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Der Kampf um die Bäder ist eröffnet

Garbsen Der Kampf um die Bäder ist eröffnet

Pfiffe, Buhrufe und Zwischenrufe hat es am Dienstag für Bürgermeister Christian Grahl und führende Politiker bei der Vorstellung des Zentralbadkonzepts in Garbsen gegeben.

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Drangvolle Enge in der Aula am Planetenring und explosive Stimmung bei der Diskussion um die Bäderfrage.

Quelle: Bernd Riedel

Garbsen. Da hat sich eine Menge Wut und Enttäuschung aufgestaut und am Dienstagabend auch entladen: Bürgermeister Christian Grahl und führende Politiker konnten sich bei der Vorstellung des Zentralbadkonzepts in der Aula am Planetenring zeitweise kaum Gehör verschaffen gegen wütende Pfiffe, Buhrufe und laute Zwischenrufe.

Grahl bleibt bei seiner Einschätzung: Zwei Bäder seien nicht nur zu teuer für die Stadt, sondern auch unsozial. „Das vorgestellte Konzept halte ich für das beste. Jede andere Lösung würde die Stadt unweigerlich in neue Schulden treiben. Das wäre nicht meine Politik“, sagte er gestern. „Ich möchte auch die Garbsener weg vom Stadtteildenken hin zu einem Gesamtstadtdenken führen.“ Wer mehr Geld für die Bäder fordere, müsse Streichungen in anderen Bereichen in Kauf nehmen. Das Zentralbad soll nach grober Schätzung 14,1 Millionen Euro kosten.

Roswitha Just, Vorsitzende des Schwimmvereins, will den „Bürgerunmut“ vom Dienstagabend nicht verwechselt sehen mit offiziellen Stellungnahmen des Vereins: „Wir werden mit dem Vorschlag konstruktiv umgehen, werden ihn kritisch hinterfragen, die Zahlen beleuchten und Alternativen aufzeigen“, sagte Just, „wir brauchen jetzt Details, die wir bisher nicht hatten.“

Sie wisse nicht, ob beispielsweise der Transport von Schülern zum Zentralbad einberechnet sei. Just bedauert, dass Grahl keine Alternativen vorgestellt hat: „Wir halten eine Ein-Bad-Lösung, wenn sie denn nötig ist, auch in Berenbostel für realisierbar.“ Ohne Freibad jedenfalls werde es nicht funktionieren. Wenn die Veranstaltung bewirkt haben sollte, dass nun eine Phase des Nachdenkens bei den Politikern eintrete und der Prozess transparenter gestaltet werde, dann sei sie erfolgreich gewesen, sagte Just. Besonnene Worte waren am Dienstagabend überwiegend nicht zu hören: Die Mitglieder des Schwimmvereins und der DLRG und andere Bürger, die nach einer Demo für den Erhalt der beiden Bäder in Berenbostel und Auf der Horst direkt in die Versammlung marschierten, hatten ihre deutliche Ablehnung der Pläne des Bürgermeisters artikuliert: Sie wollen keine Ein-Bad-Lösung, sie wollen den Erhalt der beiden Bäder – und sie sind der Meinung, dass über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werde. Politik und Verwaltung wurden überrascht von diesem Sturm der Entrüstung. Von Anfang war die Stimmung explosiv. Das bekam auch Wolfgang Demus von der Beratungsfirma GMF zu spüren, der nach Ansicht mancher Zuhörer zu lange redete. GMF berät bereits Neustadt in Sachen Badneubau und wird künftig in Langenhagen das neue Familienbad betreiben. Sie hat der Garbsener Stadtverwaltung zu dem Konzept geraten, das die Schwimmer nicht für bedarfsgerecht halten: Sechs Bahnen mit 25 Metern, Sprungturm, Aufenthaltsbereich, kleines Mehrzweckbecken: Mehr gebe der Bedarf in der Region nicht her. „Dieser Entwurf ist eines Universitätsstandortes nicht würdig“, schimpfte Karsten Vogel, Ratsfraktionsvorsitzender der SPD. Heinrich Dannenbrink, Vorsitzender der CDU/FDP-Gruppe erneuerte sein Plädoyer für einen ausgeglichenen Haushalt in den nächsten Jahren. Die SPD bleibe ein Finanzierungskonzept schuldig.

Kommentar von Bernd Riegel

An einem Dialog führt kein Weg vorbei

Der Graben, der sich am Dienstagabend auftat, war überraschend und gefühlt so tief wie der Marianengraben, die tiefste Stelle unterhalb des Meeresspiegels. Und er hat klare Konturen: Der Bürgermeister und eine Ratsmehrheit aus CDU/FDP und Grünen setzen auf rationale Argumente, Zahlen, Bedarfsanalysen und eine strenge Kalkulation. Zur Realität gehört aber nicht nur die Vernunft. Bürger, so weit sie in der Versammlung waren, und Schwimmer setzen auf emotionale Argumente, das ist die andere Grabenkante: Sie bekunden, den Badepark in Berenbostel zu lieben. Sie sehen mehr Bedarf, als ihn sechs 25-Meter-Bahnen decken könnten. Sie meinen, bei 10,3 Millionen Euro Schulden könne es sich die Stadt leisten, höher in die Miesen zu gehen. Sie zeigen sich tief enttäuscht von dem schmalen Konzept. Manche sagen: Ein Schmalspurkonzept für eine Campus-Stadt. Die Empörung brach sich in Zwischenrufen immer wieder Bahn. Als Beobachter steht man staunend und ein bisschen erschüttert vor so viel verzweifelter Wut. Nach dieser Wutprobe wird ein Dialog schwieriger werden. Legen sich Bürgermeister und die CDU-Grünen-Mehrheit nach den Beratungen auf ein Zentralbad fest, werden die Demonstranten sie als hartleibig und ignorant beschimpfen. Das kann sich auf das Wahlergebnis im nächsten Jahr auswirken. Ändern sie ihre Meinung, werden sie womöglich als „Umfaller“ dastehen. Niemand verliert gern sein Gesicht. Der 20. Juli als Entscheidungstag ist wohl vom Tisch. Gut so. Ist der Protest repräsentativ? Niemand weiß das. Es waren in den vergangenen Wochen nicht nur Wutbürger zu hören und auch nicht nur Gegner eines Zentralbades. Kann eine Bürgerbefragung Klarheit schaffen? Die Details des Konzepts, vor allem die Zahlen, auf denen es basiert, werden im Laufe der Woche in einer Beschlussvorlage für den Rat zusammengestellt. Das Dokument soll ab Freitag auf der Homepage der Stadt zu finden sein. Auf der Basis dieser Fakten muss weiter diskutiert werden, wie es Ros?witha Just vom Schwimmverein signalisiert. Daran führt kein Weg vorbei: Es muss geredet werden, und zwar viel und miteinander, so schmerzhaft es für beide Seiten werden kann.

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