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Warum der Traum dieses Flüchtlings zu platzen droht

Garbsen Warum der Traum dieses Flüchtlings zu platzen droht

Der 27-jährige Mohammad Faisal Tokhi ist aus Afghanistan geflüchtet. Jetzt ist er in einer Unterkunft in Berenbostel untergebracht. Er hat Arbeit - doch den Großteil seines Lohns muss er abgeben, mehr als die Hälfte etwa für die Miete des Zimmers, das er sich mit zwei Personen teilt. Nicht der einzige Grund, warum sich sein Traum vom Leben in Freiheit nicht erfüllt hat.

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"Traum? Ich weiß ja nicht mal, was morgen ist": Mohammad Faisal Tokhi ist aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet.

Quelle: Gerko Naumann

Berenbostel. Eines schickt Tokhi vorweg: "Ich bin Deutschland sehr dankbar. Hier bin ich in Sicherheit." Ein Gefühl, das er aus seiner Heimat nicht mehr kannte. Der 27-Jährige stammt aus Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Er hat dort studiert, für die Regierung gearbeitet. Doch sein Leben war in Gefahr, berichtet Tokhi, ohne Details nennen zu wollen. Obwohl es ihm finanziell gut ging, beschloss er, nach Deutschland zu fliehen. "Ich habe mein Leben riskiert, war über einen Monat lang unterwegs", sagt Tokhi.

Erster Stopp: Auffanglager Friedland

Und so landete der Afghane - wie so viele Flüchtlinge, die es nach Deutschland schaffen - im Auffanglager Friedland südlich von Göttingen. Von dort wurde er drei Monate später nach Berenbostel gebracht, dort lebt er seitdem. Derzeit in einem Raum mit zwei weiteren Afghanen, mit denen er sich Küche und Badezimmer teilt. Für dieses Zimmer berechnet die Stadt Garbsen Tokhi monatlich 501,86 Euro. Die Summe ist so hoch, weil Tokhi als einer der wenigen Bewohner Arbeit hat.

"Ich helfe in der Küche eines Restaurants in Hannover", sagt Tokhi. Der Job entspricht nicht seiner Qualifikation und bringt nur rund 910 Euro im Monat Lohn ein - obwohl es eine Vollzeitstelle ist. Abzüglich der Kosten für die Unterkunft hat der junge Mann also rund 410 Euro zum Leben übrig. Andere Bewohner, die nicht arbeiten, haben nur etwa 40 Euro weniger, rechnet Tokhi vor. Trotzdem will er auf jeden Fall weitermachen. "Ohne Arbeit wäre ich verloren. So komme ich hier wenigstens mal raus", sagt er. Den ganzen Tag auf engem Raum mit vielen fremden Menschen zu leben, bereite ihm großen Stress.

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"Traum? Ich weiß ja nicht mal, was morgen ist": Mohammad Faisal Tokhi ist aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet.

Quelle: Gerko Naumann

Deshalb versucht Tokhi seit Jahren, seine Situation auf eigene Faust zu verbessern. Fast täglich spricht er mit den zuständigen Sachbearbeitern in Ämtern und Behörden. Bislang vergeblich. Das größte Problem des jungen Mannes, der gut Englisch spricht: Es gibt zu wenig Deutschkurse. "Wenn ich sage, dass ich aus Afghanistan stamme, schicken sie mich immer wieder weg", sagt er. Ein Teufelskreis, der Tokhi zur Verzweiflung bringt. Er bekommt ohne Sprachkenntnisse keine besser bezahlte Arbeit, kann sich deshalb keine eigene Wohnung leisten.

"Ich weiß ja nicht mal, was morgen ist"

Und so droht sein Traum vom freien Leben in Deutschland zu platzen. "Traum? Ich weiß ja nicht mal, was morgen ist", sagt der junge Mann, der immer mit der Angst vor der Abschiebung leben muss. Sein erklärtes Ziel ist es, eine kleine Einzimmerwohnung zu finden. Doch selbst das wird schwer, denn als nicht anerkannter Flüchtling darf Tokhi Garbsen nicht verlassen. "Hier gibt es keine bezahlbaren Wohnungen mehr in dieser Größe", sagt er.

Die Hoffnung gibt Tokhi trotzdem nicht auf. Er habe sich an die Öffentlichkeit gewandt, um auf die Lage vieler Flüchtlinge aus Afghanistan aufmerksam zu machen, denen es genauso geht wie ihm. "Wir wollen doch nur eine faire Chance."

Von Gerko Naumann

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