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Flüchtlingsunterkunft ungeeignet für Familien?

Garbsen Flüchtlingsunterkunft ungeeignet für Familien?

Die Lebensumstände von Familien in der Notunterkunft an der Carl-Zeiss-Straße sind nicht zumutbar, sagt Flüchtlingshelfer Kamil Yerlikaya. Dieser Meinung sind auch die beiden islamischen Gemeinden in Garbsen. Sie bitten die Stadt in Briefen, Abhilfe zu schaffen.

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Mirvat Alshanawane (rechts) und ihre Kinder Tarek (16, von links), Rama (19) und Yamen (8) fühlen sich nicht wohl in der Notunterkunft an der Carl-Zeiss-Straße.

Quelle: Susanne Harmening

Garbsen. Die Lebensumstände von Familien in der Notunterkunft an der Carl-Zeiss-Straße sind nicht zumutbar, sagt Flüchtlingshelfer Kamil Yerlikaya. Dieser Meinung sind auch die beiden islamischen Gemeinden in Garbsen. Sie bitten die Stadt in Briefen, Abhilfe zu schaffen.

Von Susanne Harmening

Garbsen. Mirvat Alshanawane schläft kaum noch. Seit dem 17. Dezember lebt die Syrerin mit ihren drei Kindern in der Notunterkunft an der Carl-Zeiss-Straße. Sie wohnen mit einem Ehepaar und deren zwei Kindern in der großen Halle in einem kleinen, mit 2,50 Meter hohen Holzwänden abgeteilten Raum. Eine Tür haben sie nicht. Bis in die Nacht sei es sehr laut, viele Männer würden rauchen und Karten spielen. Die 38-Jährige fürchtet, dass sie oder ihre 19-jährige Tochter Rama von alleinstehenden Männern belästigt werden könnten. In Syrien führten Alshanawane und ihre Familie ein ganz normales Leben. Dann wurde ihr Mann getötet, ihr Sohn festgenommen, sie floh nach Deutschland. „Wir suchen hier doch nur Frieden und Ruhe.“

Kamil Yerlikaya, Mitglied im Integrationsbeirat und als Spartenleiter Fitness der TG Schloß Ricklingen sehr engagiert in der Flüchtlingshilfe, hält die Zustände in der Unterkunft für Familien für nicht zumutbar. „Sie müssen dringend woanders untergebracht werden“, ist seine Meinung. Yerlikaya unterstützt den Ditib-Moscheeverein an der Bachstraße und die Islamische Union Garbsen an der Sandstraße in ihrer Flüchtlingsarbeit. Die beiden islamischen Gemeinden teilen seine Einschätzung und haben Briefe an die Stadt Garbsen geschickt, in denen sie die Form der Unterbringung in der Notunterkunft kritisieren. „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, könnten wir viele Probleme in kürzester Zeit aus dem Weg räumen“, schreibt Ditib und bezieht dabei das DRK, das die Unterkunft betreibt, mit ein. Der erste Schritt scheint schon gelungen. „Wir haben für zwei Familien eine Wohnung in Aussicht“, sagt Yerlikaya. „Wenn alles klappt, können sie im Februar umziehen.“

Dennoch ist er der Meinung, dass sich die Situation in der Notunterkunft verbessern muss: „Die hygienischen Zustände sind nicht gut, die Menschen haben keine Intimsphäre.“

Die Politik dabei einzubinden ist ihm wichtig. Vergangene Woche hat er mit dem Ratsfraktionsvorsitzenden der Grünen, Darius Pilarski, die Unterkunft an der Carl-Zeiss-Straße besucht. Pilarski hält die Lebensumstände dort zwar für beengt, aber nicht für menschenunwürdig. „Es ist eine provisorische Notlösung. Aber es gibt zurzeit einfach keine Alternative.“

"Zurzeit ohne Alternative"

Einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Garbsener Rat, Darius Pilarski, hat die Unterkunft zusammen mit Kamil Yerlikaya besucht und bewertet die Situation etwas anders.

Wie schätzen Sie die Situation an der Carl-Zeiss-Straße ein?

Es ist eine provisorische Notlösung. Es ist beengt. Die Menschen haben kaum Privatsphäre, wenn sie zu acht in den Zimmern untergebracht sind. Meiner Meinung nach sind das aber keine Missstände und keine menschenunwürdige Unterbringung. Schließlich handelt es sich um eine zeitlich befristete Wohnsituation.

Wie können die Umstände für Familien verbessert werden?

Mein volles Vertrauen gilt der Stadtverwaltung und dem DRK als Betreiber dieser Einrichtung – beide leisten sehr gute Arbeit. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Einrichtung erst seit zwei Wochen in Betrieb ist. Die Familien sind derzeit sicher und versorgt.

Was ist mit einer Unterbringung in Wohnungen?

Die Stadt sucht dringend Wohnungen. Aber die sind zurzeit nicht verfügbar. Alternative Unterkünfte sind frühestens im März bezugsfertig. Bis dahin sehe ich keine andere Möglichkeit, als Notunterkünfte wie diese oder das Quartier am Hespe.

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