Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Dem Projekt "Wohnen für Hilfe" fehlen die Interessenten

Garbsen Dem Projekt "Wohnen für Hilfe" fehlen die Interessenten

Die Idee ist einfach und hat in einigen anderen Städten Erfolg gehabt: Das generationenübergreifende Projekt "Wohnen für Hilfe" führt Ältere und Jüngere zusammen. Die Älteren gewähren Wohnung gegen Hilfe im Haus. In Garbsen findet das Projekt jedoch keine Resonanz. Die Idee wird zu den Akten gelegt.

Voriger Artikel
SPD ärgert sich über den Bürgermeister
Nächster Artikel
Hennes Bender mit "Luft nach oben" im Forum

In Hannover hat das Projekt "Wohnen für Hilfe" einige Anhänger gefunden: Student Xiao aus China ist bei Gartenliebhaberin Ingrid Borchardt eingezogen und mäht begeistert ihren Rasen.

Quelle: Irving Villegas

Garbsen. Auf Antrag der Grünen hatte der Rat der Stadt die Verwaltung beauftragt, Vorbereitungen für die Einführung des generationsübergreifenden Wohnprojektes „Wohnen für Hilfe“ mit ehrenamtlicher Unterstützung zu treffen. Schwerpunktmäßig sollte sich das Projekt an Studierende wenden. Sie sollten die Möglichkeit bekommen, preisgünstig in Garbsen zu wohnen. Das ist vier Jahre her: Der Antrag der Grünen stammt aus dem Jahr 2013, der Ratsbeschluss fiel im Oktober 2014.

"Wohnen für Hilfe" bringt Ältere und Jüngere zusammen und scheint nur genügend Bereitschaft auf beiden Seiten vorauszusetzen, die jeweiligen Eigenheiten eines bestimmten Lebensalters zu akzeptieren. Deshalb ging die Stadtverwaltung mit Verve an die Sache. Mit Blick auf die demografische Entwicklung, den Bau des Uni-Campus und die angespannte Wohnraumsituation in der Stadt hat sie intensiv für das Projekt geworben. 

Der erste Versuch verlief jedoch schon enttäuschend: Noch 2014 wurde das Projekt beim Ideenmarkt "richtig.gut.älter" vorgestellt. Es bekam sogar einen eigenen Workshop - der aber wurde nur von einer Person besucht. Weitere Interessenten konnten nicht gewonnen werden, heißt es in einer Beschlussvorlage für den Rat.

Im Café Kalle, im Wohnwinkel, bei den Altenarbeit betreibenden Vereinen, Verbänden und Kirchengemeinden ist das Projekt vorgestellt worden. Positive Resultate gab es nicht. Die Stadtverwaltung hat Vorbehalte festgestellt: Misstrauen, Argwohn und Zweifel kämen auf bei der Vorstellung, dass ein Fremder ins Haus ziehen soll. Hier und da wurde auch Lärmbelästigung wegen zu lauter Musik befürchtet.

Das Beispiel Hannover, das sich die Verwaltung darauf hin näher ansah, zeigte, dass das Projekt sehr viel Zeit und Personalaufwand erfordert: Pro Semester gebe es nur etwa 35 Anfragen von studentischer Seite. Die Voraussetzungen müssten bei beiden Wohnpartnern mit viel Zeitaufwand überprüft werden. Daher seien in Hannover nur fünf Wohnpartnerschaften pro Jahr vermittelt worden. Die Stadt Hannover hat eine Stelle mit 20 Wochenstunden dafür eingerichtet.

Nach Einschätzung der Verwaltung steht der hohe zeitliche Einsatz und das Ergebnis in keinem vernünftigen Verhältnis. Deshalb empfiehlt sie, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Inzwischen hat sich die Wohnsituation in Garbsen für künftige Studenten auch leicht entspannt: Das Unternehmen Rahlfs hat Studentenappartements am Planetencenter gebaut, ein Studentenwohnheim an der Walter-Koch-Straße ist in Planung. Noch ist die studentische Nachfrage nach Wohnungen in Garbsen auch gering. Der Campus wird 2019 fertiggestellt.

Dem Vorschlag, die Bemühungen einzustellen, folgten die Fraktionen im Sozialausschuss. SPD und CDU äußerten sich gleich lautend, dass der Sachverhalt für sic spreche und stimmten zu. Der Rat der Stadt behandelt die Vorlage in der Sitzung am Montag, 3. April, 18 Uhr.

Was ist Wohnen für Hilfe?

Hilfe statt Geld, Hilfe, die variabel von beiden Parteien vorher vereinbart werden soll, heißt es auf der Homepage wohnenfuerhilfe.info, die betrieben wird von der Universität Köln. Möglich sind Haushaltshilfe, Gartenpflege, Einkaufen, gemeinsame Spaziergänge oder Unternehmungen. Die Initiative Wohnen für Hilfe gibt es in mehreren Städten Deutschlands sowie in einigen Ländern Europas, außerdem in den USA und Neuseeland. Für die meisten Programme gilt die Faustregel, eine Stunde Hilfe im Monat pro Quadratmeter Wohnraum. Ausgenommen sind Pflegeleistungen jeglicher Art. Die einzigen Kosten, die dem Mieter entstehen sind die Nebenkosten, wie Gas, Wasser und Strom. Wer mitmachen kann, das ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Interessierte Studenten oder Auszubildende füllen einen Fragebogen mit detaillierten Angaben zu ihrer Person aus. Sie müssen sich eindeutig identifizieren können, etwa mit dem Personalausweis. Senioren, die Wohnraum anbieten wollen, erhalten Hausbesuch, bei dem die Wohnräume besichtigt werden. Auch sie füllen einen Fragebogen mit detaillierten Angaben zur Person aus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xgcte8m57t1jrkfw6y2
Schüler diskutieren über Zukunft der Ozeane

Fotostrecke Garbsen: Schüler diskutieren über Zukunft der Ozeane

Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr