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Heimaten spiegeln sich in Kunstwerken wider

Garbsen Heimaten spiegeln sich in Kunstwerken wider

Heimat, Kultur und Heimweh: Die Künstlerinnen Shahin Hesse und Marion Kerns-Röbbert stellen in der Galerie-Hesse Werke aus, in denen sie Themen ihrer ersten Heimat, Persien und der DDR, verarbeiten. „Ich habe damals bemerkt, dass hier in Garbsen keine Kultur herrscht, deswegen wollte ich ein bisschen Kultur nach Garbsen bringen“, sagt Hesse. Ihre Galerie im Fiernhagen 32 eröffnet am Freitag, 
27. Mai, ab 19 Uhr.

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Ähnlich und doch verschieden: Die zwei Künstlerinnen Marion Kerns-Röbbert (links) und Shahin Hesse verarbeiten in ihren Werken die Flucht aus ihrer Heimat DDR und Iran in zwei unterschiedlichen Stilen.

Quelle: Natascha Jastrzemski

Altgarbsen. „Der Sekt steht schon bereit“, sagt sie lachend. Nachdem ihre Kinder außer Haus waren und nicht in das vorgesehene Haus auf der anderen Seite der Straße ziehen wollten, beschloss Hesse ihr Atelier dorthin zu verlagern. „Als ich 2008 Marion bei einer Ausstellung im Rathaus sah, war uns schnell klar, dass wir beide Machertypen sind und eine Galerie auf die Beine stellen wollen“, erinnert sich die gebürtige Perserin.

Shahin Hesse kommt ursprünglich aus Teheran, der Hauptstadt Irans. Sie gehört der religiösen Minderheit des Bahaismus an, welche in ihrer Heimat verfolgt wird. „1978/79, zu Zeiten der Revolution, wurden viele Leute festgenommen und getötet, darunter auch mein Großvater. Mich hätten sie auch getötet, wenn ich nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geflohen wäre“, erzählt Hesse. Deutschland sei nun ihre zweite Heimat, Teheran ihre erste.

In ihren Bildern finden ihre beiden Heimaten Ausdruck. „Die Kultur ist fest in unseren Köpfen und unsere Bilder erzählen Geschichten, die im Unterbewusstsein mit unserer Heimat zusammenhängen“, so Hesse. „Frau von Welt“ ist eine Art Selbstporträt. Es stellt die geteilte Seele durch zweierlei Kulturen und die innere Zerrissenheit und Anpassung an das Neue dar. „Auf der linken Körperhälfte wird mit den bunten, gefärbten Haaren der Versuch der Anpassung gezeigt, während die rechte Hälfte einfühlsam und eher schüchtern ist“, sagt Hesse.

Nach dem Ende der DDR musste auch Marion Kerns-Röbbert sich 1991 im Westen Deutschlands eingewöhnen. „Ich wollte nicht mehr Malen und Zeichnen. Damals dachte ich, im Westen gibt es schon alles, da kann ich nichts beitragen.“ Nachdem sie ihre Malutensilien längst entsorgt hatte, packte der Wunsch zu malen sie erneut. „In der DDR war ich im Visier des Ministeriums für Staatssicherheit und habe daher eher ,Sofabilder‘ gemalt, ohne Tiefgang und Kritik“, so Kerns-Röbbert. Die Angst vor einer möglichen Verhaftung und Verfolgung fiel im Westen schließlich von ihr ab.

„Mein Kopf war wieder frei für neue Themen, Techniken und Stile.“ Heute können beide Frauen stolz sagen, dass sie nach ihrer ersten Heimat eine neue, zweite Heimat gefunden haben, in der sie sich wohlfühlen. „Unsere Galerie trägt genau diesen Titel, „nach der Heimat“, da wir eben nicht wissen, was jetzt in unserer neuen Heimat noch alles auf uns zukommt“, sagt Hesse.

Von Natascha Jastrzemski

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