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Evakuierung in Havelse nach Plan

Bombenfund bei Johnson Controls Evakuierung in Havelse nach Plan

Die Evakuierung von rund 150 Havelsern hat nach Einschätzung von Feuerwehr und DRK reibungslos funktioniert. Auf dem Gelände von Johnson Controls war am späten Mittwochnachmittag eine Fliegerbombe gefunden worden. Anlieger mussten in Sicherheit gebracht werden.

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Die Aula am Schulzentrum Garbsen als Notquartier: 32 DRK-Helfer sorgen für Registrierung, Verpflegung und Unterkunft für rund 300 Evakuierte und Einsatzkräfte. Feuerwehr und Polizei sind für die Räumung der Häuser in Havelse zuständig.

Quelle: Uwe Dillenberg

Havelse/Auf der Horst. Rund 150 Bewohner in Havelse mussten wegen des Blindgängerfundes bei Johnson Controls am Mittwochabend ihre Wohnungen verlassen. Für sie richtete die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK Garbsen/Neustadt die Aula am Schulzentrum Planetenring als Notquartier ein. Noch in der Nacht wurde der Blindgänger entschärft.

Betroffen waren Häuser an den Straßen Am Hohen Holz, Ricklinger, Memeler, Wismarer, Elbinger, Chemnitzer und Schweriner Straße. "Wir wurden gegen 21 Uhr alarmiert", sagt Ortsbrandmeister Thomas Cremer. In der Havelser Wache mussten erst der Evakuierungsradius und die Vorgehensweise festgelegt werden. Die Evakuierung begann kurz nach 22 Uhr und war kurz vor Mitternacht beendet.

Die etwa 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr gingen von Haus zu Haus und klingelten die Bewohner heraus. "Wir haben uns für diese persönliche Ansprache entschieden, um Unruhe und Panik zu vermeiden", sagt Cremer. Zwei zusätzliche Fahrzeuge wurden aus Meyenfeld und Horst angefordert. "Wer nicht allein gehen oder fahren konnte, den haben wir oder das DRK in die Aula gebracht und später auch wieder nach Hause gefahren", sagt Cremer – das waren aber wenige Fälle. In zwei Wohnungen weigerten sich die überraschten Bewohner anfangs, dem Aufruf Folge zu leisten. „Da hat sich dann die Polizei eingeschaltet", sagt Cremer.

Es sei der erste derartige Einsatz gewesen, seit in den neunziger Jahren auf Havelser Gelände ein Blindgänger gefunden worden war, sagt Cremer. "Es hat alles sehr gut funktioniert, es lief glatt und unaufgeregt. Wir haben unseren Bereich eigenständig organisiert und brauchten keine Hilfe aus Hannover", sagt Cremer. Thomas Och, Chef der SEG, lobte die Evakuierten ausdrücklich. "Alle entspannt, alle sehr genügsam, alles ohne Probleme." Ochs ehrenamtliche Truppe aus Garbsen und Neustadt baut solche Notquartiere drei bis vier Mal im Jahr auf, manchmal auch für 2000 Menschen wie 2014 beim Elbhochwasser in Magdeburg.

Bei Bauarbeiten auf dem Gelände von Johnson Controls in Marienwerder ist am frühen Mittwochabend eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden.

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Mittwochnacht hatte er 32 Mitglieder zur Verfügung. Um 21 Uhr wurde seine Einheit alarmiert, 45 Minuten später war das Quartier für 150 Anlieger und 150 Einsatzkräfte fertig. "Das ging so schnell, weil wir alles am Planetenring eingelagert haben - Betten, Decken, Getränke und Essen", sagt Och. Die eine Hälfte seiner Mannschaft belud den LKW mit Betten. Die andere Hälfte kochte Suppe, packte Verpflegung in der DRK-Küche und plünderte kurz vor Kassenschluss die Backwarenregale bei Real. Brötchen in allen Formen, frisch, tiefgefroren, Teiglinge - egal. "Und Hausmeister Michael Klug in der Aula war große Klasse, wir hatten jede Unterstützung, die wir brauchten", sagt Och. Dafür hatten auch Bürgermeister Christian Grahl und Stadtrat Walter Häfele gesorgt, die frühzeitig in den Einsatzplan einbezogen worden waren und sich in der Aula unter die Evakuierten mischten. Gegen 2 Uhr waren die letzten Havelser wieder in ihren Wohnungen, Feuerwehr und DRK konnten sich zurückziehen. Die DRKler lösten ihre Abschlussbesprechung müde, aber zufrieden um 3 Uhr auf.

Der Blindgänger lag im Westen des Werksgeländes zwischen den Stadtbahnhaltepunkten Wissenschaftspark und Pascalstraße. Entdeckt worden war er bei Fundamentarbeiten auf dem Gelände von Johnson Controls. Kurz nach dem Fund entschied der Einsatzstab, die Bombe noch in der Nacht zu entschärfen. Dafür musste der Bereich rund um das Gelände evakuiert werden, in dessen Nähe unter anderem die Bundesstraße 6 und das Laser-Zentrum Hannover liegen. Aufgrund der Lage in einem Industriegebiet waren vergleichsweise wenige Haushalte betroffen. Die Nachtschicht in der Hanomag-Lohnhärterei musste kurz die Arbeit niederlegen. 35 Mann kamen in die Aula.

Die Entschärfung verlief dann doch schneller als gedacht. Sie galt wegen der Beschädigungen an der Bombe als schwierig. Für eine mögliche Sprengung hatte die Feuerwehr sogar vorsorglich einen Platz in einem kleinen Waldstück auf dem westlichen Teil des Werksgeländes von Johnson Controls vorbereitet. Direkt am Fundort war eine Sprengung nicht möglich, weil in unmittelbarer Nähe Gas- und Fernwärmeleitungen verlaufen.

Das Werk von Johnson Controls wurde in den Abendstunden komplett geräumt. Dort arbeiten für gewöhnlich während der Nachtschicht mehrere Hundert Mitarbeiter. Zum Zeitpunkt der Alarmierung waren noch 225 von ihnen vor Ort. "Bis auf einige wenige werden diese zum Schichtwechsel um 22 Uhr das Werk verlassen", sagte Unternehmenssprecher Christian Riedel. Die letzten Mitarbeiter verließen das Werk erst kurz vor der eigentlichen Entschärfung, da nicht alle Maschinen komplett abgestellt werden sollten.

Von Bernd Riedel und Markus Holz

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