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Der Mikrokosmos Laxner schließt

Garbsen Der Mikrokosmos Laxner schließt

Ein Buch, ein Lotto-Schein, Streichhölzer, Briefmarken - was darf es sein? Schreibwaren Laxner in Osterwald öffnet am Sonnabend zum letzten Mal. Betreiberin Hannelore Laxner hat keinen Nachfolger finden können.

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Zwischen Zeitschriften und Glückwunschkarten: Hannelore Laxner (68) zieht sich nach 31 Jahren zurück. Der Laden wird am Sonnabend geschlossen. Am Mittwoch stellt sie die letzten Pakete für ihre Zeitschriftenkunden zusammen.

Quelle: Markus Holz

Osterwald. Hannelore Laxner sitzt hinten im Lager und sortiert. Was kommt weg? Was nehme ich mit? Vorne im Laden spricht ein Mann mit leiser dunkler Stimme. Laxner kennt den Tonfall. Das ist Jürgen, ein Pfeifenraucher. Er fragt nach Reinigern. "Kann ich für morgen noch bestellen, aber dann ist Schluss", ruft Laxner zu ihrer Kollegin nach vorne, "sag ihm das Mal."

Laxner, von Stammkunden Frau Laxner, von Freunden kurz "Hanne" genannt, erkennt jeden an der Stimme. Sie weiß auf die Minute genau, wer freitags wann seinen Lottoschein abgibt. Sie weiß, wer donnerstags welche Zeitschriften abholen wird - und packt vorher die kleinen Pakete. An jedem Paket heftet mit Büroklammer ein Zettelchen. Meyer, Möller, Schulze. Manche Zettel sind Jahre alt.

Hannelore Laxner steht seit 1985 im Zentrum ihres kleinen Mikrokosmos "Schreibwaren Laxner" an der Hauptstraße in Osterwald. Links Zeitschriften, Bücher, CD, Geschenkpapier und der Lotto-Stand. Rechts Papierwaren, Stifte und Kleinigkeiten zum Verschenken. Jeder Quadratzentimeter war bis Angang dieser Woche ausgenutzt. Jetzt packt Hannelore Laxner. "50 Prozent auf (fast) alles", hängt im Fenster. Morgen, Sonnabend, 13 Uhr, fällt die Ladentür zum letzten Mal ins Schloss. Laxner schließt. Die Osterwalder Institution wird es ab nächster Woche nicht mehr geben - ein Verlust, keine Frage.

50 Prozent? Stammkunden schämen sich fast, den Rabatt in Anspruch zu nehmen. Viele lehnen ab und zahlen den vollen Preis. 31 Jahre lang haben sie "bei Hanne" Schulbücher bestellt, Zeitschriften abgeholt, Konzert- und Schützenfestkarten bezahlt, Zigaretten gekauft und jeden Freitag den Schein zum Traum vom großen Glück abgegeben. "Was soll ich machen? Ich bin 68 Jahre alt und habe keinen Nachfolger gefunden." Das macht sie traurig. Das mit dem Nachfolger und das mit dem Aufhören. Es geht ihr besser, wenn man mit ihr über die schönen Zeiten spricht.

Hannelore Laxner hat aus dem fränkischen Coburg nach Osterwald geheiratet, ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat sechs Jahre im Osterwalder Baugeschäft  Bothe & Mertens im Büro gearbeitet und dort viele Osterwalder kennengelernt. Der Laden gehörte "ganz früher" zur Druckerei Priebe, danach betrieb ihn die Familie Stendel. Schendels alter Tresen steht noch immer hinten im Lager. 1985 ist Hannelore Laxner ins kalte Wasser gesprungen - ohne Ahnung von Remittenten, Zigarettenbestellungen und Schreibwaren.

Schlüssel hat sie damals noch geschliffen. 1988 kam das Lotto-Geschäft dazu. "Ohne Lotto geht es nicht, das bringt Kundschaft und über die Provision auch Geld", sagt Laxner. Ihr Rückgrad aber seien die Stammkunden, die ihre Zeitungen und Zigaretten eben nicht im großen Einzelhandel gekauft haben, sondern "bei Hanne" oder ihren Mitarbeiterinnen Iris Gießelmann und Renate Möller.

Wer am Sonnabend Lust hat auf ein Stößchen, erhält ein Gläschen Sekt. "Ich habe nichts geplant, ich will es jetzt nur schnell hinter mich bringen, es fällt mir nicht leicht." Am Sonntag kommen zwei ehemalige Mitarbeiterinnen mit ihren Männern und leeren den Laden. Am Montag wird sie zu ihrem Vermieter Günter Körber gehen und die Schlüssel abgeben.

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Zwischen Zeitschriften und Glückwunschkarten: Hannelore Laxner (68) zieht sich nach 31 Jahren zurück. Der Laden wird am Sonnabend geschlossen. Am Mittwoch stellt sie die letzten Pakete für ihre Zeitschriftenkunden zusammen.

Quelle: Markus Holz
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Von Redakteur Markus Holz

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