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Schüler gehen zwei Wochen lang ins Blaulicht

Garbsen Schüler gehen zwei Wochen lang ins Blaulicht

Sophie E. ist sich nicht sicher: Möchte sie in ihrem Praktikum eine Leiche sehen? „Eigentlich nicht, aber es wäre besser. Ich wüsste danach, ob ich damit umgehen kann.“ Klasse Antwort. Genau dafür sitzt die 16-jährige Schülerin seit Montag in der Polizeiinspektion Garbsen.

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Drei Jungs, vier Mädchen, 14 Tage Dienst im Blaulicht: Polizeichef Ulrich Knappe begrüßt die sieben Praktikanten. Florian Arend und Sarah Porcher begleiten die Jugendlichen durch ihre Dienste in Garbsen, Seelze, Neustadt und Wunstorf.

Quelle: Markus Holz

Garbsen. Sophie wird mit sechs weiteren Schülern zwei Wochen lang den Polizeidienst in fast allen Facetten kennenlernen. Polizeichef Ulrich Knappe hat die Ressourcen dafür freigeschaufelt: Sarah Porcher und Florian Arend werden die Jugendlichen betreuen. Sie haben die "Dienstpläne" ausgearbeitet und ihre Kollegen in Garbsen, Neustadt, Seelze und Wunstorf auf die Praktikanten aus dem zehnten Jahrgang vorbereitet.

Ihr Dienst beginnt gegen 6 Uhr und wird an manchen Tagen um 20 Uhr enden; ein Praktikum mit Nachtschicht ist wegen des Jugendschutzes nicht möglich. Sie fahren zur Hubschrauber-, Hunde- und Reiterstaffel. Aber die meiste Zeit werden sie die Streifenbeamten bei ihren Einsätzen begleiten.

Erwarten sie TV-ähnliche Szenen wie in "Alarm für Cobra 11" oder "Achtung Kontrolle"? "Nein, das ist Fernsehen, das ist nicht real", sagt Sophie. Sie erwarten Stress, unangenehme Situationen, viel Information und Praxis. "Und wir erwarten, dass ihr Fragen stellt – jedem hier", sagt Betreuer Florian Arend, "spielt nicht auf eurem Handy rum, ihr habt nur diese Chance, den Beruf kennenzulernen."

Die Polizei hat für dieses Ausnahme-Blockpraktikum an vielen Strängen ziehen müssen. Sie braucht den Nachwuchs dringend. Bis zu 1000 Einstellungen pro Jahr sind landesweit geplant.

Und die Leichen? "Das kommt vor. Es wird hier aber niemand gezwungen, ihr könnt jederzeit Nein sagen. Das gilt übrigens auch für jeden Polizisten im Streifendienst", sagt Sarah Porcher. "Wir sind Menschen, keine Maschinen. Jeder muss und darf das selbst entscheiden. Das sind Bilder, die man sein Leben lang nicht vergisst."

Jeder Praktikant ist zur Verschwiegenheit verpflichtet worden - keine Namen, keine Daten. Fotos ja, aber nur für privat und den Praktikumsbericht. Taucht davon etwas in sozialen Medien auf, wird das das Ende des Praktikums sein. Und noch eine Regel: "Wir geben uns hier alle die Hand", sagt Sarah Porcher. Das hat vielleicht etwas mit unfreundlichen Begegnungen bei Einsätzen oder dem stressigen Alltag zu tun. Hand schütteln schafft Vertrauen, "und wir vertrauen uns hier alle gegenseitig", sagt Arend.

Was lockt die jungen Menschen zur Polizei? Sophie M. hat über eine Mitschülerin von der Polizeiarbeit erfahren. "Ich bin gespannt auf die Pferde und die Hunde", sagt sie. Sophie E. hat bei einem Steuerberater praktiziert, "das war nichts für mich". Der Freund ihrer Mutter hat ihr Interesse an der Polizei geweckt. "Das ist jetzt ein Test für mich." Sören und Denise wollen in den zwei Wochen herausfinden, ob der Polizeiberuf ensthaft für sie in Frage kommt.

Alle haben noch drei Jahre Zeit bis zum Abitur. "Es ist eine Lebensentscheidung", sagt Florian Arend, "mit einer Ausbildung bei der Polizei könnt ihr woanders kaum etwas anfangen, ein Wechsel wird also schwierig." Vorteile des Berufes: Das Geld kommt pünktlich, der Job ist krisensicher, "und unter diesem Dach gibt es sehr verschiedene Einsatzmöglichkeiten - von der Puppenbühne über den Kontaktbeamten bis zum hoch spezialisierten Ermittler", sagt Sarah Porcher.

Was alle sieben Praktikanten jetzt wissen, aber nicht bemerkt haben: Jeder hatte schon mit der Polizei zu tun. Jeder ist, mit Einwilligung, durchleuchtet worden. Das war Voraussetzung fürs Praktikum. "Wir wollen hier keine Extremisten, keine Leute aus Mafia-Familien oder Jugendliche, die vorgeschickt werden, um uns auszuhorchen - ist alles schon da gewesen", sagt Arend.

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