wichtig, ihnen einen Ort zu bieten, an dem sie diese Identität leben können, ohne anzuecken", sagt Stiller.

Es begann mit Jugendlichen aus Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten Anfang der neunziger Jahre. Alle Kommunen meldeten Probleme mit auffälligen Russischstämmigen, die sich trafen und Alkohol konsumierten - wie in ihren Herkunftsländern. Kirchengemeinden und die Stadt waren sich schnell einig, dass nur ein speziell darauf zugeschnittenes Angebot helfen könnte. So kam es zur Bildung des Kinder- und Jugendtreffs im Keller von St. Raphael. Schon früh gab es kleine Konflikte mit den anderen Nutzern des Gebäudes, sodass 2002 der Plan, dem Treff eigene Räume zu finanzieren, in die Tat umgesetzt werden konnte. So kam es zu dem Um- und Anbau, dessen Haupteingang am Marshof liegt und der deshalb seit 2003 Mars-Point heißt.

Bis zu 100 Kinder kommen in der Woche, inzwischen getrennt nach Altersgruppen. Sie alle kennen Antje Stiller und behandeln sie mit Respekt. Das Angebot ist vielfältig und gewiss nicht oberflächlich: Spiele sind natürlich dabei, fröhliche Veranstaltungen wie Kinderdisco und Kochen und  Backen auch, Kreativangebote, aber vor allem: Hilfe bei Schwierigkeiten in der Schule, bei Bewerbungen, in der Familie. In den vergangenen Monaten habe es viele Einzeltermine gegeben, sagt Stiller, denn Unternehmen verlangen von den Bewerben immer öfter Online-Tests. Auch Mobbing unter Schülern ist ein häufiges Thema: "Das ist weit verbreitet, die Auswirkungen reichen über den Unterricht hinaus", sagt Stiller.

Kooperation mit den Schulen wird groß geschrieben. In Zusammenarbeit mit der Saturnringschule und ehrenamtlichen Kräften wird Deutsch-Förderunterricht gegeben. Dies ist das einzige Angebot, das weiter läuft, wenn Stiller im Urlaub oder krank ist oder eine Fortbildung besucht. Wenn sie nicht da ist, dann wird es still im Mars-Point. Es gibt keine Vertretungskraft.

Die Arbeit im Mars-Point ist Teil des Gesamtkonzepts zur Garbsener Jugendarbeit. Das Angebot ist vermutlich einzigartig im gesamten Bistum Hildesheim. Stillers Stelle wird zu zwei Dritteln von der Stadt finanziert - sie zahlt einen  festen Zuschuss von 40.000 Euro pro Jahr - und zu einem Drittel vom Bistum Hildesheim. Die Gemeinde St. Raphael trägt unter anderem die Sachkosten von etwa 680 Euro im Jahr. Darüber hinaus ist der Mars-Point auf Spenden und Fördermittel für besondere Projekte angewiesen.

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