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Günter Lamprecht liest

Havelse Günter Lamprecht liest

Schauspieler Günter Lamprecht hat am Sonntag in der Versöhnungsgemeinde aus dem ersten Band seiner Autobiografie gelesen – und einen starken Eindruck hinterlassen.

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Schauspieler Günter Lamprecht ist in Havelse
zu Gast.

Quelle: Bernd Riedel

Garbsen. Der anekdotische Erzählton täuscht: Hier wird nichts beschönigt, hier werden die schlimmen Dinge benannt: ein brutaler Vater, ein sadistischer Lehrer, Kriegsgrauen in Nazi-Deutschland. Schauspieler Günter Lamprecht liest aus seiner Autobiografie in einer launigen, aber präzisen und detailreichen Sprache - und im Gemeindesaal der Havelser Versöhnungsgemeinde ist es ganz still, der Applaus am Ende dafür umso lauter.

Es werden in diesen Erinnerungen viele Schmerzen ertragen und viele Tränen vergossen - von anderen und vom Protagonisten selbst. Lamprecht schont sich in seiner Autobiografie nicht und ist weit davon entfernt, Traurigkeit zu verbreiten. Wenn er frei spricht, kommt der Berliner Dialekt durch - den versteht er stolz als Erkennungszeichen. „Das ist die Sprache meiner Herkunft, und diese Sprache liegt mir am Herzen“, sagt er.

Er kommt am Sonntagnachmittag direkt aus Berlin, von einer zweitägigen Drehbuch-Besprechung. In Planung ist ein Film über die berüchtigte Gladow-Bande im Berlin der Nachkriegszeit. Der 85-Jährige geht auf einen Stock gestützt - er hat gerade erst ein neues Kniegelenk im linken Bein bekommen.

Lamprecht liest fast zwei Stunden lang. Danach reihen sich viele Zuhörer vor dem Tisch ein, an dem er die beiden bereits erschienenen Bände seiner Autobiografie signiert. Er ist ohne Honorar aufgetreten, es soll eine Art Abschiedsgeschenk für Havelse sein. Die Verbindungen nach Havelse und Garbsen sind alt - seit 1950, sagt Lamprecht, sei er regelmäßig in Garbsen zu Besuch gewesen. Seine ältere Schwester Ursula hatte 1946 einen Garbsener geheiratet. Auch die Eltern, wie Lamprecht Ur-Berliner, waren im Alter nach Garbsen gezogen. Die Schwester ist im Juni gestorben. Pastor Edgar Dogge kam mit Lamprecht nach der Beisetzung ins Gespräch - und bald war der Termin unter Dach und Fach.

Lamprecht ist bekannt geworden in Filmen wie „Das Brot des Bäckers“ und durch die Verfilmung des Alfred-Döblin-Romans „Berlin Alexanderplatz“. Viele Jahre war er Kommissar im Tatort. Die Liste seiner Theaterrollen ist lang. Als 15-Jähriger am Ende des Krieges brach er eine Dachdeckerlehre ab und wurde Orthopädiemechaniker, dreieinhalb Jahre Lehre, dann einige Berufsjahre: „Auf meinen Gesellenbrief bin ich noch heute stolz“, sagt er. Und da ist es wieder: das Bekenntnis zur einfachen Herkunft, die auch in seiner Autobiografie thematisiert wird. In seiner Freizeit, abends, verkehrte Lamprecht in Jazzkellern mit Namen wie „Badewanne“ und „Eierschale“. In der „Badewanne“ machte er die Ansagen zwischen den Musikstücken, und eines Tages sprach ihn der Schauspieler und Synchronsprecher Gert Günther Hoffmann an: Lamprecht müsse unbedingt Schauspieler werden. Etwas, das Lamprecht weder geplant hatte noch für realistisch hielt. Aber er bekam sofort Kontakt: Else Bongers, die bedeutende Schauspiellehrerin von Hildegard Knef und Götz George, brachte ihm das Wichtigste bei. Mit 24 Jahren wurde er mit einem Stipendium als besonders Begabter in der renommierten Max-Reinhardt-Schule aufgenommen.

Die ersten beiden Teile der Autobiografie „Und wehmütig bin ich immer noch“ sowie „Ein höllisches Ding, das Leben“ sind bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Lamprecht ist bei der Niederschrift des dritten Teils.

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