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"Das wird keine Elbphilharmonie"

Garbsen "Das wird keine Elbphilharmonie"

Der Campus Maschinenbau Garbsen (CMG) wächst jetzt in die Höhe. In der Universitätsverwaltung trägt einer dafür eine besondere Verantwortung: Horst Bauer (64), der Leiter des Baudezernates - ein Interview.

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Das größte Bauprojekt seiner Laufbahn: Horst Bauer auf dem Gelände des Campus Maschinenbau Garbsen.

Quelle: Markus Holz

Herr Bauer, Sie leben seit 1989 in Havelse. Der Campus-Bau in der eigenen Stadt...wie fühlt sich das für Sie an?

Das ist schon ein besonderes Gefühl. An der Uni hat man schon vor etwa 15 Jahren bei der Planung des PZH gemunkelt, ich würde mit Professor Heinz Haferkamp zur "Garbsen-Connection" zählen. Stimmt aber nicht. Ich fühle mich als Beamter preußischer Schule.

...aus...?

Lüneburg. Ich bin mit meiner Familie in den Siebzigerjahren nach Hannover gezogen, 1989 nach Havelse.

Seit fast 18 Jahren leiten Sie das Baudezernat der Leibniz Universität Hannover. Sind Sie von Haus aus Bauingenieur oder Architekt?
Nein. Ich habe eine ganz klassische Beamtenlaufbahn für die Allgemeine Verwaltung beim Land Niedersachen. Als mich mein damaliger Uni-Kanzler 1997/98 fragte, ob ich das Baudezernat leiten will, habe ich gesagt: "Lassen Sie mich eine Nacht drüber schlafen." Nach der Nacht habe ich zugesagt. Ich habe das nie bereut, weil ich diese illustre, motivierte Truppe aus Architekten, Handwerkern, Fachingenieuren, Technikern und Hausmeistern sehr schätze.

Sie können als „preußischer Beamter“ mit den Baufachleuten reden?

Ja, das geht gut. Wir haben keine Berührungsängste. Klar ist das für Externe ungewöhnlich, dass an der Spitze der Bauverwaltung kein fachlich vorgebildeter Beamter sitzt, sondern ein Verwaltungsbeamter. Aber bisher haben die Kollegen keine Probleme gehabt mit mir. Vielleicht ist es auch ein Vorteil: Immer wenn es um fachliche Belange geht, kann ich sagen: Dafür haben wir unsere Experten. Aber das wirklich spannende am Campus macht bei uns nicht die Architektur aus, sondern die Betriebstechnik.

Was meinen Sie mit Betriebstechnik?

Wir haben festgestellt, dass wir von den gesamten Baukosten gut die Hälfte in die Betriebstechnik stecken müssen. An einem privaten Bau wären das eher 20 Prozent.

Wie viele Mitarbeiter unterstehen dem preußischen Beamten Horst Bauer?

172.

Durften Sie die Mannschaft für die Campus-Planung und den Bau aufstocken?

Ja, um eineinhalb Stellen. Herr Heiner Bente ist als koordinierender Architekt ins Team gekommen, zusätzlich Herr Carsten Beyein Fachplaner für die Betriebstechnik (Herr Blai/Blay/Blei???). Das ist nicht viel. Aber wir haben mit QTB einen erfahrenen Projektsteuerer an unserer Seite. Die Gegenseite, das Architekturbüro Auer & Weber, hat das auch. So entsteht für dieses sehr große Projekt auch ein sehr großes Team. Ein Projekt dieser Größe ist nur mit einem kompetenten und professionellen Team erfolgreich zu bewältigen.

Wie komplex ist das Projekt CMG?

Ein Beispiel vielleicht: Bis zur Fertigstellung werden wir etwa 80 Ausschreibungspakete europaweit veröffentlichen. Das jetzt vergebene Paket für den Rohbau hat etwa 1000 Seiten. Es ist ein wahnsinniger Aufwand. Und wenn man die Ergebnisse hat, weiß man, ob man im Kostenrahmen bleibt. Im Moment sieht es gut aus.

Das wird keine Elbphilharmonie?

Nein, das werden wir hier nicht erleben.

Wie halten Sie die Kosten im Rahmen?

