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Feier für eine schwierige Freundschaft

Garbsen Feier für eine schwierige Freundschaft

Festakt, Geschenke, Konzert: Garbsen ist an diesem Wochenende Gastgeberin für seine Städtepartner Hérouville Saint-Clair (50 Jahre), Bassetlaw (40), Farmers Branch (27) und Schönebeck (27). Im Mittelpunkt stehen die schwierigen Beziehungen zu Hérouville. Der Freundschaft fehlt die private Basis.

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50 Jahre Städtepartnerschaft Hérouville St.-Clair und Garbsen: Mit Rodolphe Thomas und Christian Grahl könnte die Beziehung neuen Schwung bekommen. Die Bürgermeister verbindet eine persönliche Freundschaft.

Quelle: Markus Holz

Garbsen. Der Wunsch der französischen Gäste war symptomatisch: Als die Delegation am Freitag anreist, packt sie ihre Koffer im Hotel aus. Die Gäste aus Farmers Branch (Texas), Schönebeck und Bassetlaw (England) leben an diesem Wochenende bei Gastfamilien, so wie es umgekehrt auch immer ist, wenn Garbsener zu den Freunden reisen. Die 50-jährigen Beziehungen Garbsens in die Stadt Hérouville Saint-Clair sind schwierig geworden. Es ist seit Beginn der Neunzigerjahre mehr ein Kontakt offizieller Ebenen denn der Menschen beider Städte. Im Saal bei der Begrüßung am Freitag und beim Festakt am Sonnabend sitzt nicht ein Garbsener ohne Amt, Aufgabe oder Mandat.

Unabhängig von den Schwierigkeiten: Die Zeit der Begegnung, die Begrüßung der Gäste im Rathaus am Freitag und der Festakt am Sonnabend waren intensiv und herzlich. Und unabhängig von den Hürden hat die Freundschaft eine Geschichte: 110 Austausche auf schulischer Ebene, 40 Sprach- und 15 kulturelle Austausche, 20 private Jugendbegegnungen, 50 offizielle Treffen der Stadtvertreter, zehn Treffen für Agnam. Hérouvilles Bürgermeister Rodolphe Thomas und Amtskollege Christian Grahl schworen auf die gemeinsamen europäischen Werte und ein geeintes Europa der Menschen im Sionne Adenauers und de Gaulles. Kanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron setzten das fort, was Adenauer und de Gaulle 1963 begonnen haben. Die wichtigste Verbindung in Europa sei die deutsch-französische, die Städte lebten das in ihrer Partnerschaft, betonten Grahl und Thomas. Ein Kind dieser Beziehung sei die gemeinsame Entwicklungshilfe im senegalesischen Agnam (s.unten), ganz im Sinne der Merkelschen Afrikaerklärung.

Die Jugend ist der Schlüssel

"Die Jugend ist der Schlüssel zur gemeinsamen Zukunft", sagte Grahl. Darum werden Herouville und Garbsen im September zwei junge Menschen für ein freiwilliges soziales Jahr austauschen. Und darum versucht Garbsens Verein Träumer, Tänzer und Artisten wieder ein Pendant in Herouville zu finden. Der erste Kontakt ist an diesem Wochenende geknüpft worden.

Dieter Roggenkamp und Katja Burmann versuchen, die aktuellen Hürden in der Städtepartnerschaft zu erklären. Roggenkamp ist Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins, Burmann leitet in diesem Verein die Arbeitsgruppe Hérouville. "Das war nicht immer so offiziell", sagt Roggenkamp. Er hatte als IGS-Leiter die schulischen Beziehungen zu Herouville aufgebaut, die bis heute aktiv gepflegt werden. Der IGS-Zirkus Bumm Balloni stand im Austausch mit seinem Pendant in Hérouville, aber beide Zirkus-AGs gibt es nicht mehr. "Es war früher ganz selbstverständlich, dass auf beiden Seiten Gastfamilien Besucher aufgenommen haben. Zum 20-jährigen Bestehen kamen 100 Leute aus Hérouville, die wurden alle privat untergebracht", sagt Roggenkamp.

Es sei immer davon abhängig gewesen, wie sehr die Partnerschaft von offizieller Seite unterstützt wurde. "Das macht dort ganz zentralistisch die Stadtverwaltung; in Hérouville gibt es keinen bürgerschaftlichen Partnerschaftsverein", sagt Roggenkamp. Er beobachtet ab 1989 einen Knick in dieser Unterstützung. "Rodolphe Thomas und Christian Grahl scheinen aber neue Impulse geben zu können. Sie verstehen sich sehr gut und wollen etwas bewegen", sagt Roggenkamp, "es ist wichtig, dass wieder private Kontakte entstehen; das erleben wir in allen anderen Partnerschaften."

