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Polizei: Niemand flieht grundlos

Garbsen/Berenbostel Polizei: Niemand flieht grundlos

Wäre die dramatische Verfolgung eines 20-Jährigen am vergangenen Montag vermeidbar gewesen? Nein, sagen Polizeikommissar Jan-Henrik Rose, der dabei war, und Andrea Volkmer, die Leiterin Einsatz bei der Polizeiinspektion Garbsen. "Wir wussten nicht, wer im Auto sitzt und welche Absichten er hat", sagt Rose. "Keine Situation, in die wir kommen, ist von vornherein klar", sagt Volkmer, "deshalb müssen wir immer abwägen bei Einsätzen."

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Verkehrsreich und gefährlich: Die Kreuzung B6 und Gutenbergstraße hat der 20-Jährige bei Rot überfahren, sodass andere Fahrer bremsen mussten.

Quelle: Bernd Riedel

Garbsen. Der Fall hat in Garbsen viel Aufsehen erregt: Ein 20-Jähriger flüchtete am frühen Montagmorgen vor einer Kontrolle durch die Polizei über die B6 Richtung Neustadt, überfuhr reihenweise rote Ampeln und beschleunigte zeitweise auf Tempo 180. In Höhe Neustadt bog er ab von der B6, kurvte durch die Stadt und kehrte dann zurück auf die B6 Richtung Garbsen. In Berenbostel gab er auf, verließ aber das Fahrzeug erst nach mehrmaliger Aufforderung.

Anders als berichtet kannte die Polizei den flüchtenden Mann nicht. "Als wir heranfuhren, konnten wir für einen Augenblick lediglich zwei Personen im Vorderraum des Wagens ausmachen - dann setzte sich das Auto schon fluchtartig in Bewegung", sagt Polizeikommissar Jan-Henrik Rose. Dabei rumpelte der Wagen auch über einen Bordstein. "Das war ein Warnsignal für uns", sagt Rose, "die Gründe für eine Flucht mussten offenbar erheblich sein."

Warum hielt die Streife? Morgens um halb fünf stand der Wagen quer über mehreren Parkbuchten - zu einer Zeit, in der die meisten Leute schlafen. "Wir wollten nur nach dem Rechten sehen", sagt Rose. Was dann geschah, habe eine Verfolgung zwingend notwendig gemacht: Das Auto raste mit steigender Geschwindigkeit zur Wreschener Allee - ohne Licht. Der Flüchtende war so schnell, dass es zeitweise so aussah, als verlöre die Polizei ihn. "Erst auf der B6 in Höhe der Kreuzung Langenhagener Straße konnten wir wieder aufschließen."

Der Polizeiwagen fuhr mit Blaulicht und Martinshorn - um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Der 20-Jährige beschleunigte auf der B6, drosselte auch an den Kreuzungen nicht, sondern raste unvermindert Richtung Neustadt. "Wir haben das Aufleuchten von Bremslichtern jedenfalls nicht feststellen können", sagt Rose. Auf die Anhaltesignale reagierte der Flüchtende nicht. "Das alles deutete darauf hin, dass etwas Erhebliches vorlag", sagt Volkmer, man könne also eben nicht sagen, dass der Verdacht auf ein schweres Verbrechen nicht vorgelegen hätte: "Das Gegenteil ist richtig: Das Verhalten des Flüchtenden nährte den Verdacht", sagt Volkmer.

"Wir haben die Verpflichtung, den Strafanspruch des Staates durchzusetzen", sagt Rose, "wir sind aber nicht risikoreich gefahren, an den Kreuzungen haben wir abgebremst. Wir sind lediglich hinter dem Mann her gefahren und haben versucht, dran zu bleiben. Was der Flüchtende in so einer Situation macht, darüber haben wir keine Kontrolle."

Inzwischen war über die Leitstelle der Hubschrauber alarmiert, mehrere Streifenwagen folgten nun dem 20-Jährigen. "Die Polizisten im Streifenwagen müssen nicht allein entscheiden. Sie stehen immer in Verbindung mit der Leitstelle", sagt Volkmer. Die Leitstelle übe koordinierende Funktion aus. "Sie entscheidet maßgeblich mit, was zu tun ist."

Neustädter Polizisten hatten auf der B6 Richtung Nienburg inzwischen eine Straßensperre errichtet. Leider umsonst: Der 20-Jährige bog kurz vorher ab auf Neustädter Stadtgebiet, kurvte dort ziellos herum und wendete sich dann wieder auf die Bundesstraße Richtung Garbsen. "Als der Hubschrauber nach etwa 20 Minuten eintraf, war für uns der Druck ein bisschen geringer. Wir konnten uns zurückfallen lassen, Tempo rausnehmen, ohne die Verfolgung aufzugeben. Vom Hubschrauber aus lässt sich ein flüchtendes Fahrzeug viel besser überwachen."

Die Situation war deshalb nicht klarer: Noch immer war unbekannt, wer sich im Auto befand. "Es gab eine Reihe von Möglichkeiten, die es immer gibt in so einer Situation: ein entflohener Strafgefangener, ein Einbrecher, er konnte bewaffnet sein, alles war denkbar, solange wir keine Fakten hatten", sagt Rose. Auch die Tatsache, dass eine zweite Person in Auto saß, habe nicht zur Klarstellung beigetragen: "Woher sollten wir wissen, dass die zweite Person freiwillig in dem Wagen war?"

Inzwischen hatte sich das Verhalten des 20-Jährigen geändert: Er verlangsamte das Tempo. Offenbar war Zermürbung eingetreten. "Ihm muss klar geworden sein, dass er die Polizei nicht abschütteln konnte", sagt Rose. Trotzdem flüchtete er noch zurück nach Garbsen und gab erst in Berenbostel auf. Nur nach mehrmaliger Aufforderung verließen die beiden den Wagen mit erhobenen Händen. "Erst dann konnten wir die Identitäten klären. Wir fuhren zur Befragung auf die Wache", sagt Rose. Erst am Ende also stellte sich heraus, dass es sich um einen 20-Jährigen handelte, der Fahrverbot hatte.

"Wir wägen ständig ab bei unseren Einsätzen, denn meistens treffen wir auf unbekannte Situationen und Gegebenheiten", sagt Volkmer. Hohes Risiko gebe es auch bei den Fällen von häuslicher Gewalt, bei denen die Polizei einschreite. "Man muss sich als Polizei auf alles Mögliche einstellen. Wir können nie vorhersehen, was passieren, wie es ausgehen wird."

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