Der Rahmen liegt bei 142 Milllionen Euro inklusive Ersteinrichtung und Großgerät für den Forschungsbau "Dynamik der Energiewandlung" (DEW). Die reine Bausumme liegt bei etwa 125 Millionen Euro.

Sie müssen damit auskommen, egal was passiert?

Nicht nur auskommen: Jede Steigerung, die uns aus welchen Gründen auch immer ereilt, muss die Universität selber aufbringen, nicht das Land. Das Risiko liegt allein bei der Uni. Wir haben das Risiko auf rund 17 Millionen Euro kalkuliert. Das ist bei 142 Millionen relativ wenig. Aber die Uni ist am Gesamtprojekt ohnehin schon mit 24 Millionen Euro beteiligt. Der Anreiz für uns, den Kostenrahmen zu halten, ist immens. Alles, was hier mehr ausgegeben werden müsste, ginge zu Lasten der gesamten Universität. Das ist ein nicht immer einfaches Geschäft, weil Sie vorher nie wissen, wie ein Ausschreibungsergebnis ausfällt.

Wie gehen Sie mit dieser großen Verantwortung um?

Preußisch. Ich bin ein alter Haushälter, habe das Haushaltsdezernat der Uni geleitet, habe auch Controlling und Innenrevision gemacht. Das macht mir kein graues Haar mehr, als ich ohnehin schon habe.

Die ersten Campus-Pläne sind 10, 15 Jahre alt – ist das Konzept nicht schon bei Baubeginn überholt?

Nein, die jüngsten Pläne sind drei Jahre alt, die Institute und das Uni-Präsidium haben das fortgeschrieben, wir sind auf einem aktuellen Stand. Natürlich sind wir auf Wünsche eingegangen. Aber die Lenkungsgruppe unter dem Vorsitz des hauptberuflichen Vize-Präsidenten bewertet jeden Wunsch auch unter Kostengesichtspunkten. Wir haben im Baudezernat und an der Uni ein ziemlich gutes Gefühl dafür entwickelt, was ein Institut voranbringt. Notfalls nehmen wir das Institut mit in die Pflicht, Drittmittel für einen besonderen Wunsch einzuwerben. Was nicht geht ist, zwei Jahre vor Baubeginn oder jetzt noch Sonderwünsche zu berücksichtigen. Aber mit Ingenieuren lässt sich sehr pragmatisch arbeiten, die wissen das.

Sie planen für rund 5000 Studierende und Mitarbeiter. Wenn der Campus boomen sollte, wäre die Zahl vielleicht bald überholt...

Kein Problem. Die Reserve ist eingebaut, bei den Mitarbeitern etwa 20 Prozent. Das genehmigt das Land sehr selten. Uns ist das nur gelungen, weil wir nachweisen konnten, dass die Fakultät Maschinenbau in den vergangenen 20 Jahren immer weiter gewachsen ist und dass das so weitergeht, wenn hier alle Institute an einem Standort arbeiten. Die Zahl der Studenten zu prognostizieren ist dagegen sehr schwer. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass deren Zahl weiter stetig ansteigt. Es ist aber für die gesamte Universität nie ein Problem gewesen, 5000 Studenten mehr oder weniger unterzubringen.

Wann soll, wann kann der Campus in Betrieb gehen?

Unser Ziel ist Wintersemester 2019/20.

Und dann würden alle Maschinenbauer in Garbsen studierten?

Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Wir versuchen, alle Lehrangebote in Garbsen vorzuhalten, auch die Grundlagenvorlesungen zum Beispiel in Mathematik. Da sitzen heute in Hannover bis zu 1000 Studenten. Wir müssen das ohnehin teilen, das sind zu viele. Also werden wir einen Teil nach Garbsen bringen, damit die jungen Leute nicht pendeln müssen.

Dann wäre es ja sinnig, wenn ab 2019/20 auch studentische Wohnungen in Garbsen bezugsfertig sind...

Genau das …aber das ist der Part der Stadt Garbsen. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Bürgermeister das mit dem nötigen Nachdruck angeht.

Sie müssten all das nicht mehr leisten..

Müsste ich nicht, ich könnte in den Ruhestand gehen. Aber ich will das hier noch zu Ende bringen. Inklusive aller Berichte und Abrechnungen, etwa ein Jahr nach der Schlüsselübergabe. Das ist das größte Bauprojekt in meiner Laufbahn, an dem ich mitwirken kann.

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