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LPKF macht die Kunden satt

Garbsen LPKF macht die Kunden satt

Umsatzrückgang, Einstellungsstopp, Aktientief: Das börsennotierte Maschinenbau-Unternehmen muss in unruhigen Zeiten wirtschaften - und doch ist der Vorstandsvorsitzende optimistisch.

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Hochtechnologie in jeder Ecke: Wer bei LPKF arbeitet, ist ein Spezialist auf seinem Gebiet.

Quelle: Holz

Garbsen. Ingo Bretthauer beherrscht die Klaviatur der Tonlagen meisterhaft. Spricht der Vorstandsvorsitzende der Garbsener LPKF über die guten Jahre, liegt ein Lachen in der Stimme. Er führt das börsennotierte Unternehmen seit sechseinhalb Jahren. Sechseinhalb Jahre stattliche Umsätze, Rekordgewinne, Kursspitzen für die Aktie bis an die 20-Euro-Marke. Heute steht sie bei knapp 8 Euro.

2015 wird vielleicht das Jahr mit dem mächtigsten Knick in Bretthauers LPKF-Bilanz. Null Euro Gewinn bei 100 Millionen Euro Umsatz - so hat es Bretthauer an den Horizont geschrieben. 374 Mitarbeiter hatte LPKF 2008, heute sind es annähernd 800. Fast Einstellungsstopp, keine Gehaltserhöhungen, das Weihnachtsgeld ist ans Ergebnis gekoppelt - es wird „keine fette Gans“, sagt Bretthauer. 16 Mitarbeiter hat er „leichter ziehen lassen“ als in den Vorjahren. Niemand wurde darum bisher entlassen.

Noch eine Zahl: 2014 setzte LPKF Maschinen im Wert von 120 Millionen Euro um. Dieses Jahr könnten es „nur noch“ 90 bis 110 Millionen werden. 10 bis 30 Millionen weniger - das sind Zahlen, die einige Analysten an den Börsen nervös machen. Das gab es unter Bretthauer noch nie. „Pessimisten“ nennt der 59-Jährige solche Finanzjongleure. „Aber hier hat niemand Angst, es ist immer eine Frage der Perspektive“, sagt Bretthauer.

Wo war er mit LPKF gestartet? Bei 45 Millionen Euro Jahresumsatz in 2008. „Wir hatten die letzten Jahre ein schnelles Schiff in ruhiger See, jetzt kommt Gegenwind - das ist so in einem Unternehmen.“ LPKF hat als einziges Unternehmen weltweit Maschinen gebaut, mit denen sich feinste Leiterbahnen direkt in Kunststoffgehäuse integrieren lassen. Handy- und Tablet-Hersteller haben diese Technik in großem Stil genutzt. Jetzt hat LPKF den Markt gesättigt. Mehr Maschinen braucht derzeit niemand. „Das war für mich absehbar, aber nicht in diesem Ausmaß“, sagt Bretthauer. Diese Technik ist nur eines von sechs LPKF-Standbeinen. Bretthauer legt zwei neue Erfindungen auf den Tisch, von denen LPKF in den nächsten Jahren profitieren soll. „So war das immer bei uns: Entwickelte sich eine Technologie schwächer, haben wir uns etwas Neues einfallen lassen. Ideen sind uns noch nie ausgegangen“, sagt er und hat wieder dieses leise Lachen in der Stimme.

Sein Ziel lautet „10 Prozent“. Das ist das durchschnittliche Jahreswachstum. „Das haben wir versprochen, und das werden wir halten“, sagt Bretthauer. Krisengerede macht ihn nervös. Und wenn jemand zu kurzfristig denkt, ärgert ihn das so sehr, als ob jemand der LPKF ein Patent streitig machen wollte.

Die nächsten Wochen bis zum Jahresende werden stressig. „Es hat fünf Jahre lang Spaß gemacht, jetzt mache ich Arbeiten, die weniger Spaß machen“, sagt Bretthauer. Er muss an der Kostenschraube drehen. Weniger Flüge, keine Neueinstellungen, effizienterer Vertrieb. Nicht gespart wird bei Forschung und Entwicklung. „Wir sägen nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen.“

Von Markus Holz

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