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Kindersärge finden Platz im Museum

Altgarbsen Kindersärge finden Platz im Museum

Das Heimatmuseum in Altgarbsen hat neue Ausstellungsstücke: zwei schmuckvolle Kindersarghüllen aus dem 18. Jahrhundert. Die Exponate haben eine bewegte Geschichte hinter sich - die ihren Anfang (und auch fast ihr Ende) in Schloß Ricklingen nahm.

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Ursula Wiebe vom Kirchenvorstand Schloß Ricklingen und Hans-Dieter Stölting vom Heimatverein Altgarbsen richten die Informationstafel zu den Kindersärgen aus.

Quelle: Bettina Francke

Garbsen. Die beiden wertvollen Sarghüllen waren ursprünglich für die beiden jung verstorbenen Enkel des Schloß Ricklinger Kirchenstifters und Patrons Johann Georg Voigt angefertigt worden. Der hatte verfügt, dass seine Nachkommen im Turmraum ihre letzte Ruhe finden. So fanden sich dort im Laufe der Jahrhunderte insgesamt 28 Särge und zwei Urnen zusammen - nur Familienangehörige hatten Zutritt zu diesem Mausoleum innerhalb der Barockkirche.

In den sechziger Jahren roch es dann plötzlich unangenehm aus der Tür. „Zeitzeugen berichten, dass sie ihren Kinder gesagt haben: ,Da geht ihr nicht mehr hinein’“, berichtet Kirchenvorstandsmitglied Ursula Wiebe, die sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte des Gotteshauses und der Gemeinde auseinandersetzt. Bis sich die Voigt’schen Nachfahren und die Landeskirche auf eine Lösung des Problems einigten, verstrichen zehn Jahre - doch dann ging es schnell: „In einer Nacht- und Nebelaktion wurde der Turmraum 1971 geöffnet, die hölzernen Innensärge aus den Schmuckhüllen genommen und in der Dunkelheit auf dem Friedhof bestattet“, erzählt Wiebe.

Die Aktion sei im Dorf weitestgehend unbemerkt geblieben: „Wen ich auch frage, keiner hat damals etwas davon mitgekriegt.“ Doch der Grund für den üblen Geruch wurde damals gefunden: Der Holzwurm hatte in den Särgen gewütet und damit Sauerstoff an die mumifizierten Leichen gebracht. So war der Verwesungsprozess wieder in Gang gesetzt worden. 18 Sarghüllen überstanden die Aktion unbeschadet, sie wurden auf den Kirchenboden und in den Schuppen im Pfarrgarten gebracht. Als der Schuppen Anfang der achtziger Jahre jedoch unerwartet in sich zusammenbrach und dabei weitere Särge zu Bruch gingen, wurde der Rest innerhalb der Landeskirche und auf Museen der Umgebung verteilt. Die beiden Särge der Voigt-Enkel landeten im Heimatmuseum in Neustadt. Beim Aufräumen des Archivs entdeckten Ehrenamtliche sie neulich wieder - und gaben sie dem Heimatmuseum in Garbsen. Dort sind sie jetzt Teil der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte.

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