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Glaskunst statt Spanplatten

Auf der Horst Glaskunst statt Spanplatten

Schüler gestalten Kirchenfenster – das ist bisher einmalig in Garbsen. Die Fenster sitzen, am Freitagmittag ist eine bemerkenswerte Geschichte bei Willehadi gefeiert worden.

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Glaskunst aus Schülerhand: So sieht das Fenster von Innen und von Außen aus.

Quelle: Markus Holz

Auf der Horst. "Das zieht mir den Boden unter den Füßen weg." Der, der das sagt, ist ein Mann vom Fach. Er hatte mit Kirchen zu tun und verdient mit Glas sein Geld. Unternehmer Thomas Beneke aus Letter steht fasziniert vor dem Fenster zum Andachtsraum der Willehadi-Kirche. "Das haben wirklich Laien gemacht."

Beneke hat die neun Glasscheiben gestiftet. Mehr als 60 Elft- und Zwölftklässler des Johannes-Kepler-Gymnasiums durften damit arbeiten. Die Gemeinde war im Herbst auf die Schule zugegangen. Die Kunstpädagogin Rosanne Schmidt griff zu, obwohl sie noch nie mit so großen Formaten und mit Glas gearbeitet hatte und obwohl sie mit ihren Schülern schon in die Verschönerung der Schule eingebunden war.

Schmidt, die Schüler, die Handwerker, Pastorin Renate Muckelberg und der Kirchenvorstand erleben erstmals die Wirkung, als Glaser die letzte Scheibe einsetzen und Licht durch das Kunstwerk fällt: leicht, ausdrucksstark, vieldeutig und einer Kirche überraschend angemessen. „Wir brauchten etwas, zu dem jeder einen Bezug hat, egal welcher Religion er angehört“, sagt Schmidt. Sie hat zahlreiche Schüler mit Migrationshintergrund. Christliche Symbolik war nicht die erste Wahl. Aber Himmel, Hoffnung, Sterne, Natur und Wasser.

Die Schüler haben ihre Installation auf Pappe komponiert. Sie haben sich im Stadtteil umgesehen, in der Kirche, bei Architekt Gerd Lauterbach und haben ihre Entscheidung getroffen: Sprühfarbe in Blau, Grün- und Violett-Tönen, aus der Bewegung heraus und mehrfach aufgetragen. Nach dem Sprühen eine Glaskugel über die Scheiben gerollt und kleine Teile wieder abgetragen – transparente kleine Löcher im Farbmuster als Symbol für Sterne im Himmel und das Glitzern auf dem Wasser. Grün für Natur und Hoffnung, Blau für Meer, Himmel und Leben.

Die vier Glaser erhalten am Freitag ein Sonderlob. Gerd Lauterbach holt sie nach vorne und bittet um Applaus. "Jede Scheibe ist vier Meter lang, 45 Zentimeter breit, nicht sehr dick und extrem zerbrechlich", sagt Lauterbach. "Was die Glaser beim Transport und beim Einsetzen geleistet haben, ist meisterlich." Die Glaser nicken dankend, treten ab und sagen mit einem Lächeln: "Das machen wir aber nie wieder." In den nächsten 14 Tagen werden sie die restlichen Fenster einbauen, richtige Doppelglasscheiben und nicht halb so filigran. Danach kann der Innenausbau der Kirche beginnen.

Und warum bleiben die Schüler-Scheiben nicht? Das endgültige Fenster wird ein Künstler herstellen, nachdem die Kirche fertig ist, weil der Künstler den Gesamteindruck braucht. Die Gemeinde wollte provisorisch für eineinhalb Jahre Holzplatten einsetzen. Das geht nicht, weil die Platten nach zwei Monaten aufgeweicht wären. Geld für mehr hat die Gemeinde aber nicht. Sie wird für endgültige Verglasung um Spenden bitten müssen, weil das Fenster früher nicht da war und die Versicherung das nicht bezahlt. Benekes Idee für das Provisorium und die Spende der Scheiben war der Weg zur heutigen Lösung. "Das ist einfaches Glas, acht Millimeter dick und nicht für die Ewigkeit gemacht", sagt Beneke.

Das Interview mit Khang To

Nur zwei Doppelstunden Arbeit am Glas und ganz viel Vorbereitung: Khang To (17) ist einer der rund 
60 Glaskünstler vom JKG.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Idee hörten?

Ich wohne hier um die Ecke, habe den Brand gesehen und mit auf der Straße gestanden. Ich habe einen sehr persönlichen Bezug zu dem Ereignis, anders als vielleicht andere. Und dann war ich sehr überrascht, so mit dem Thema wieder in Berührung zu kommen. Die Idee klang für mich sehr interessant.

War der Brand ein Thema für Euch beim Entwurf?

Nein, das stand nie wirklich zur Diskussion, weil wir ja einen Gegenpol zu dieser Geschichte schaffen wollten und sollten. Leben und Hoffnung, Himmel und Natur statt Zerstörung. Darüber haben wir uns Gedanken gemacht. Und darum haben wir alles in Blau- und Grün- und Violett-Tönen gehalten.

Und jetzt stehen Sie davor ...

... und bin sehr stolz auf mich selbst und alle, die mitgemacht haben. Es ist ein sehr gutes Ergebnis und für mich eine große Ehre, bei diesem Projekt dabei gewesen zu sein.

Ihre Fenster werden nur knapp eineinhalb Jahre in der Willehadi-Kirche bleiben. Bedauern Sie das?

Ja, das ist irgendwie schade. Es war uns allen natürlich von Anfang an klar. Trotzdem haben wir uns damit gedanklich erst anfreunden müssen.

Vielen Dank

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Von Redakteur Markus Holz

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