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In Garbsen beginnt die Aufarbeitung der Hauptschulkrise

Erpressungen, Amokdrohungen, Vandalismus In Garbsen beginnt die Aufarbeitung der Hauptschulkrise

Alle entschuldigt! In Garbsen bei Hannover beginnt die Aufarbeitung der Hauptschulkrise im Stadtteil Auf der Horst. Allerdings ohne dass irgendjemand irgendetwas versäumt haben will.

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In Garbsen bei Hannover beginnt die Aufarbeitung der Hauptschulkrise im Stadtteil Auf der Horst.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Garbsen. Man muss nur eine Weile in der großen Halle der Hauptschule Nikolaus Kopernikus sitzen, so gut zwei Stunden, dann kommt es einem vor, als wäre die ganze Diskussion über schlimme Zustände an der Garbsener Schule nur eine Fata Morgana gewesen. Eine Verkettung von Fehlwahrnehmungen und Überdramatisierungen, von Pressehype und Kommunikationspannen. Es klingt, als hätte man sich die ganze Veranstaltung sparen können.

Nachdem Vorfälle in der Schule vor gut zwei Wochen die Stadt und die Schule bundesweit ins Gespräch gebracht haben, hat der Schulausschuss der Stadt Garbsen an diesem Montagnachmittag zur großen Aussprache gebeten. Der Bürgermeister, der bisher mehr zur Verschärfung der Krise als zu ihrer Lösung beigetragen hat, ist mitsamt seiner Schuldezernentin da, außerdem Vertreter des Kollegiums, der Jugendpflege, der Polizei und der Landesschulbehörde. Sie alle bestätigen sich gegenseitig, dass niemand etwas verabsäumt hat. „Dieses ist keine Schule des Verderbens“, sagt etwa Dezernent Siegfried Borgmann von der Landesschulbehörde, und damit hat er sicher recht.

Aber irgendwie ist da die Liste, die Schulleiter Albert Seufer zu Beginn der Sitzung vorgetragen hat, und die hängt über der Schulaula wie ein böser Traum. In seiner kurzen Ansprache hat er da rekapituliert, was ihn dazu bewog, einen schriftlichen Hilferuf an die zuständigen Stellen zu schreiben: mehrere Erpressungen und Nötigungen, der gestohlene Laptop einer Lehrerin, mehrere zerstörte Lehrerautos, zerstörte Schultoiletten, eingeschlagene Aulascheiben, der Stuhlwurf auf eine Lehrerin, drei Amokdrohungen, der Einbruch ins Büro des Schulleiters nebst Diebstahl von Fahrausweisen, die Beleidigung einer Putzkraft und Weiteres mehr.

Mag sein, dass die detaillierte Auflistung auch ein Seitenhieb auf Bürgermeister Alexander Heuer ist. Der hatte zuletzt in verschiedene Fernsehkameras gesagt, der Brief des Direktors sei eine „Überreaktion“. Er hoffe, dass mit einem neuen Schulleiter „ein neuer Geist“ in der Schule einkehren werde. Als die CDU das Verhalten des SPD-Bürgermeisters kritisiert, wechselt der lieber das Thema: Der Beitrag der Opposition nehme „nicht Bezug auf den bisherigen Beratungsverlauf“, sagt er. Stattdessen dreht sich ein Gutteil der Debatte im Ausschuss um die Frage, wie Seufers Brief an die Medien gelangen konnte und wie sehr das Echo Stadt und Schule geschadet haben. „Wer den Brief lanciert hat, hat uns allen einen Bärendienst erwiesen“, sagt Heuer.

Und während die Beteiligten alle 28 Präventionsprojekte der Schule aufzählen und die Dezernentin der Lenkungsgruppe des Migrationsausschusses eine Schlüsselrolle zuweist, lohnt es sich, aus dem Vielklang des Gesagten eines herauszufiltern: Beim Kollegium der Hauptschule Nikolaus Kopernikus handelt es sich, so heißt es von vielen Seiten, um ausgesprochen engagierte Lehrer. Man müsse ihnen nicht sagen, wie Pädagogik geht, sagt eine Lehrerin. Vielleicht stimmt, was SPD-Ratsherr Wilfried Aick sagt, dass man nämlich „nicht alle kriminellen Jugendlichen pädagogisch erreichen kann“. Dennoch wollten sie nicht aufhören, es zu versuchen, sagt die Pädagogin. Aber manche wollen es wohl doch. Ein knappes halbes Dutzend Kollegen habe Versetzungsanträge gestellt, heißt es.

Denen, die bleiben, hilft demnächst vermutlich der neue türkischstämmige Direktor, der nach den Sommerferien auf den in den Ruhestand scheidenden Albert Seufer folgen soll. Er ist im Stadtteil aufgewachsen. Wie man hört, versteht er sich auf Kampfsport. An diesem Abend sitzt er im Publikum, ein Baum von einem Kerl, und hört einfach zu. Sagen will er einstweilen nicht viel. Eine Strategie, die Zukunft haben könnte an seiner neuen Schule.

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