Eine Hürde ist die Sprache

Katja Burmann sieht die Hürde in der Sprache. "Englisch ist bei uns weit verbreitet, Französisch nicht so. Und auf der Gegenseite ist es eine Mentalitätsfrage: Franzosen wollen in allem perfekt sein. Darum versuchen sie gar nicht erst, deutsch zu sprechen", sagt Burmann. Trotz der 245  Austausche seien kaum tragfähige private Kontakte entstanden. "Ich habe das Gefühl, dass die Freundschaft mit diesen beiden Bürgermeistern neue Fahrt aufnimmt. Das war Liebe auf den ersten Blick, als die beiden sich in Herouville kennengelernt haben." Was müsste sich ändern? "Wir können nur die Begeisterung für die beiden Städte, wie sie hier zum Ausdruck kommt, in die Vereine tragen und ihnen Lust machen auf eine Partnersuche. Es bleibt das Sprachproblem, daran können die Kommunen nichts ändern - höchstens die Schulen."

Gewürdigt haben Gastgeber und Gäste an diesem Wochenende auch die 40-jährigen Beziehungen zum englischen Distrikt Bassetlaw. Dort führen alle Fäden bei der bürgerschaftlichen Bassetlaw Twinning Association (BTA) zusammen. Eric Lane vom BTA war denn auch der einzige Nicht-Bürgermeister unter den Offiziellen. Die Distriktverwaltung hat sich aus der Partnerschaft weitgehend zurückgezogen. Kontakt zwischen Schulen gibt es Vorbehalten in der britischen Kultuspolitik auch nicht mehr, aber vielfältige private Kontakte, unter anderem  über den GSC. Die Beziehung zum Schwimmverein Worksop Dolphins scheint dagegen eingeschlafen zu sein. Bassetlaw, Farmers Branch und Garbsen bilden das anglophile Dreieck im Geflecht der Beziehungen.

Neue Impulse für Agnam

Der Verein Wasser für Agnam startet ein neues Entwicklungshilfeprojekt zusammen mit Hérouville St.-Clair. Darauf haben sich Vertreter des Garbsener Vereins Wasser für Agnam unter dem neuen Vorsitzenden Walter Häfele, der Stadt Hérouville und der Region Agnam am Rande der Partnerschaftsfeier verständigt. Mit einem kalkulierten Finanzvolumen von 5000 Euro sollen für die Region insbesondere Niembäume gekauft und gepflanzt werden. Der Niem ist bekannt für seine Unempfindlichkeit gegenüber Trockenheit; die Pflanze verträgt sandige Böden. Auch einige geeignete Obstbäume sollen erworben und nach Agnam transportiert werden.

Mit den rund 150 Bäumen sollen Schulhöfe und Plätze in Agnam bepflanzt werden. Bemerkenswert und nachhaltig daran ist, dass die Bäume von den Einwohnern der Gemeinde Agnam, darunter auch vielen Schulkindern, gepflanzt werden. Gleichzeitig übernehmen sie auch die Pflege der Bäume für einen Zeitraum von drei Jahren. Nach Auskunft der Gäste aus Hérouville und Agnam verlief eine vergleichbare Aktion in den Vorjahren bereits sehr erfolgreich. Auch diesmal sollen anerkannte Vertrauenspersonen wie Schulleiter und der Vorsitzenden einer Gärtnerinnengruppe das Projekt begleiten und für einen erfolgreichen Abschluss sorgen.

Ab sofort werden Spenden gern entgegengenommen. Die IGS will mit einem Jahrgang mit rund 250 Schülern die Kooperation mit dem Verein zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Einwohner in Agnam nach der erfolgreichen Spendensammlung für den Bau von Biogasanlagen im Jahr 2016 auch in diesem Jahr fortsetzen und plant vielfältige Aktionen im Sommer dieses Jahres. Dank Spenden und staatlicher Zuschüsse in Hérouville sind 2016 15 Biogasanlagen in Betrieb gegangen. Sie versorgen die Bewohner mit Gas zum Kochen und mit Strom. Eine Anlage war komplett über Spendenaktionen von IGS-Schülern bezahlt worden.

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